Sie sind mit dem Ziel angetreten, in die Fußstapfen ihrer "Goldenen Generation" zu treten, die beim FIFA Weltpokal 1998 in Frankreich bis zum dritten Platz stürmte. Und auch wenn sich Kroatien mit dem bitteren Viertelfinal-Aus im Elfmeterschießen gegen die Türkei bei der zurückliegenden UEFA EURO 2008 um den Einzug in die Runde der letzten Vier gebracht hat, wird man das Ensemble von Trainer Slaven Bilic künftig in einem Atemzug mit jenem Team nennen, in dem er damals selbst gestanden hat.
"Ich denke, wir haben den schönsten Fussball in der Geschichte der kroatischen Nationalmannschaft gespielt", sagte Aljosa Asanovic nach der EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz. Der 42-Jährige muss es wissen, denn auch er gehörte zur legendären 98er-Mannschaft Kroatiens und fungiert heute als Assistent von Bilic. Ein größeres Kompliment hätte man dem Team um den nach dem jüngsten kontinentalen Kräftemessen aus dem Nationalteam zurückgetretenen Kapitän Niko Kovac und dem die Zukunft gehörenden Spielmacher Luka Modric kaum machen können.
Brasilien und Argentinien überholt
Die Kroaten sind wieder im Aufwind und haben sich längst in die Weltspitze zurückgespielt. Nichts unterstreicht diese Entwicklung eindrucksvoller als ein Blick auf die jüngste Ausgabe der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. Dort ist das südeuropäische Land, das an der Adriaküste liegt und rund 4,5 Millionen Einwohner zählt, vom siebten auf den fünften Platz geklettert und hat keine geringeren Teams als die südamerikanischen Giganten Brasilien und Argentinien hinter sich gelassen.
Mit 1282 Punkten liegt die Bilic-Truppe zudem nur 17 Zähler hinter den viertplatzierten Niederländern. Auch die auf Platz drei rangierenden Weltmeister aus Italien (1320) sowie die zweitplatzierten Deutschen (1343) sind aus kroatischer Sicht zum Greifen nahe. Lediglich der neue Europameister Spanien, der mit 1557 Punkten eindrucksvoll die Pole Position inne hat, ist in weite Ferne gerückt.
Beste Platzierung nur noch ein Steinwurf entfernt
Vor genau zwei Monaten und unmittelbar vor dem EM-Auftakt stand Kroatien noch auf Rang 15 und hätte sich nur allzu sehr darüber gefreut, erstmals seit Januar 2008 wieder zu den "Top Ten" zu gehören. Dies geschah dann bereits im Juli 2008, als man sich plötzlich auf dem siebten Platz wiederfand. Dass die Kroaten aufgrund einiger Punktverluste von Argentinen und Brasilien nun gar auf Rang fünf klettern konnten, und damit die beste Platzierung seit März 1999 feiern, ist das beste Indiz dafür, dass Bilic sein Heimatland zu neuem Glanz geführt hat.
Bedenkt man, dass Kroatien im März 1994 auf Platz 125 stand und der 28. Rang noch immer als Durchschnittsplatzierung geführt wird, ist der fussballerische Aufstieg der noch immer jungen Nation, die seit dem 25. Juni 1991 unabhängig ist, mehr als bemerkenswert. Nun kann es für Modric und Co. Nur ein Ziel geben: die beste Platzierung der Kroaten in der Geschichte der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste anzupeilen. Zwischen Juli und Dezember 1998 waren sie Vierter, danach sogar drei Monate lang Dritter. Allzu unrealistisch ist das Erreichen dieser Vorgabe also nicht.
Strahlende Zukunft mit Modric?
Auch wenn Kapitän Niko Kovac aufgrund seines Alters von mittlerweile 36 Jahren von Bord gegangen ist, muss Kroatien durchaus zugetraut werden, auch in den nächsten Jahren ein Wörtchen mitzureden, wenn es um die Gewaltenteilung an der Spitze des Weltfussballs geht. Bilic fehlt zwar der ganz große Topstar in seinem Team, doch in Sachen Kompaktheit und taktischem Spielverständnis kamen die Kroaten bei der UEFA EURO 2008 gleich hinter den Spaniern.
Mit dem erst 22 Jahre alten Regisseur Modric, der seine Qualitäten nun in der englischen Premier League bei Tottenham Hotspur unter Beweis stellen kann, könnte der neue Weltklasse-Mann in den kroatischen Reihen jedoch schon gefunden sein. Und auch darüber hinaus ist Bilic, der mit seiner Erfahrung als ehemaliger Nationalverteidiger sowie dank seines großen Charismas über große Beliebtheit und Authorität verfügt, auch nicht bange: "Wir blicken nach vorne, denn wir haben ein junges Team. Die WM-Qualifikation steht bevor, morgen ist ein neuer Tag, die Sonne wird wieder aufgehen. Wir werden noch ein paar Tränen verlieren, doch so ist eben das Leben", sagte der 39-Jährige unmittelbar nach dem EM-Aus.
Angesichts der jüngsten Platzierung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste und der Perspektiven seiner Mannschaft sollten diese Tränen längst getrocknet sein...
