Suriname liegt am nordöstlichen Zipfel Südamerikas, spielt aber dennoch in der Nord-, Mittelamerika und Karibik-Zone (CONCACAF). Obwohl die Surinamer in der CONCACAF-Zone eher zu den Außenseitern zählen, haben sie in den letzten Monaten eine regelrechte Leistungsexplosion an den Tag gelegt.
Die Mannschaft besiegte im vergangenen März in der ersten Runde der Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ zunächst die Inselkicker aus Montserrat, bevor sie mit einem Überraschungserfolg den höher platzierten Nachbarn und Top-Favoriten Guayana aus dem Wettbewerb katapultierten und sich somit einen Platz in der ersten Gruppenphase der WM-Qualifikation der CONCACAF-Zone sicherten. Abgesehen davon, dass diese Erfolge Suriname zwei Schritte näher an die erste Teilnahme überhaupt an einer WM-Endrunde gebracht haben, bescherten diese Resultate dem Team in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auch eine Verbesserung um 58 Positionen nach oben.
Nachdem die A-Selektie innerhalb von drei Monaten zwischen April und Juni 2008 nur drei Plätze gut machen konnte, schnellten die Surinamer als bester Aufsteiger des Monats Juli von Platz 145 auf Position 87 empor. Der aktuelle Platz stellt für Suriname gleichzeitig die beste Platzierung in der Geschichte des Landes dar, und es ist das erste Mal überhaupt, dass die Surinamer in die Top 100 vorstoßen konnten.
Nachdem Suriname jetzt sogar vor Fussballnationen wie Österreich und Algerien liegt, hofft der Underdog, auch die nächste Hürde auf dem Weg nach oben nehmen zu können und am Ende einen der beiden ersten Plätze in seiner Vorrundengruppe zu ergattern, was für die Surinamer den Sprung in die letzte Runde der WM-Qualifikation bedeuten würde. Auf dem Weg dorthin müssen sie es in ihrer Gruppe, die übrigens als die schwächste der drei Qualifikationsgruppen angesehen wird, mit Haiti, El Salvador und Costa Rica aufnehmen. Suriname trifft bei seinem ersten Gruppenspiel der dritten Runde am 20. August in Port-au-Prince auf den Karibikmeister Haiti.
Nach dem Sprung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste liegt Suriname nun vor solch regionalen Fussballgroßmächten wie Trinidad und Tobago, Jamaika und Guatemala. Für die knapp über 500.000 Einwohner zählende Republik, die 1975 ihre Unabhängigkeit von den Niederlanden erlangte, sind das wahrhaft ungewohnte Gefilde.
Auch wenn Suriname das kleinste Land Südamerikas ist, kann es doch auf eine relativ erfolgreiche Fussballgeschichte in der Karibik-Region zurückblicken, denn 1997 konnte die A-Selektie den Carribbean Cup gewinnen, wurde nur zwei Jahre später Zweiter und landete 1994 und 1996 auf dem vierten Platz.
Als ehemalige niederländische Kolonie hat Suriname einige der besten Spieler in der Geschichte des niederländischen Fussballs hervorgebracht. Clarence Seedorf, Edgar Davids, Ruud Gullit, Jimmy Floyd Hasselbaink, Frank Rijkaard, Aron Winter und Romeo Castelen, "der Diamant von Suriname", sind nur einige der ehemaligen oder aktuellen Stars der niederländischen Nationalmannschaft, die entweder selbst aus Suriname stammen oder ihren Familienstammbaum in den Tropenstaat in Äquatornähe zurückverfolgen können.
Eine Besonderheit in Surinames Regierungspolitik verbietet es jedoch Spielern, die das Land verlassen, um in den niederländischen Profiligen zu spielen (derzeit sind dies übrigens annähernd 150), auch für die Nationalmannschaft Surinames aufzulaufen.
"Spieler, die auf eine Zukunft im Fussball hoffen können, verlassen das Land in der Regel schon in jungen Jahren", erklärt Cheftrainer Jaliens, der Onkel von Kew Jaliens, dem aus Suriname stammenden niederländischen Nationalspieler und Verteidiger von AZ Alkmaar.
Wenn man Suriname in Richtung Niederlande verlässt, kann man nicht mehr für die hiesige Nationalmannschaft spielen. Das ist eine innenpolitische Entscheidung und wirklich schade."
Begrenzte Alternativen
Die Verbindungen zu einigen der besten niederländischen Spieler sind nicht von der Hand zu weisen. Einer der berühmtesten Akteure der aktuellen A-Selektie ist Giovanni Drenthe, der jüngere Bruder von Real Madrids pfeilschnellem Flügelspieler Royston Drenthe. Giovanni Drenthe ist der Vorlagengeber für den torgefährlichen Clifton Sandvliet, Surinames Rekord-Torschützenkönig, der in 68 Länderspieleinsätzen insgesamt 79 Tore erzielen konnte.
Die meisten Nationalspieler sind Amateure und stehen bei Vereinen wie SV Robinhood und SV Transvaal unter Vertrag, dem einzigen Klub aus Suriname, der bereits den CONCACAF Champions Cup gewonnen hat (1973 und 1981).
Obwohl Suriname nicht auf seine in den Niederlanden unter Vertrag stehenden Profifussballer zurückgreifen kann, stellt das kleine Land derzeit beeindruckend unter Beweis, dass es immer wieder Weltklassespieler hervorbringt, die der Nationalmannschaft zu Höhenflügen verhelfen können. Ihre aktuelle Platzierung unter den Top 100 der FIFA/Coca-Coca-Weltrangliste und die in den kommenden Monaten bevorstehenden Partien gegen einige der besten Mannschaften der CONCACAF-Zone zeigen, dass die Surinamer trotz verschiedener und zahlreicher Hindernisse in die richtige Richtung steuern.
"Wir haben derzeit ein gutes Team", bemerkte Cheftrainer Jaliens kürzlich. "Wir haben in letzter Zeit desöfteren unter Beweis gestellt, dass wir zu starken Leistungen in der Lage sind. Das ist doch eine gute Basis für noch größere zukünftige Erfolge."
