Sie waren die größte Überraschung der UEFA EURO 2008. Mit dem jüngsten Team des Turniers schafften die Russen den Halbfinaleinzug, wo sie am späteren Europameister Spanien scheiterten. Das hervorragende Abschneiden spiegelt sich auch in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste wider. Die Sbornaja kletterte im Juli um 13 Plätze auf Rang elf - die beste Platzierung seit fast elf Jahren.

Im Oktober 1997 waren die Russen mit Rang neun letzmalig besser platziert. Nun nähert sich der EM-Halbfinalist endlich wieder der "Top Ten". Das beste Ergebnis seit Einführung der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste erreichte man im April 1996 - damals Rang drei. Dass Russland auch gegen höher platzierte Teams mithalten kann, bewiesen die Schützlinge von Coach Guus Hiddink unter anderem im EM-Viertelfinale gegen die Niederlande (Platz fünf), die sie mit 3:1 nach Verlängerung aus dem Turnier warfen.

Vorankündigung durch ZSKA und Zenit
Garant für den Erfolg ist Stürmer Andrei Arshavin. Der 27-Jährige war stets ein Unruheherd und führte sein Team verdient unter die letzten Vier. Mit zwei Treffern, einer Torvorlage und zahlreichen spektakulären Aktionen avancierte er zu einem der besten Spieler des Turniers. Gemeinsam mit Yuri Zhirkov, Konstantin Zyryanov sowie Roman Pavlyuchenko wurde er in das "All-Star-Team" der EM gewählt.

Die Vorzeichen für ein Wiedererstarken des russischen Fussballs gab es bereits zuvor. Nach dem Europapokalsieg ZSKA Moskaus 2005 holte sich Zenit St. Petersburg 2008 den UEFA-Pokal-Sieg und räumte nacheinander den FC Villarreal, Olympique Marseille, Bayer Leverkusen, Bayern München und schließlich die Glasgow Rangers aus dem Weg.

Hiddink: "Der russische Fussball lebt auf"
Mit Guus Hiddink und Dick Advocaat stehen derzeit zwei Niederländer auf der Kommandobrücke des Nationalteams bzw. von Zenit. Die hervorragende technische und taktische Leistung gepaart mit einer beeindruckenden Physis - das zeichnet den russischen Fussball derzeit aus - ist auch ein Verdienst der Trainer.

"Der russische Fussball lebt auf", erklärt Hiddink. "Nicht nur auf Vereinsebene, wo Zenit den UEFA-Pokal gewonnen hat, sondern auch in punkto Nationalmannschaft. Ziel für den russischen Fussball muss sein, sich wieder zu etablieren und sich seinen Platz im europäischen Fussball zurückzuerobern. Jetzt müssen die guten Ergebnisse des russischen Fussballs in Modernisierung der Infrastruktur umgemünzt werden."

WM-Qualifikation gegen Deutschland
Die Sbornaja hat Großes vor. Bereits am 10. September gegen Wales startet das Team von Hiddink in die Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™. Vier Wochen später, am 11. Oktober, kommt es dann in Dortmund zum Duell der beiden Favoriten der Gruppe 4. Der dreimalige Welt- und Europameister Deutschland wartet auf den EM-Halbfinalisten.

An der WM-Teilnahme in Südafrika zweifelt in Russland keiner. "Das ist erst der Anfang. Der russische Fußball hat eine große Zukunft vor sich", verkündete Vitaly Mutko, der Präsident des russischen Fußballverbandes nach der EM. Kapitän Sergei Semak fügte hinzu: "Wir haben bei der EURO alles gegeben. Wir haben bewiesen, dass Russen Fussball spielen können. Wir werden versuchen, die Fans auch in Zukunft glücklich zu machen."

Hohe Ziele für die FIFA WM 2010
Die einstige Fussball-Großmacht will wieder zu den besten Teams der Welt gehören - genau wie damals, als das Land noch UdSSR hieß: 1956 und 1988 holten sie Olympisches Gold, 1960 den Europameistertitel. Nun müssen Arshavin und Co. in die Fußstapfen der einstigen Sbornaja-Helden steigen. Die Vorraussetzungen haben sie allemal.

Ohne Frage: Es geht nach jahrelanger Durststrecke wieder aufwärts mit dem russischen Fussball, die Hoffnungen auf ein erfolgreiches Abschneiden bei einer WM-Endrunde sind groß. Die Zeitung "Sovetski Sport" schreibt: "Unsere Mannschaft hat zwar das Finale verpasst, aber sie hat viel, viel mehr erreicht - sie hat Russland wieder Hoffnung auf eine tolle Zukunft im Fussball gegeben."