Die spanische Auswahl entledigt sich nach und nach der Klischees, die seit über 40 Jahren ihr treuer Wegbegleiter sind. Zum ersten Mal in der Geschichte des spanischen Fussballs stehen die Iberer an der Spitze der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste und nehmen damit einen Platz ein, der in den letzten Jahren Argentinien, Brasilien und Italien vorbehalten war.
Durch die Siege gegen Italien und Deutschland bei der EURO 2008 sowie die nicht gerade überzeugenden Auftritte Brasiliens und Argentiniens in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 ™ kletterte die Furia Roja um drei Ränge und eroberte zum ersten Mal die Spitze der Weltrangliste. Dies ist nur eine weitere Auszeichnung für ein Kollektiv, das unter Trainer Luis Aragonés ganz Europa verzaubert hat.
Die Zahlen sprechen für sich
Die Zahlen, die Luis Aragonés an der Spitze der
Roja vorzuweisen hat, seitdem er die spanische Auswahl
nach der EM 2004 von Iñaki Saéz übernommen hat, sprechen eine
deutliche Sprache. Von den 54 Begegnungen unter seiner Ägide hat
Spanien gerade einmal vier Partien verloren. Vor der ersten
Niederlage (1:3) gegen Frankreich im Achtelfinale der FIFA WM 2006
in Deutschland war Spanien 25 Spiele in Folge ohne Niederlage
geblieben. Die Mannschaft blieb von August 2004 bis Juni 2006
unbesiegt und legte die zweitbeste Serie in ihrer Geschichte
hin.
Nach einer weiteren WM-Enttäuschung verlief die Rückkehr auf das internationale Parkett während der Qualifikation zur UEFA EURO 2008 nicht gerade erfolgreich. Spanien startete mit zwei Niederlagen gegen Nordirland (2:3) und Schweden (0:2) und unterlag zudem noch Rumänien (0:1) in einem Testspiel. Bereits nach den ersten Begegnungen wurde die Zukunft von Aragonés an der Spitze der spanischen Auswahl in Frage gestellt. Doch der Weise von Hortaleza blieb seinen Überzeugungen treu, gab Spanien die Freude am Fussball zurück und führte das Team zu einem grandiosen EM-Triumph.
Seit der Niederlage gegen Rumänien im November 2006 haben die Spanier eine neue Serie von 22 Spielen ohne Niederlage hingelegt. Bei 19 Siegen stehen lediglich drei Unentschieden zu Buche. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, wann der ewige Rekord von 31 Spielen ohne Niederlage, für den sich Aragonés zwischen September 1994 und November 1997 verantwortlich zeichnet, der Vergangenheit angehören wird.
Der lange Weg zur Nummer eins
Der erste Rang in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste
zeugt von der positiven Entwicklung des spanischen Fussballs. Die
spanische Elf hatte den Sprung an die Spitze der Weltrangliste
einige Mal knapp verpasst. 1994 lag Spanien unter Javier Clemente
lediglich hinter Brasilien, das gerade die WM in den USA gewonnen
hatte. Das Team hielt sich bis März 1995 auf dem zweiten Rang und
belegte diesen Platz erneut für kurze Zeit im Oktober.
Zwei Jahre später war Spanien wieder nur einen Schritt vom ersten Platz entfernt. Angeführt von Fernando Hierro, Andoni Zubizarreta und dem aufgehenden Stern Raúl González belegte Spanien zwischen Juli und August 1997 sowie im Oktober desselben Jahres den zweiten Platz und reiste als einer der Favoriten zur WM 1998 in Frankreich.
Die Enttäuschung nach dem Vorrundenaus in Frankreich hinterließ ihre Spuren im spanischen Fussball, der sich erst im April 2003 erholte, als José Antonio Camacho die Spanier auf den zweiten Platz der Weltrangliste führte, wo sie sich bis Mai hielten.
Diese Ergebnisse ließen die spanischen Anhänger davon träumen, eines Tages ihr Team an der Spitze der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste zu sehen. Jetzt ist es endlich soweit. Dank eines Trainers, der dem Verband zwar nicht erhalten bleibt, aber einer ganzen Fussballergeneration, die vor einer goldenen Zukunft steht, seinen Stempel aufgedrückt hat.
