Insgesamt 55 Monate nach dem Gewinn des FIFA-Weltpokals Korea/Japan 2002™ standen die Brasilianer unangefochten an der Spitze der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste und niemand schien sie vom Platz an der Sonne verdrängen zu können. Nicht einmal nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ mussten sie den ersten Platz räumen. Im Anschluss übernahm Dunga das Amt als Trainer der Seleção, die in der Folge zu alter Stärke zurückfand.
Erst nach der 0:2-Niederlage gegen Portugal im Februar 2007 machten die Brasilianer die ungewohnte Erfahrung, in der Weltrangliste nach oben schauen zu müssen, nachdem Weltmeister Italien die Führung übernommen hatte.
Aber es sollte noch schlimmer kommen. Im März fiel Brasilien gar auf Platz drei hinter die Squadra Azzurra und den neuen Spitzenreiter Argentinien zurück. Im Monat darauf tauschten die beiden Erstplatzierten die Plätze.
Für kurze Zeit konnte sich die Seleção auf Platz zwei zurückkämpfen, wurde dann aber im Juni neuerlich abgelöst von Frankreich. Zudem musste der fünffache Weltmeister zur Kenntnis nehmen, dass eine ganze Reihe von Mannschaften kurz davor stand, an ihnen vorbeizuziehen. Deutschland war bis auf Tuchfühlung an den Endspielgegner von 2002 herangekommen, Argentinien befand sich ebenfalls in Lauerstellung. Selbst die Portugiesen, von Luiz Felipe Scolari trainiert, der Brasilien 2002 zum Gewinn der Weltmeisterschaft geführt hatte, schalteten sich in das Rennen um die Spitzenpositionen ein.
Sieg in Venezuela
Bei der Copa América Venezuela 2007 bot sich Dunga
nun die Chance, sich mit Brasilien einen Platz beim FIFA
Konföderationen-Pokal Südafrika 2009 zu sichern und sein erstes
Jahr mit einem Titel zu krönen. Diese Gelegenheit ließ sich der
ehemalige Kapitän der Weltmeisterelf nicht nehmen. Nach einem
eindrucksvollen 6:1-Sieg gegen Chile im Viertelfinale erreichte die
Seleção das Finale durch einen mühsamen Sieg nach
Elfmeterschießen gegen Uruguay. Dort ließen die Brasilianer dann
nichts anbrennen und setzten sich deutlich mit 3:0 gegen den
Erzrivalen Argentinien durch.
Nach dem das ganze Land von der großen Euphorie um die Mannschaft angesteckt wurde, hatte der Trainer, dessen Amtsantritt sich am kommenden Dienstag jährt, einen weiteren Grund zum Feiern. Fünf Monate, nachdem Brasilien von der Spitze verdrängt worden war, ist die Mannschaft erneut die Nummer eins der am Mittwoch veröffentlichten FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste. Auf Rang zwei folgt die Albiceleste.
Dabei hatte Dunga nicht zum ersten Mal maßgeblichen Anteil am brasilianischen Erfolg. Bereits als Spieler führte der Mittelfeldspieler die Seleção als Kapitän zum Gewinn der FIFA Fussballweltmeisterschaft USA 1994 und verwandelte dabei im Elfmeterschießen gegen Italien den letztlich spielentscheidenden Elfmeter. Mit diesem Erfolg übernahmen die Südamerikaner damals ebenfalls die Führung in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste, die sie über den beachtlichen Zeitraum von sechs Jahren und zehn Monaten nicht mehr abgaben.
In diesem Zeitraum bis zu seinem Karriereende 1998 war Dunga eine der großen Stützen der Mannschaft. Sein Einfluss innerhalb der Mannschaft wurde noch einmal ganz offensichtlich bei der WM 1998 in Frankreich, als er die Seleção mit seiner meisterlichen Regiearbeit bis ins Finale führte. Und obwohl sie dort gegen den Gastgeber verloren, blieben die Brasilianer noch etwas länger als drei Jahre an der Spitze der Rangliste.
Amtsantritt als Nationaltrainer
Angesichts seiner Stärken als Spieler überraschte es
niemanden, dass er den Wechsel vom Spielfeld auf die Bank mühelos
meisterte. Nachdem Vanderlei Luxemburgo 2000 vom Amt des
Nationaltrainers zurückgetreten war, zählte der Gewinner der FIFA
U-20-Weltmeisterschaft Mexiko 1983 zu den großen Favoriten der CBF
auf dessen Nachfolge. Trotz des ihm entgegengebrachten Vertrauens
entschloss er sich zunächst, noch kein Traineramt zu übernehmen.
Nachdem ihm allerdings im Anschluss an das Ausscheiden bei der WM
2006 in Deutschland angeboten worden war, die Nachfolge seines
früheren Trainers Carlos Alberto Parreira anzutreten, konnte er der
Versuchung nicht widerstehen.
Obwohl Dungas Nominierung für viele überraschend kam, konnte er seine Verpflichtung bis jetzt durchaus eindrucksvoll rechtfertigen. Nach der niedergeschlagenen Stimmung im Anschluss an die enttäuschend verlaufende WM in Deutschland gelang es ihm, der Mannschaft schnell wieder neues Leben einzuhauchen. Es folgte der umjubelte 3:0-Sieg gegen Argentinien in London im seinem zweiten Spiel als Trainer sowie die ungefährdeten Siege gegen Wales, Ecuador und die Schweiz.
Die emotionsgeladenen brasilianischen Fans mögen ihn wegen seiner lautstarken Anweisungen von der Außenlinie. Zudem ist seine Entscheidung erfrischend, nichts auf Namen zu geben, sondern lediglich anhand der gezeigten Leistungen Spieler zu berücksichtigen. Lange Zeit gesetzte Spieler wie Emerson, Kaká, Ronaldinho, Ronaldo und Adriano wurden in den vergangenen zwölf Monaten zum Teil nicht berücksichtigt. Nach seiner Rückkehr in die Nationalmannschaft zeigte Kaká herausragende Leistungen und Ronaldinho deutete ebenfalls sein Genie an, von dem in Deutschland überhaupt nichts zu sehen war. Bei der jetzigen Copa América fehlten dagegen beide, nachdem sie um eine Auszeit gebeten hatten.
Zusammen mit Ronaldo müssen sich beide Spieler jetzt in die Mannschaft zurückkämpfen, die in Venezuela den achten kontinentalen Titel gewann. In einem Kader, in dem einige Spieler auf absolutem Topniveau spielen, wird dies nicht einfach werden. Dungas Fähigkeit, das Beste aus seinen Spielern herauszuholen, hat daran großen Anteil. Stellvertretend hierfür sind Juan, Elano und Robinho zu nennen, die sich unter dem 43-Jährigen deutlich gesteigert haben.
Dunga war zuletzt in die Kritik geraten, weil die Brasilianer ständig atemberaubenden Fussball von ihrer Mannschaft fordern. Doch der Gewinn der Copa América unterstreicht den beeindruckenden Fortschritt, den die Seleção unter seiner Führung gemacht hat. Und daher kann er sich ganz entspannt zurücklehnen, wenn er zum Abschluss seines ersten Jahres in einer der anspruchsvollsten Trainerpositionen im Weltfussball auf den Namen des Erstplatzierten in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste blickt: Brasilien.
