Es gibt Unentschieden, die sich wie Siege anfühlen. So geschehen zuletzt beim 0:0 von Malta gegen die Schweiz am 9. Februar. Die Freude der maltesischen Fans ist umso verständlicher, wenn man bedenkt, dass die Schweizer Nati bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010 dabei war und in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste 133 Plätze weiter vorne platziert ist. Insofern war das Unentschieden also eine wahrlich große Leistung.
Das gilt insbesondere für Maltas Schlussmann Justin Haber, der einen Glanztag erwischte. Alexander Frei und Gökhan Inler konnten den Torhüter von Ferencváros Budapest nicht einmal vom Elfmeterpunkt aus überwinden. Dieser blieb jedoch auch nach dem Schlusspfiff bescheiden: "Ich bin sehr zufrieden – nicht allein wegen meiner Paraden, sondern weil wir gemeinsam unser Bestes gegeben haben, um gegen einen solchen Gegner ein gutes Ergebnis zu erreichen. Immerhin hat die Schweiz bei der WM Spanien geschlagen…"
Gut für die Moral
Als "gut für die Moral" stufte der Torwart das Ergebnis ein, gleichwohl jedoch nicht als große Überraschung. Tatsächlich passt das maltesische Bravourstück in eine positive Entwicklung, die eingesetzt hat, nachdem im Juni 2010 der Tiefpunkt erreicht war. Damals war Malta auf Platz 169 in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste abgerutscht – historischer Tiefststand. Die Malteser sahen sich in ihrem Stolz verletzt und das führte letztlich zu einem Sprung von sieben Plätzen in der letzten Ausgabe des Klassements.
"Allen maltesischen Spielern von früher bis heute ist ein Gefühl des Stolzes gemein. Es ist eine große Ehre, als Spieler oder Trainer Malta zu repräsentieren. Deshalb legen wir uns auch umso mehr ins Zeug, wenn wir in der Nationalmannschaft sind", sagte etwa John Buttigieg gegenüber FIFA.com. Der legendäre Verteidiger der maltesischen Ritter (97 Länderspiele) ist der erste einheimische Nationaltrainer der Insulaner seit Pippo Psaila, der den Posten zwischen 1991 und 1993 innehatte. Buttigieg weiter: "Für ein kleines Land wie das unsere ist es immer schwierig, gegen die Großen des Fussballs zu spielen."
Das belegen auch die nackten Zahlen. Seit Sommer 2009 und einem mit 2:0 gewonnenen Freundschaftsspiel gegen Georgien konnte Malta nicht mehr den süßen Geschmack des Sieges kosten. Es folgten 14 Spiele ohne jeden Punktgewinn. "Manchmal ist es entmutigend, aber wir kennen unsere Grenzen. Wir sind immer bestrebt, unser Bestes zu geben und den Kopf oben zu behalten", so Buttigieg. "Aber das alles ist kein Hexenwerk. Man muss hart arbeiten und auf dem Platz immer 100 Prozent geben. Dann klappt es manchmal auch mit dem Ergebnis."
Die Suche nach der Erfolgsformel
Das Remis gegen die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld war ein solches Ergebnis, ebenso das 1:1 gegen EJR Mazedonien im August 2010. "Wer Fussball spielt, will auch gewinnen. Aber machen wir uns mal nichts vor, wenn man gegen die großen Fussballnationen spielt, ist das eben schwierig. Also verlegt man sich darauf, zunächst mal eine gute Leistung zu zeigen und schaut dann, ob am Ende ein Unentschieden dabei rausspringt oder nicht. Gegen Griechenland vor ein paar Tagen haben wir zum Beispiel unglücklich in der Schlussphase verloren." In diesem Spiel der Qualifikation zur UEFA EURO 2012 dauerte es in der Tat bis zur 92. Minute, ehe Vasilis Torosidis sein Team erlöste. Malta ist somit weiterhin Schlusslicht in der Gruppe F. "Da muss man realistisch sein, von der Qualifikation dürfen wir nicht einmal träumen", meint Buttigieg. "Aber das ändert nichts an unserem Ziel: Immer das Beste geben, jede gegnerische Mannschaft vor Probleme stellen."
Während der letzten Europameisterschaftsqualifikation 2008 konnte Malta unter dem Slowaken Dušan Fitzel sogar ein Spiel gewinnen. Ein Doppelpack von André Schembri, der auch heute noch die Speerspitze der maltesischen Angriffsabteilung ist, bescherte den Rittern seinerzeit ein 2:1 gegen Ungarn. Es war der erste Sieg seit 15 Jahren. Noch bleiben fünf Spiele, um diese Marge auf drei Jahre zu verkürzen.
