Wenn man Fussballfans danach fragt, was ihnen zu den Färöer einfällt, werden viele von ihnen sicherlich spontan Jens Martin Knudsen nennen, den Mann zwischen den Pfosten mit der Pudelmütze. Vor einem Länderspiel gegen Frankreich im Jahr 2004 sagte Thierry Henry: "Der Torhüter ist der einzige Spieler bei den Färöer-Inseln, der mir etwas sagt. Ich kenne ihn zwar nicht persönlich, aber seine Mütze schon." Als die Republik Irland im Juni 2005 ein Länderspiel gegen die Färöer in Torshavn bestritt, trugen die irischen Fans zu Ehren des gegnerischen Torhüters grüne Pudelmützen.

Der Keeper der Färöer saß an diesem Tag auf der Einwechselbank, und nur ein paar Meter von ihm entfernt saß Brian Kerr, der irische Trainer, dessen Strategie dank der Treffer von Ian Harte und Kevin Kilbane an diesem Tag aufgegangen war, denn seiner Elf gelang ein 2:0-Erfolg. Vier Jahre später finden sich nun Kerr und Knudsen im gleichen Team wieder. Der Ire ist nun Trainer der Nationalmannschaft der Färöer-Inseln und der ehemalige Torhüter seine rechte Hand.

"Es eine große Herausforderung. Und da untertreibe ich nicht", sagte Kerr, der solch talentierte Spieler wie Damien Duff, Robbie Keane und John O'Shea auf internationaler Ebene als Trainer betreute, als diese noch in den U-16- und U-20-Altersklassen für die Republik Irland spielten. "Wenn man eine Mannschaft übernimmt, die in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 166 rangiert und die ihr letztes Pflichtspiel 2004 gewonnen hat, kann man sich einigermaßen vorstellen, was auf einen zukommt. Aber ich bin immer noch sehr nervös. Ich möchte mein Bestes geben, um das Team nach vorne zu bringen. Deshalb habe ich diese neue Herausforderung angenommen."

Ein Sieg historischen Ausmaßes
Dieser übereifrige Ansatz hat sich allerdings ausgezahlt, denn in der Fussballgeschichte der Färöer erwies sich der 9.9.2009 als ein denkwürdiger Tag, den sich viele Fans im Kalender sicherlich rot angestrichen haben: An diesem Tag gelang nämlich den Färöer-Inseln mit dem 2:1-Erfolg gegen Litauen in Toftir ihr erster Sieg in einem Qualifikationsspiel für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft. Suni Olsen schoss in der 13. Spielminute den Führungstreffer für die Färöer, aber nach nur neun Minuten kamen die Gegner zum Ausgleichstreffer. In der 34. Minute jedoch gelang Arnbiorn Hansen mit dem 2:1 die erneute Führung, die die Kicker von den Färöer bis zum Ende der Partie tapfer verteidigten und sich somit die ersten denkwürdigen drei Punkte in einem Pflichtspiel sicherten.

Neben der Tatsache, dass die Färöer durch diesen Erfolg in der Qualifikationsgruppe 7 mit vier Punkten nach oben kletterten, katapultierte sie dieser Sieg in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auch um 41 Positionen nach vorne auf Platz 122, was gleichzeitig auch bedeutete, dass sie der Aufsteiger des Monats Oktober waren. Sollte den Färöer erneut ein solch herausragender Sieg gelingen, könnte dies für die Männer um Trainer Brian Kerr ein ähnlich bedeutender Erfolg wie im Dezember 1992 bedeuten, als die Färöer auf Platz 94 klettern konnten. Aber der ehemalige Coach der irischen Nationalmannschaft hält sich mit allzu hohen Erwartungen an seine bekennenden Teilzeitfussballer zurück.

"Kader ist übersichtlich"
"Die Spieler hier gehen auf ihre ganz besondere Art und Weise, aber nicht weniger leidenschaftlich, an ihre Aufgaben heran, als woanders auch", so Kerr weiter.

"Wir haben vier Schreiner, mindestens sechs Vollzeitstudenten, zwei Polizisten, einen Buchhalter, einen Spieler, der in einem Sportgeschäft angestellt ist, zwei Lehrer und Andreas Olsen im Team, der auf einer Bowlingbahn und auch als Zimmermann arbeitet. Simun Samuelsen hat eine Vollzeitbeschäftigung in Island, und Suni Olsen arbeitet in einer Fischfabrik. Ich glaube, dass Frodi Benjaminsen im Baugewerbe tätig ist. Und Jakup Mikkelsen ist Lehrer, aber er ist auch im Gemeinderat, so eine Art Abgeordneter. So ungefähr setzt sich mein Team zusammen. Der Kader ist ziemlich übersichtlich. Und wir haben auch niemanden vergessen, der zum Beispiel beim AC Mailand unter Vertrag steht!"