Malis Hoffnungen auf die erste Teilnahme an einer FIFA-WM-Endrunde dürften sich (vorerst) noch zerschlagen, aber das ändert nichts daran, dass das Land eine neue Supermacht des afrikanischen Fussballs werden könnte.

Nach der ersten Runde der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ machte Mali jedenfalls einen starken Eindruck und wurde von vielen als Favorit auf das Erreichen der letzten Ausscheidungsphase gehandelt. Durchkreuzt wurde dies allerdings von den starken Ghanaern, so dass die Westafrikaner nun wohl nur Platz zwei anpeilen können. Für eine fraglos schon jetzt vorhandene Generation talentierter Spieler das Ende der Chance, im kommenden Sommer in Südafrika vorspielen zu können.

Starkes Quartett
Zu rechnen sein dürfte mit Mali in naher Zukunft dennoch. Das Gerüst der Nationalmannschaft steht. Gebildet wird es aus hochklassigen Spielern, allesamt mit reichlich Erfahrung aus Europas Topligen. Ein Quartett darf sogar getrost als Weltklasse eingestuft werden. Daneben hat Trainer Stephen Keshi einige weniger bekannte Stars zur Verfügung, die er um seine Achse herum gruppieren und so eine geschlossene Mannschaft formen kann.

Da wäre zum Beispiel Kapitän Mahamadou Diarra. Er spielt bei Real Madrid und hat dort als Arbeitstier im defensiven Mittelfeld des ansonsten so offensiv ausgerichteten Starensembles voller spektakulärer Neueinkäufe seinen Platz sicher. Wäre er nicht so lange verletzt gewesen, wäre Mali ein potenzieller WM-Kandidat. Diarra aber verpasste in diesem Jahr bisher alle Qualifikationsspiele - auch die wichtige Partie gegen Ghana im Juni.

Weil auch Mohamed Lamine Sissoko von Juventus Turin verletzungsbedingt fehlte, war die Mannschaft ihrer dringend benötigten Stars beraubt. Seydou Keita vom FC Barcelona und Stürmer Frederic Kanouté vom FC Sevilla, ehedem Afrikas Fussballer des Jahres, komplettieren die Achse, um die sich in der Nationalmannschaft alles dreht.

Rosige Zukunftsaussichten
Beim nächsten Afrikanischen Nationen-Pokal dürfte Mali mit ziemlicher Sicherheit dabei sein, und in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste klopft die Mannschaft inzwischen an die "Top 50". Platz 53 ist es in der jüngsten Ausgabe vom Mittwoch, dem 2. September. Damit gehört Mali jetzt zu den "Top 10" in Afrika.

Zu verdanken ist dieser Sprung auch dem überzeugenden 3:0 über den Nachbarn und Rivalen Burkina Faso in einem Freundschaftsspiel im August in Frankreich. Auch Position 35, die bislang beste Platzierung Malis vor zwei Jahren, scheint durchaus wieder möglich.

So paradox es sich auch anhören mag, die Enttäuschung des verpassten Debüts bei der ersten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in Afrika könnte Mali zu einem Titelanwärter beim Afrikanischen Nationen-Pokal im Januar in Angola machen. Mit Diarra und Sissoko in Kombination mit Keita und Kanouté ist das Team jedenfalls mehr als konkurrenzfähig.

Weitere talentierte Akteure
Trainer Keshi, der einst Nationalmannschaftskapitän von Nigeria war und als solcher den Status einer Lichtgestalt genießt, kann sich zudem auf den erfahrenen Verteidiger Adama Coulibaly von AJ Auxerre in Frankreich stützen. Auch Stürmer Mamadou Samassa aus Valenciennes will künftig für Mali spielen, nachdem er in der U-21 noch für Frankreich aufgelaufen ist.

Zudem konnte Keshi Verteidiger Djimi Traore zu einer Rückkehr in die Nationalmannschaft bewegen, aus der sich der Spieler nach einem Zerwürfnis mit Offiziellen lange Zeit zurückgezogen hatte. Traore ist mit dem FC Liverpool Sieger der UEFA Champions League geworden und spielt jetzt bei OGC Nizza in Frankreich.

Derart personell verstärkt, könnte Keshi mit seiner Mannschaft nun den nächsten Schritt machen. Das Vertrauen seiner Akteure hat er jedenfalls. "Für mich ist Stephen Keshi nicht nur ein Trainer, sondern in erster Linie eine Größe des afrikanischen Fussballs. Heute versucht er, uns seine Erfahrungen weiterzugeben", so Traore.