"Das war ein Spiel für die Geschichtsbücher", "sensationelles Comeback" - mit solch euphorischen Schlagzeilen feierte die norwegische Presse Mitte Februar den 1:0-Sieg ihrer Mannschaft gegen den dreimaligen FIFA-Weltmeister Deutschland und damit den ersten Erfolg überhaupt seit rund 15 Monaten. Kein Wunder also, dass Norwegen auch in der aktuellen FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste einen kräftigen Satz nach vorne macht und um elf Plätze auf Rang 45 klettert.
Nach dem Absturz auf Position 59 im vergangenen Jahr, der schlechtesten Ranglisten-Platzierung überhaupt, ist der Abwärtstrend erst einmal gestoppt: im Januar noch 59., im Februar auf Platz 56 und nun der Sprung zurück unter die "Top 50". Es geht wieder aufwärts für den einstigen Weltranglisten-Zweiten (Oktober 1993 und Juli/August 1995).
Ein Grund für den Aufschwung der Wikinger ist Interimstrainer Egil Olsen. Der 66-Jährige soll Norwegen wieder zu altem Glanz führen - genau wie Mitte der 90er Jahre als er die Landesauswahl 1994 und 1998 zur WM-Endrunde führte. Damals blieb man in der Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Frankreich 1998™ ungeschlagen. Erst im Achtelfinale war gegen den amtierenden FIFA-Weltmeister Italien Endstation.
Kräftemessen mit WM-Gastgeber
"Was zuletzt gefehlt hat? Nicht viel, aber ich bevorzuge eine defensivere, zonenorientierte Teamorganisation und einen etwas direkteren Angriffsstil", erklärt Drillo im Gespräch mit FIFA.com die Probleme seines Teams. "Die individuellen Stärken der Spieler werden immer den Stil eines Teams beeinflussen, doch einige Grundzüge sind unabhängig vom vorhandenen Spielermaterial. Vor allem die Zonenverteidigung statt das Mann-gegen-Mann und eine zielgerichtete Angriffsphilosophie nach der Balleroberung."
Die Erwartungshaltung bei Fans und Spielern ist dementsprechend hoch. Kapitän Brede Hangeland (FC Fulham) ist von den Trainer-Qualitäten des ehemaligen Flügelspielers überzeugt. "Für mich steht Drillo für große Laufarbeit und eine kompakte Abwehr. Mit diesem Stil hatte Norwegen in der Vergangenheit einige überraschende Erfolge, und das ist international doch das Einzige, was zählt. Er hat unheimlich viel vom Fussball gesehen, und ich bin mir sicher, dass er schon einen festen Plan hat."
Den neuen bzw. alten Trainer wollen auch die norwegischen Fans sehen. Das Testländerspiel zu Hause gegen Finnland am 1. April wird voraussichtlich ausverkauft sein. Zuvor allerdings bekommen die Wikinger noch einen Vorgeschmack auf die im kommenden Jahr stattfindende WM in Südafrika. Am 28. März geht es gegen den Gastgeber, am 10. Oktober folgt ein weiteres freundschaftliches Kräftemessen mit den Südafrikanern.
"Mit Drillo scheint alles möglich"
In der aktuellen WM-Qualifikation läuft es derzeit alles andere als gut. Mit zwei Punkten aus drei Spielen liegen die Skandinavier in der Europa-Gruppe 9 mit den Niederlanden, Schottland, Island und EJR Mazedonien nur auf dem letzen Rang. "Ich denke, es ist realistisch, Platz zwei anzupeilen. Dann würden wir in die Playoffs kommen, in denen wir eine faire Chance haben, unser Ticket zu sichern", bleibt Olsen weiter optimistisch.
Ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt allerdings, dass die Relegation dem Bronzemedaillen-Gewinner von 1936 bereits zweimal kein Glück gebracht hat. Sowohl in der Qualifikation zur UEFA EURO 2004 als auch zur FIFA Fussball-WM 2006 erreichte Norwegen jeweils den zweiten Platz in seiner Gruppe und verlor beide Male in den Playoffs. "Natürlich wissen wir, dass uns dort ein starker Gegner erwarten würde."
Wohin der Weg für die Skandinavier gehen wird, entscheidet sich Anfang Juni. Dann stehen zwei Auswärtsspiele in EJR Mazedonien und den Niederlanden an, in denen unbedingt gepunktet werden muss. Die Hoffnung darauf ist ungebrochen, schließlich schrieben die Tageszeitungen nach dem Sieg gegen Deutschland: "Mit Drillo scheint alles möglich."
