In Mittelamerika ist Costa Rica traditionell eine Macht. Seit der Ernennung von Rodrigo Kenton zum neuen Cheftrainer erleben die Ticos einen ungeahnten Aufschwung und knüpfen an ruhmreiche Tage der Vergangenheit an. Die ganz in Rot gekleideten Ticos sind im ersten Monat des Jahres in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste ganze sechs Plätze - vom 53. auf den 47. - geklettert und haben damit ihren Status als Vierter der Nord-, Mittelamerika- und Karibik-Zone hinter den USA, Mexiko und dem benachbarten Honduras verteidigt. Honduras ist auch Gegner in der letzten Qualifikationsrunde zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™.
Der sechsmalige Mittelamerika-Meister (Bestmarke in der Region) hat das Unternehmen UNCAF-Titelverteidigung am 23. Januar mit einem 3:0 gegen Panama begonnen. Umjubelter Doppeltorschütze war Andy Furtado. Nach dem 3:1 gegen Guatemala hatten die Ticos dann ihren Platz im CONCACAF Gold Cup 2009, dem wichtigsten Turnier der Region, sicher. Das anschließende Halbfinale gegen El Salvador in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa wurde in der 60. Minute abgebrochen und ging damit automatisch an Costa Rica. Just danach aber kam es zum Bruch im Spiel der Ticos. Mit dem viel besungenen "zweiten Anzug" reichte es nicht zu einem erneuten Sieg gegen Panama. Nach der regulären Spielzeit stand es 0:0; das darauffolgende Elfmeterschießen ging mit 3:5 verloren.
Die Mischung macht's
Nichts war es also mit dem vierten UNCAF-Titel in Folge. Dennoch erlebt Costa Rica in der Region weiter einen Höhenflug. Ein Grund hierfür ist die Mischung aus sich rasch entwickelnden Auslandslegionären und erfahrenen Routiniers aus dem Inland. Kurz vor der letzten Runde der CONCACAF-Qualifikation spricht vieles dafür, dass Costa Rica die USA und Mexiko zum dritten Mal in Folge zu einer WM begleiten wird.
Die aktuelle Höchstform ist dabei nur das Ende einer konstanten siebenmonatigen Entwicklung. In der Vorqualifikation für Südafrika 2010 hatte es noch ganz anders ausgesehen. Das 2:2 gegen Fussballzwerg Grenada markierte damals einen vorläufigen Tiefpunkt. Nachdem die Vorschlussrunde nur mit Ach und Krach erreicht wurde, musste Nationaltrainer Hernan Medford gehen. Seine Nachfolge trat mit Rodrigo Kenton ein Ex-Spieler von Deportivo Saprissa und anerkannter Jugendtrainer an.
Attraktives Offensivspiel
Damals war die Moral in der Mannschaft zerrüttet und die Stimmung in den örtlichen Medien und bei den Fans vergiftet. Entsprechend viel Arbeit wartete auf den neuen Mann. "Als erstes musste ich die Einstellung in der Mannschaft ändern", erinnert sich Kenton im Gespräch mit FIFA.com. "Mir war klar, dass die Stimmung bei den Fans umschwenken würde, sobald die Spieler wieder zu ihren Rhythmus gefunden hätten und anfingen, guten, attraktiven Angriffsfussball zu zeigen."
Kentons Erfahrung als Assistent von Bora Milutinovic bei der WM-Endrunde 1990 sollte sich auszahlen. Er behielt recht. Es war der zündende Funkte, der der Mannschaft gefehlt hatte. Kenton einte neue, im Ausland aktive Spieler mit routinierten Stammkräften und verlieh der Elf so neue Frische. Alle sechs Spiele in der Vorschlussrunde gegen El Salvador, Surinam und Haiti wurden gewonnen. Dabei erzielte Costa Rica 20 Tore und kassierte nur drei. Damit zog das Team ungefährdet in die finale "Sechserrunde" der Qualifikation für Südafrika 2010 ein. Nebenbei hat die Mannschaft in den ersten sieben Monaten unter Kenton auch in der Weltrangliste einen Sprung um 32 Plätze gemacht.
Ruiz als Schlüssel zum Erfolg
Ein weiterer Grund hierfür: Der neue Trainer verfügte über Insiderwissen. Als früherer Olympiatrainer Costa Ricas wusste Kenton nämlich nur zu gut vom talentierten, aber schon tragisch unberücksichtigten Nachwuchs seines Landes. Der in Österreich spielende Froylan Ledezma, Junior Diaz und Gabriel Badilla (New England Revolution) sind nur drei Beispiele für Kentons gutes Näschen. Sein gelungenster Schachzug aber war die Berufung von Bryan Ruiz, der in Belgien bei K.A.A. Gent spielt. Mit dem herausragenden Spielmacher Celso Borges, dem Sohn der costaricanischen Spieler- und Trainerlegende Alexandre Guimarães, versteht sich Ruiz nämlich blind.
Wenn es nach den Ticos geht, soll ihre Siegesserie natürlich auch den 11. Februar überdauern. Dann nämlich geht es im Stadion von Saprissa gegen die Nachbarn aus Honduras.
