Wenn Fussballmannschaften unter Erfolglosigkeit leiden, kommt ein Mechanismus in Gang, der weltweit stets der Gleiche ist: die Entlassung des Trainers. Auch im Jahr 2008 mussten zahlreiche Trainer rund um den Globus den Verein bzw. die Nationalmannschaft verlassen oder heuerten anderswo wieder an.

Allen voran der amtierende FIFA-Weltmeister Italien tauschte im Jahr 2008 seinen Trainer aus. Nach dem Triumph 2006 in Deutschland war Marcello Lippi zurückgetreten. Sein Nachfolger, Roberto Donadoni, musste nach dem Ausscheiden der Squadra Azzurra im Viertelfinale der UEFA EURO 2008 gehen, so dass Lippi wieder zurückkehrte. In der Europa-Qualifikation zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ in Südafrika steht Italien mit zehn Punkten aus vier Spielen souverän an der Spitze der Gruppe 1.

Ein schweres Erbe musste auch Vicente del Bosque antreten. Der 58-Jährige übernahm die spanische Nationalmannschaft kurz nach dem Triumph bei der UEFA EURO 2008. Europameister-Trainer Luis Aragonés suchte die Herausforderung beim türkischen Erstligisten Fenerbahçe Istanbul. Dort steht er kurz vor Ende der Hinrunde auf Rang vier der Tabelle. Auch Stadtrivale Galatasaray Istanbul verstärkte sich vor der Saison mit dem deutschen Trainer Michael Skibbe. Bereits kurz vor Ligastart feierte er mit dem türkischen Supercup seinen ersten Titel mit Gala.

Ebenfalls vom National- zum Vereinstrainer wurde Felipe Scolari. Er tauschte die portugiesische Selecção gegen das englischen Premier League-Team Chelsea London. Dort steht er mit den Blues derzeit auf Rang zwei und hat dazu das Achtelfinale des UEFA Champions League erreicht. Doch ansonsten setzen die Team der Premier League derzeit weitgehend auf Kontinuität. Aus den Top 7 der Tabelle hat nur der FC Chelsea vor der Saison den Trainer gewechselt.

Ein anderes Bild gab und gibt es in der Bundesliga: Sieben Neulinge gab es zu Saisonbeginn auf den Trainerbänken zu bewundern. Allen voran die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann (FC Bayern München) sorgte für Aufsehen. Für den Schwaben ist es die erste Station als Vereinscoach, zuvor trainierte er zwei Jahre lang die deutsche Nationalmannschaft. Doch auch weitere Top-Teams wie der Hamburger SV (Martin Jol), Bayer Leverkusen (Bruno Labbadia) oder der FC Schalke 04 (Fred Rutten) starteten mit einem neuen Trainer in die Saison - und das weitgehend mit Erfolg: Fünf der ersten sieben Klubs der Tabelle haben vor der Saison die Trainer gewechselt.

"Wir haben Top-Spieler und, entschuldigen Sie, wenn ich arrogant bin, wir haben einen Top-Trainer" - haben Sie den Coach erkannt, der das gesagt hat? Es ist José Mourinho, neuer Trainer des italienischen Meisters Inter Mailand. Der Portugiese holte unter anderem mit dem FC Porto 2004 die UEFA Champions League, wurde mit Chelsea englischer Meister (2005 und 2006) und soll nun in der Serie A für Furore sorgen. Mit Rang eins in der Tabelle und sechs Punkten Vorsprung hat Mourinho bislang die Erwartungen erfüllt. Mit 105 Heimspielen in Folge ohne Niederlage (38 für Porto, 60 für Chelsea, 7 für Mailand) ist der 45-Jährige seit rund sechseinhalb Jahre im heimischen Stadion ungeschlagen.

Als Meister verabschiedet hat sich Alain Perrin beim französischen Serien-Champion (2002-2008) Olympique Lyon. Der 52-Jährige übergab nach nur einer Saison im Mai das Ruder an Claude Puel, der die Arbeit konsequent fortführte und auch in dieser Spielzeit mit drei Punkten Vorsprung die Liga anführt.

Und auch der "Meister-Macher" in Spanien sitzt nicht mehr auf dem Trainerstuhl. Bernd Schuster musste bei Real Madrid im Dezember die Koffer packen. Nach 14 Spieltagen lagen die Königlichen nur auf Rang fünf, neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Barcelona - zuviel für die Verantwortlichen und warfen den blonden Engel raus.

An Rauswurf wird bei Josep Guardiola wohl kaum gedacht. Mit viel Skepsis wurde der neue Trainer des FC Barcelonas vor der Saison empfangen, doch die ist inzwischen der Begeisterung gewichen. Zwölf von 15 Spielen der Primera División wurden gewonnen, ein Torverhältnis von 46:9 und acht Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz sprechen eine deutliche Sprache.

Neue Besen kehren gut - auf dieses Sprichwort hoffen die Verantwortlichen stets, wenn sie einen Trainer entlassen bzw. einen neuen vorstellen. In diesem Jahr hat sich genau das bewahrheitet. Die Mehrheit der "Neulinge" hat für einen Aufschwung in den Teams gesorgt und sie nach oben geführt. Doch es gilt abzuwarten, wie lange dies anhält, schließlich werden sicherlich auch im Jahr 2009 einige Trainer ihren Hut nehmen müssen.

"Ich habe fertig" heißt es dann ein ums andere Mal in alter Trapattoni-Manier...