Jede Medaille hat immer zwei Seiten - heißt ein weltweit bekanntes Sprichwort und lässt sich durchaus auch im Fussball anwenden. Denn während auch in diesem Jahr zahlreiche junge Talente auf sich aufmerksam machten, verabschiedeten sich viele Stars von der großen Fussball-Bühne.

Mit Oliver Kahn trat im Mai diesen Jahres einer größten Torhüter seiner Zeit ab. Er wurde mit Deutschland Europameister, holte 20 nationale Titel, gewann die UEFA Champions League (2001) und den UEFA-Pokal (1996) und konnte sich mit Auszeichnungen wie FIFA-Welttorhüter (1999, 2001, 2002) oder Bester Spieler und Torhüter der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 2002 schmücken. Einzig der WM-Titel blieb im versagt. Einmal Zweiter (2002) und einmal Dritter (2006) stehen in seiner Vita.

Auch sein Gegenüber aus dem UEFA Champions League-Finale 2001, Santiago Cañizares, gab in diesem Sommer mit 39 Jahren seinen Rücktritt bekannt. Der Spanier stand unter anderem bei Real Madrid und dem FC Valencia unter Vertrag. Während er im Verein alles gewann, blieb ihm der große Erfolg in der Nationalelf verwehrt. Mit der Goldmedaille 1992 holte er mit der La Roja nur einen Titel auf internationaler Ebene. Besonders bitter ist die Tatsache, dass er mit dem FC Valencia gleich zwei Finals der Königsklasse in Folge verlor. Das zweite gegen den FC Bayern, mit Oliver Kahn, sogar im Elfmeterschießen.

Romário konnte es auch auf Sand
Das Kahnsche Motto "Immer weiter, immer weiter" gilt auch für einen der bekanntesten brasilianischen Stürmer: Romário. Mit 42 Jahren beendete der Weltmeister von 1994 seine Karriere. Auszeichnungen wie FIFA-Weltfussballer (1994) oder Bester Spieler der WM (1994) hat auch er mehr als genug erreicht. Für acht Vereine (u.a. FC Barcelona, Flamengo Rio de Janerio, CR Vasco de Gama) war Romário tätig. Kurios: Nach den erfolgreichen Jahren in Fussball-Seleção wechselte der Silbermedaillen-Gewinner (1988) zum Beach Soccer und holte 2005 Bronze.

Ob Serginho zum Abschluss seiner Karriere auch noch mal auf den Sand wechselt, ist nicht bekannt. Fakt ist aber, dass der 37-jährige Mittelfeldspieler 2003 mit dem AC Mailand die Champions League gewann. Genau wie Romário holte er mit Brasilien die Copa América - allerdings erst 1999 und damit zwei Jahre später als Romário.

Weniger Titel, aber dafür genauso wichtig für seine Nationalmannschaft war Portugals Rui Costa. Gemeinsam mit Vitor Baia und Luis Figo gehörte Costa zur Goldenen Generation Portugals. Den ganz großen Erfolg schaffte der ehemalige Mittelfeldspieler vom AC Mailand nie. In der Nationalmannschaft reichte es nur zu einem Juniorenweltmeistertitel (1991). Auf Vereinsebene allerdings feierte er unter anderem den Triumph in der europäischen Königsklasse, wurde italienischer und portugiesischer Meister (2004 bzw. 1994).

Pauleta und Şükür: Zwei Vollblutstürmer treten ab
Mit Mannschaftskollege Pauleta trat ein weiterer Portugiese den Rückzug ins Privatleben an. Der Stürmer ist mit 47 Treffern in 88 Länderspielen Rekordtorschütze seines Landes und überholte damit den bisherigen Rekordhalter Eusébio. Dazu kommt, dass Pauleta der erste portugiesische Internationale war, der noch nie in der portugiesischen SuperLiga gespielt hat. Seine Karriere begann in Spanien (u.a. Deportivo La Coruña) und fand in Frankreich (Bordeaux, Paris) seinen Höhepunkt, wo er unter anderem dreimal die Torjägerkanone holte und dreimal Pokalsieger wurde.

Mit dem Türken Hakan Şükür hat sich im November ein weiterer dreimaliger Torschützenkönig von der Fussballbühne verabschiedet. Der 37-Jährige erklärte ganz still und leise seinen Rücktritt. Mit über 15 Titeln gilt Sükür als einer der besten und erfolgreichsten türkischen Fussballer aller Zeiten.

Kennen Sie eigentlich Captain America? Damit ist keinesfalls der Superheld aus den Trickfilmen gemeint, sondern der erste U.S.-Amerikaner, der je in das Allstar-Team einer Fussball-Weltmeisterschaft gewählt wurden: Claudio Reyna. Der 35-Jährige bekam seinen Spitznamen in Großbritannien aufgrund seiner Kapitänsaufgabe in der U.S.-amerikanischen Nationalmannschaft. 2002 führte er sein Team bis ins WM-Viertelfinale, wo sich die Stars and Stripes dem späteren Finalisten Deutschland geschlagen geben mussten.

Große Persönlichkeiten: Salas und Thuram
Ein weiterer ehemaliger Nationalmannschaftskapitän verabschiedete sich mit Marcelo Salas in diesem Jahr von der Fussball-Bühne. 37 Tore erzielte er für die Südamerikaner und wurde 1997 zu Südamerikas Fussballer des Jahres, sowie zu Argentiniens Fussballer des Jahres gewählt. Begonnen hat der Mittelstürmer seine Karriere bei CF Universidad de Chile bzw. dem argentinischen Traditionsverein River Plate Buenos Aires, ehe nach einer europäischen Stipvisite bei Lazio Rom und Juventus Turin wieder zurückkehrte. In Italien holte er dreimal die Scudetto (2000, 2002, 2003).

Ebenfalls Abschied nehmen müssen die Fans von Frankreichs Rekordnationalspieler Lilian Thuram. Der Welt- und Europameister hat nicht nur 142 Mal für das wohl stärkste Nationalteam der 1990er gespielt, sondern auch mit Juventus Turin und dem FC Barcelona bei zwei absoluten Weltklubs seine Arbeit als Innenverteidiger verrichtet. Während für Abwehrspieler eher Eigenschaften wie Robustheit oder Kopfballstärke entscheidend sind, war es für le chef eher Aufgabe das Spiel zu lenken und das Fussball-Spiel quasi zu celebrieren. Johan Micoud galt zu seiner Zeit bei Werder Bremen als einer der besten Mittelfeldspielern der deutschen Bundesliga. Während der heutige 35-Jährige im Verein (Cannes, Bordeaux, Parma, Bremen) glänzte, konnte er sich in der Nationalelf kaum durchsetzen. Kein Geringerer als Zinédine Zidane spielte auf seiner Position der Equipe Tricolore.

Ob nun noch Frédéric Déhu (Frankreich), Anti Niemi (Finnland), Tony Vidmar (Australien), Teddy Sheringham, Andy Cole (beide England), Hazem Emam, Nader El Sayed (beide Ägypten) José Luis Sierra (Chile) oder oder oder - die Liste der Rücktritte ließe sich noch um zahlreiche Namen verlängern.

Erinnern Sie sich noch an weitere Fussballer, die in diesem Jahr ihre Fussballschuhe an den Nagel hängten?