Der psychologische Ansporn einer Rivalität zwischen Brüdern ist vielleicht nirgendwo so offensichtlich wie in den Annalen der Fussball-Weltmeisterschaft. Eine erstaunlich große Anzahl von Brüderpaaren war im Laufe der Jahre in den Nationalmannschaften unterschiedlicher Länder vertreten. Werfen Sie mit FIFA.com einen Blick zurück auf die interessantesten Gebrüder vergangener Weltmeisterschaften.

Evaristo, Rosas und Gutierrez machen den Anfang - Uruguay 1930
Mario und Juan Evaristo aus Argentinien brachten den brüderlichen Stein bei der ersten WM in Uruguay ins Rollen, indem sie ihren Teil zu einem beeindruckenden Einzug ins Finale beitrugen. Zwar schnappten ihnen die Nachbarn aus Uruguay den Titel noch vor der Nase weg, aber die Evaristos waren sicherlich die Wegbereiter für alle Brüderpaare, die danach noch als Mannschaftskameraden an Weltmeisterschaften teilnehmen sollten. Insgesamt erreichten bisher fünf Geschwisterpaare das Finale einer WM. Bei allem nötigen Respekt für die Evaristos waren doch die beiden Mexikaner Manuel (18) und Felipe (20) Rosas die ersten und jüngsten Brüder, die bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft spielten. In der mexikanischen Mannschaft von Uruguay 1930 gab es außerdem noch ein weiteres Brüderpaar: Rafael und Francisco Gutierrez. Alle vier waren im Erstrundenspiel gegen Argentinien gemeinsam auf dem Feld. Schade nur, dass die Evaristos bei dieser Partie auf der Bank saßen.

Fritz und Ottmar Walter - Schweiz 1954
Die Deutschen, die noch immer an den physischen und psychischen Auswirkungen des II. Weltkriegs laborierten, hatten 1954 endlich wieder Grund zum Jubeln. Zwar galt Fritz Walter beim "Wunder von Bern" als Schlüsselfigur, als Deutschland völlig überraschend Ungarn besiegte, aber auch sein kleiner Bruder Ottmar trug seinen Teil zum Gelingen bei. Ottmar Walter spielte gemeinsam mit seinem Bruder für den 1. FC Kaiserslautern, stand aber fast immer im Schatten des Älteren. Er erzielte beim 4:1-Auftaktsieg gegen die Türkei einen Treffer, und beide Brüder trafen das Tor bei der nächsten Begegnung mit den Türken. Beim 6:1-Halbfinalerfolg gegen Österreich traf jeder von ihnen gleich zwei Mal, bevor es dann gegen die haushohen Favoriten aus Ungarn ging. Mit dem 3:2-Erfolg Deutschlands wurden die Walters die ersten Brüder, die eine Weltmeisterschaft gewannen.

Strahlemann Bobby, Wasserträger Jacky - England 1966
Zwölf Jahre und zwei Weltmeisterschaften später gelang es den Charltons als zweitem Brüderpaar, den Jules-Rimet-Pokal zu gewinnen. Dabei gab es wohl kaum je zwei gegensätzlichere Charaktere als den bei Manchester United spielenden glamourösen Bobby einerseits, und Jacky, den unermüdlich rackernden Verteidiger von Leeds andererseits. Bobby Charlton hatte von 1958 bis 1970 106 Länderspieleinsätze zu verzeichnen und erzielte dabei mit 49 Toren einen Rekord. Zwar kann Jacky, der erst 1965 zum ersten Mal für England zum Einsatz kam, mit dem unsterblichen Weltruhm seines Bruders nicht mithalten, aber er hat 1966 durchaus seinen Teil zu Englands einzigem Weltmeistertitel auf heimischem Boden beigetragen. Beide Brüder waren in allen sechs Spielen dabei, aber während Jackys hervorragende Zweikämpfe weitgehend unbeachtet blieben, heimste Bobby auf dem Weg zum berühmten Sieg gegen die Erzrivalen aus Deutschland mit drei Toren und einigen schönen Spielzügen die Lorbeeren ein.

Die Van-de-Kerkhof-Brüder - Deutschland 1974 und Argentinien 1978
Die Van-de-Kerkhof-Brüder vom PSV Eindhoven sind bis heute die einzigen Zwillingsbrüder, die beide ein Tor bei einer Weltmeisterschaft erzielt haben. Sie waren zwar schon als Reservespieler bei der WM 1974 dabei, bei der die Niederländer das Finale erreichten, den großen Durchbruch erlebten Rene und Willy van de Kerkhof jedoch erst 1978 in Argentinien. Das Duo in den orangefarbenen Trikots tauschte in einem flexibel organisierten Sturm/Mittelfeld häufig die Positionen und spielte eine Schlüsselrolle, als die Niederländer mit einer beeindruckenden Serie zum zweiten Mal in Folge das Finale erreichten. Hier verloren sie dann allerdings im Estadio Monumental von Buenos Aires gegen die Gastgeber.

Die italienischen Brüder Patrizio und Claudio Sala verbrachten bei Italiens langer Erfolgsserie 1978 in Argentinien die meiste Zeit auf der Ersatzbank. Trainer Enzo Bearzot ließ die beiden dann aber doch noch etwas WM-Luft schnuppern. Im Spiel um Platz 3 gegen Brasilien war Patrizio von Beginn an dabei und Claudio wurde 12 Minuten vor Schluss eingewechselt.

Unglückliche Chanov-Brüder im Schatten von Dassajew - Spanien 1982
Victor und Vyacheslav Chanov gingen zwar als einzige Torwart-Brüder in die Geschichte ein, die bei einer Weltmeisterschaft als Mannschaftskameraden dabei waren, ihre Erfahrungen in Spanien hatten aber vielleicht einen etwas bitteren Nachgeschmack. Da Rinat Dassajew, die Nummer 1 im Tor, gemeinhin als größter sowjetischer Torwart seit dem legendären Lev Yashin galt, war bereits vor dem Turnier klar, dass keiner der Chanov-Brüder auf der iberischen Halbinsel viel Spielpraxis bekommen würde. In der Tat verbrachten dann auch beide alle fünf Spiele bis zur letzten Minute neben Trainer Konstantin Beskov auf der Bank.

Die Försters im Finale - Spanien 1982
Karl-Heinz war wohl der dominierende der Förster-Brüder, die mit der deutschen Mannschaft 1982 in Spanien das Finale erreichten. Er war in allen drei Gruppenspielen von Anfang an dabei, einschließlich der 1:2-Niederlage gegen Algerien und des 1:0-Erfolgs gegen Österreich. Nachdem er in der ersten Runde zum Zuschauen verdammt gewesen war, brachte Bundestrainer Jupp Derwall dann aber auch Bernd Förster, den jüngeren Bruder ins Spiel. Er kam in allen vier Spielen der zweiten Runde zum Einsatz, einschließlich des Halbfinalklassikers gegen Frankreich und des Finales gegen Italien. Die Försters sind bis jetzt die letzten Brüder, die gemeinsam im Finale einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft spielten. Karl-Heinz Förster wurde 1982 zu Deutschlands Spieler des Jahres gewählt und war auch vier Jahre später in Mexiko wieder dabei - was Bernd Förster sich sicherlich noch bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag anhören muss.

Außer den Chanovs und Försters waren auch noch die jugoslawischen Zwillinge Zlatko und Zoran Vujovic dabei. Jugoslawien schied jedoch nach der ersten Runde aus.

  Die Laudrups in Hochform - Frankreich 1998
Die dänischen Brüder Michael und Brian Laudrup - nach Meinung vieler die talentiertesten Brüder aller Zeiten - begeisterten bei der Weltmeisterschaft in Frankreich mit überwältigenden Leistungen. Michael Laudrup erzielte in der ersten Runde ein Elfmetertor. Die Dänen belegten schließlich in der Frankreich-Gruppe den zweiten Platz. Im Achtelfinale gegen Nigeria gelang dann Brian Laudrup ein Treffer. Hier gewannen die Dänen überlegen mit 4:1. Der jüngere Bruder legte bei der 2:3-Niederlage gegen Brasilien im Viertelfinale noch einen Treffer drauf, in einem Spiel, das sicherlich eines der spannendsten des gesamten Turniers war.

1998 spielten in den Reihen der Norweger außerdem die beiden Brüder Tore Andre Flo und Jostein Flo, die beide beim überraschenden Sieg der Skandinavier gegen Brasilien in der ersten Runde zum Einsatz kamen. Und um das Familienalbum komplett zu machen: Cousin Havard Flo spielte ebenfalls volle 90 Minuten.

Die Kovac-Brüder für Kroatien - Korea/Japan 2002
In der ersten Runde der letzten WM-Endrunde in Asien kamen die beiden in Berlin geborenen kroatischen Brüder Niko und Robert Kovac Seite an Seite zum Einsatz. Zwar schied Kroatien nach der Gruppenphase aus, aber beide Kovac-Brüder gehörten in allen drei Spielen Kroatiens zur Startaufstellung.