Seit fast einem halben Jahrhundert steht die Familie Djorkaeff nun im Dienste des französischen Fussballs. Youri (36) hat erfolgreich den Staffelstab von seinem Vater Jean (65), dem renommierten Ex-Nationalspieler, übernommen. Sprössling Youri, auch "the Snake" genannt, hat sogar geschafft, was für seinen Vater nur ein Traum geblieben ist, und ist 1998 Weltmeister und 2000 Europameister geworden. Auch das eine Form der Verehrung für Papa "Tchouki", der sich mit nur drei Spielen beim FIFA Weltpokal™ England 1966 begnügen musste.

Die beiden Männer, bei denen die Familienähnlichkeit wirklich frappierend ist, kommen zusammen auf 130 Länderspiele für Frankreich (48 für den Vater, 82 für den Sohn). Der gelernte Angreifer Jean Djorkaeff machte seine besten Spiele als Außenverteidiger. Youris Rolle hingegen war immer die von einer Art "freiem Elektron" und mithin schwer zu definieren. Der gnadenlos offensive Youri hat es auf 28 Tore für seine "Blauen" gebracht. Damit ist er der fünftbeste Torschütze aller Zeiten für die französische Nationalmannschaft.

In den fünfzehn Jahren seiner Profilaufbahn machte Jean Djorkaeff Station in Lyon, Marseille und Paris. Dabei erwarb er sich den Ruf eines Musterprofis, geschätzt für seine Seriosität, seinen Mannschaftssinn und seine Zuverlässigkeit. Der 24-malige Nationalmannschaftskapitän Jean Djorkaeff absolvierte sein letztes Länderspiel am 2. September 1972 gegen Griechenland (3:1) in Athen.

Als er 2000/2001 Präsident der Commission Centrale de la Coupe de France wurde, kehrte er damit auch zu einem Wettbewerb zurück, an den er besonders gute Erinnerungen hat, konnte er ihn doch mit gleich zwei Vereinen gewinnen. Heute ist Jean Djorkaeff nicht nur Verbandsfunktionär, sondern auch Großvater. Und von FIFA.com nach den Perspektiven für einen dritten Djorkaeff im Nationalmannschaftstrikot gefragt, erklärt er lächelnd: "Alle Hoffnungen sind erlaubt".

FIFA.com: Als Youri Ihnen eröffnet hat, er wolle Fussballer werden, haben Sie ihn da darin bestärkt oder eher gebremst?
Jean Djorkaeff: Weder, noch. Ich habe ihm die Möglichkeit gegeben, das seriös auszutesten. Youri fing als kleiner Steppke in der Jugend von Decines, einem Vorort von Lyon, an. Dann habe ich ihn bei Saint-Priest angemeldet; das ist quasi traditionell die Kaderschmiede von Olympique Lyon. Als ich merkte, dass er die Qualitäten hat, diesen Sport professionell zu betreiben, habe ich ihn gefördert. Ich habe ihm alle Möglichkeiten geboten, auch wenn in seinem Alter die Zukunft noch sehr unbestimmt ist.

Was hielten Sie von dieser Wahl?
Ich fand es insofern logisch, als ja unsere ganze Familie Fussballatmosphäre geschnuppert hat. Alle meine drei Jungs haben Fussball gespielt, Denis in der dritten Division bei Saint Priest und Micha sogar als Profi. Und da sie sich alle drei gut gemacht haben und alle drei die nötigen Qualitäten hatten, um sich in diesem Metier durchzusetzen, gibt es keinen Grund, warum mir das nicht Freude machen sollte. Aber geirrt habe ich mich trotzdem, weil ich am Anfang dachte, Denis hätte das größte Talent (lächelt).

Sie haben Ihre Karriere als Stürmer begonnen. Haben Sie Einfluss auf die Positionswahl Ihres Sohnes genommen?
Ich habe zwar als Stürmer begonnen, aber Pierre Pibarot hat beim Training schnell gemerkt, dass ich in der Abwehr besser aufgehoben war. Bei Youri stellte sich diese Frage gar nicht, denn er war von Natur aus mehr Angreifer als Abwehrspieler. Es lag ihm nicht, einem Gegenspieler hinterher zu laufen.
 
Waren Sie zu Beginn von Youris Karriere besorgt, Ihr Name könnte eine zu große Belastung für ihn sein?
Ja, denn die Leute haben immer die Tendenz, Vergleiche zu ziehen. Anfangs denkt man immer, der Sohn eines Ex-Nationalspielers hat es leichter, aber das stimmt nicht, denn der Sohn wird immer an der Karriere des Vaters gemessen. Ich habe von Youri verlangt, sich niemals mit einer mittelmäßigen Leistung zufrieden zu geben. Er hat schnell seine eigene Persönlichkeit entwickelt, indem er auf dem Platz Qualitäten gezeigt hat, die seine ganz eigenen sind.

Was haben Sie gefühlt, als Youri erst Welt- und dann Europameister wurde?
Wenn man selbst Profi war und der eigene Sohn gewinnt dann später die Weltmeisterschaft, dann ist man natürlich sehr stolz und freut sich unbändig für sein Kind. Man teilt die Euphorie des Sieges. Durch den Fussball konnte er die Fahne der Familie Djorkaeff hoch halten und unseren Namen unsterblich machen. Das ist inzwischen um so schwieriger, als sich die Welt sehr verändert hat.

Glauben Sie, dass Ihre Familie noch den "Hattrick" schafft?
Ich habe neun Enkelkinder, darunter zwei Enkeltöchter. (lacht) Da sind doch alle Hoffnungen erlaubt!

Jean Djorkaeff in Kürze
Geboren am 27. Oktober 1939 in Charvieu (Rhône)
Länderspiele: 48 (24 als Mannschaftskapitän) zwischen 1964 und 1972.
Erstes Länderspiel: Luxemburg - Frankreich, am 4. Oktober 1964 in Luxemburg
Länderspieltore: 3.
Vereine: Saint-Maurice-de-Beynost, Olympique Lyon (FRA/1958 - 1966), Olympique Marseille (FRA/1966 - 1970), Paris St. Germain (FRA/1970 - 1972), Paris FC (FRA/1972 - 1974).
Debüt in der Division 1: Lyon - Limoges (28. Dezember 1958, 2:1).
Erfolge: Französischer Pokalsieger 1964 (Lyon) und 1969 (Marseille), französischer Pokalfinalist 1963 (Lyon), Halbfinale des Pokals der Pokalsieger 1964 (Lyon).
Trainerstationen: Union Générale Arménienne de Décines (1975 - 1980), FCAS Grenoble (D2: 1981 - 1983), AS Saint-Etienne (D1: 1983/1984), Co-Trainer von Henri Michel in der französischen Nationalmannschaft (1986/1987), Union Générale Arménienne de Décines (1988 - 1991).

Youri Djorkaeff in Kürze
Geboren am 9. August 1968 in Lyon
1,79 m, 70 kg
82 Länderspiele zwischen 1993 und 2002
28 Tore
Erstes Länderspiel: 13.10.1993, Frankreich - Israel (2:3)
Letztes Länderspiel: 11.06.2002, Dänemark - Frankreich (2:0)
Erstes Länderspieltor: 16.02.1994, Italien - Frankreich (0:1)
Letztes Länderspieltor: 30.05.2001, Frankreich - Republik Korea (5:0)
Erfolge: FIFA-Weltpokal 1998, UEFA EURO 2000, FIFA Konföderationen-Pokal 2001, Halbfinale der UEFA EURO 1996, Pokal der Pokalsieger 1996, französischer Pokalsieger 1991, Torschützenkönig der Ligue 1 1994 (20 Tore).
Vereine: Grenoble (FRA/1984 - 1989), Straßburg (FRA/1989 - 1990), Monaco (FRA/1990 - 1995), Paris St. Germain (FRA/1995/96), Inter Mailand (ITA/1996 - 1999), Kaiserslautern (GER/1999 - 2002), Bolton (ENG/Februar 2002 - 2004), Blackburn (ENG/September bis Dezember 2004), Metro Stars New York (USA/seit April 2005)