Es ist nicht weiter erstaunlich, dass Söhne nach Abschluss ihrer Ausbildung, die Familiengeschäfte übernehmen. Aber ist das auch im Fussball möglich? Im Fussball reicht guter Wille allein nicht aus, vielmehr ist auch das entsprechende Talent erforderlich. Und im Allgemeinen vererben sich Dribbelkünste, Technik und Torinstinkt nicht.

Doch FIFA.com hat in seinen verstaubten Regalen mit Büchern zur Fussballgeschichte gekramt, alte Videoaufzeichnungen durchstöbert und dabei einige Beispiele gefunden, die entsprechenden Spekulationen Nahrung geben. Beispiele für Väter und Söhne, Onkel und Neffen, Brüder und Zwillinge hat es im Fussball immer gegeben und wird es auch in Zukunft geben.

Entdecken Sie mit uns einige Familiengeschichten des FIFA-Weltpokals™. Wir sprachen mit Jean Djorkaeff über die Ratschläge, die er seinem Sohn Youri gab. Wir bringen Ihnen einige italienische "Mythen" näher und fassen zusammen, was die Wissenschaft über die Fussballgene zu berichten hat. Beginnen wollen wir mit einer Reihe kurioser Familienanekdoten.

Gudjohnsen
Der Isländer Arnor Gudjohnsen sprang 1996 im Spiel gegen Estland in Tallin für seinen 17-jährigen Sohn Eidur in der Nationalmannschaft ein. Der 34-jährige Arnor, zweimaliger belgischer Meister, ein Mal Torschützenkönig in Belgien und zweimaliger Gewinner des belgischen Pokals, hatte bereits einige Länderspieleinsätze absolviert. Es war das einzige Mal, dass Vater und Sohn im selben Länderspiel spielten, da der heute bei Chelsea spielende junge Gudjohnsen zwei Spielzeiten aufgrund einer Knöchelverletzung ausfiel und sein Vater nach seiner Rückkehr bereits die Fussballschuhe an den Nagel gehängt hatte. "Es tut mir leid, dass wir nie zusammen spielen konnten und ich weiß, dass es Eidur genauso geht", erklärt Arnor.

Die Europapokalspiele der Familie Sanchís
  Einer der ganz großen Mannschaftskapitäne von Real Madrid war der Abwehrspieler Manolo Sanchís. Das erste Mal betrat er den Rasen des Bernabéu-Stadions im Alter von fünf Jahren mit einem Foto seines Vaters in den Händen, der ebenfalls Fussballgeschichte geschrieben hatte. Sein Vater gewann mit Real Madrid deren sechsten Europapokal im Jahr 1966 und jedes Mal, wenn im Hause Sanchís das Gespräch auf den Fussball kam, gebot der Vater seinem Sohn zu schweigen, solange er nicht selbst den Europapokal in Händen gehalten habe. Am 20. Mai 1998 gewann Manuel Sanchís in Amsterdam den siebten Titel und 2000 in Paris den achten Titel für Real Madrid. Vielleicht lässt der Vater seinen Sohn inzwischen zu Wort kommen…

Die Torhüterfamilie Kelly
Am 13. Januar 1990 trafen die Mannschaften von Preston North End und Bury in der englischen Liga aufeinander. Die Besonderheit in diesem Spiel war, dass auf beiden Seiten die Söhne des berühmten irischen Torhüters Alan Kelly zwischen den Pfosten standen. Gary, mit 23 Jahren der Ältere, hütete das Gehäuse von Bury, während sein 21-jähriger Bruder Alan im gegnerischen Kasten stand. Ihr Vater hatte 47 Mal für die Nationalmannschaft gespielt und begann seine Karriere im selben Verein wie Alan Junior. Und es schien so, als habe dieser das sportliche Talent seines Vaters geerbt. Seine Leistungen brachten ihm schließlich einen Platz in der Nationalmannschaft ein, die am FIFA-Weltpokal Korea/Japan 2002™ teilnahm.

Bruderzwist
Abwehrspieler Gabriel Milito von Independiente und Stürmer Diego Milito von Racing trafen im März 2003 im Derby von Avellaneda aufeinander, einem der Klassiker des argentinischen Fussballs. In der 16. Minute zog Gabriel einen Stürmer am Trikot, bevor dieser in den Strafraum eindringen konnte. Der Schiedsrichter zeigte ihm die Gelbe Karte, aber neben anderen Spielern forderte auch sein Bruder Diego vehement einen Platzverweis. Vor dem anstehenden Freistoß lieferten sich die Brüder ein heißes Wortgefecht. Und damit nicht genug. Sieben Minuten später machte sich Diego im Mittelfeld mit dem Ball auf und davon. Gabriel wollte ihn vom Ball trennen und traf ihn mit solcher Wucht, dass er ihm zudem den rechten Schuh wegtrat. Der Stürmer von Racing machte den Schiedsrichter auf dieses Vergehen aufmerksam und zeigte ihm seinen Fuß. Für sein Verhalten erhielt schließlich er die Gelbe Karte. Der Vater der beiden Spieler hatte die Partie gesehen und sagte nach dem Abpfiff: "Es überrascht mich, dass Diego einen Platzverweis für Gaby forderte und sie dann auch noch diskutierten. Na, zumindest werden sie wohl kaum die Mutter des anderen verunglimpft haben."
 
Hugo Sánchez
Der geniale mexikanische Stürmer war bekannt für seine Saltos und trainiert heute die UNAM Pumas. In diesem Verein hatte er auch seine Karriere als Spieler begonnen. Hier trainiert er jetzt seinen 20-jährigen Sohn, der ebenfalls den Namen Hugo Sánchez trägt. Der junge Abwehrspieler arbeitet sehr hart daran, den Sprung in die Nationalmannschaft zu schaffen. Zurzeit genießt er in vollen Zügen die sich ihm bietenden Möglichkeiten. Und wenn er auf dem Spielfeld vor Begeisterung seine Luftsprünge macht, ist das Publikum völlig aus dem Häuschen.

Johan und Jordi Cruyff
Der große Star der Niederländer bei der Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland war Johan Cruyff. Er war der geniale Spielmacher einer großen niederländischen Mannschaft. In den neunziger Jahren formte er als Trainer die erfolgreiche Mannschaft des FC Barcelona, die den Beinamen "Dream Team" erhielt. In der Spielzeit 1994/1995 befand sich die Mannschaft mitten im Umbruch. Kein Titel konnte geholt werden und erst am letzten Spieltag sicherte sich die Mannschaft durch einen Treffer seines Sohnes Jordi den Einzug in den UEFA-Pokal. Dieses wichtige Tor gab dem jungen Spieler das nötige Selbstvertrauen und brachte viele Kritiker des FC Barcelona zum Schweigen.