Der legendäre ehemalige englische Nationalspieler Jimmy Greaves ist nicht zuletzt wegen seines Ausspruchs "Football - it's a funny old game" ("Fussball - ein wirklich seltsames Spiel") in Großbritannien unvergessen. Es ist gut möglich, dass Greaves diesen Spruch erstmals während der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1962 in der chilenischen Stadt Viña del Mar äußerte. Während der Partie zwischen Brasilien und England (3:1) lief ein Hund auf das Spielfeld, der den Balljungen und Spielern immer wieder entwischte, während er über den ganzen Platz jagte. Der Hund trickste sogar den legendären Garrincha aus. Erst durch eine clevere Idee von Greaves konnte dem Spuk ein Ende bereitet werden. Er ließ sich auf alle Viere nieder, worauf der Hund zu ihm kam, so dass Greaves ihn hochnehmen und einem Ordner übergeben konnte.
Dabei hatte Greaves allerdings gespürt, wie es ihm warm und nass das Trikot hinab lief - und es war nicht sein Schweiß. Die Zuschauer bogen sich vor Lachen, und auch Garrincha zeigte sich sehr amüsiert über den Vorfall - so sehr, dass er den Hund nach der Partie als Haustier aufnahm. "Es roch fürchterlich, das war grauenhaft", erinnerte sich Greaves. "Ich hätte die Partie eigentlich für England entscheiden müssen, denn kein brasilianischer Verteidiger kam auch nur in meine Nähe!"
Vier Jahre später spielte erneut ein Hund eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit England. Der Jules-Rimet-Pokal wurde während der Briefmarkenausstellung "Stampex" des Unternehmers Stanley Gibbons aus der Central Hall im Londoner Stadtteil Westminster gestohlen. Eine Woche später fand der Hund Pickles, der einem gewissen David Corbett gehörte, den Pokal wieder, der unter einer Hecke in einem Vorgarten im Süden Londons verscharrt worden war. Für Corbett gab es eine Belohnung von 5.000 Pfund - fünf mal so viel, wie die englischen Nationalspieler vier Monate später als Bonuszahlung für den Gewinn des Pokals erhalten sollten!
Eine Lücke in der Mauer
Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1974 gehörte Zaire zu den Mannschaften, die sich über einen eventuellen Titelgewinn keine Gedanken machen mussten. Nachdem die Afrikaner mit 0:2 gegen Schottland verloren hatten, folgte ein 0:9 gegen Jugoslawien. Im letzten Gruppenspiel musste Zaire dann im Gelsenkirchener Parkstadion gegen das übermächtige Brasilien antreten. Dieser Gegner kann jedem Spieler den Angstschweiß auf die Stirn treiben, doch für Ilunga Mwepu war es offenbar zu viel. Als er mit einigen Mitspielern bei einem Freistoß der Brasilianer die Mauer bilden sollte, durchzuckte es ihn plötzlich: Er trat aus der Mauer heraus, ging zum Ball und jagte ihn über das halbe Spielfeld, bevor er sich umdrehte und unschuldig zum Schiedsrichter blickte. Unnötig zu erwähnen, dass er für diese Einlage die Gelbe Karte sah.
Während beim Kräftemessen zwischen Brasilien und Zaire das Ungleichgewicht allzu offensichtlich war, hätte die Partie zwischen Schottland und Uruguay bei der FIFA WM 1954 in der Schweiz durchaus ausgeglichener verlaufen können. Doch das Spiel endete mit einem 7:0-Kantersieg für die Südamerikaner. Die WM-Debütanten aus Schottland wurden dabei in erster Linie Opfer der Bedingungen in Basel, wo die Temperaturen bis zu 37 Grad Celsius erreichten. Doch die Schotten waren in traditionellen Wolltrikots mit langen Ärmeln und zugeknöpften Kragen angetreten.
"Beim schottischen Fussballverband hatte man angenommen, in der Schweiz müsse es wegen der Hochgebirge kalt sein", erklärte Tommy Docherty, damals Mittelfeldspieler und später Teammanager bei Manchester United. "Wir waren ausgerüstet wie für eine Polarexpedition. Die Uruguayer hingegen trugen kurzärmlige Trikots mit luftigem V-Ausschnitt. Kein Wunder, dass wir 0:7 verloren."
In Uruguay hatte es bei der historischen ersten FIFA-WM 1930 einen kuriosen Zwischenfall gegeben. Im Halbfinale zwischen Argentinien und den USA lief der amerikanische Mannschaftsarzt Jack Coll aufs Feld, um einen verletzten Spieler zu behandeln - und musste am Ende selbst vom Platz getragen werden! Als er dem Spieler helfen wollte, atmete er den Inhalt einer Flasche Chloroform ein, die in seiner Tasche ausgelaufen war.
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel...
Die Verletzungen, die nicht weniger als elf Spieler 1998 bei einer Partie zwischen Jomo Cosmos und den Moroka Swallows in Südafrika davontrugen, waren indes nicht selbst verschuldet. Tatsächlich schlug während des Spiels ein Blitz in den Fussballplatz ein und streckte zahlreiche Spieler nieder, die sich vor Schmerzen am Boden krümmten. Glücklicherweise waren bei diesem Blitzschlag keine Toten zu beklagen.
In Argentinien wiederum war es kein Wetterereignis, das 1990 für das vorzeitige Ende eines Spiels sorgte, sondern die Fans. Schiedsrichter Juan Bava musste die Partie zwischen San Lorenzo und Velez Sarsfield abbrechen, weil es keine Bälle mehr gab. Immer, wenn ein Ball auf die Tribüne flog, wurde er von den Fans einbehalten und nicht zurückgegeben. Als San Lorenzo keine Bälle mehr hatte, war das Spiel beendet.
Argentinien kann mit einer noch viel merkwürdigeren Anekdote aufwarten: Während Spieler, Funktionäre und Fans des Racing Club Avellaneda in Uruguay den Gewinn des Interkontinental-Pokals 1967 gegen Celtic Glasgow feierten, verschafften sich Fans des Erzrivalen Independiente Zugang zum Stadion El Cilindro und begruben dort sieben schwarze Katzen unter dem Spielfeld. In den 34 darauf folgenden Jahren konnte der Racing Club kein einziges Mal die Meisterschaft gewinnen. Unglaublich, aber wahr: Nachdem die Knochen der Katzen beim Umbau des Stadions 2001 ausgegraben und vernichtet worden waren, holte sich der Racing Club noch im gleichen Jahr den Titel in der Apertura-Meisterschaftsrunde!
2006 trug sich in Brasilien bei einem Spiel des Copa Paulista-Wettbewerbs zwischen Santacruzense und Atletico Sorocaba eine ebenfalls unvergessliche Anekdote zu. Die Gäste aus Sorocaba führten mit 1:0, und Santacruzense drängte auf den Ausgleich. In der letzten Minute der Partie verfehlten die Gastgeber das Tor nur knapp - und dann brachte ein Dummejungenstreich eines Balljungen Sorocoba um den Sieg. Statt den Ball dem Torhüter zum Abstoß zu übergeben, schoss der Balljunge das Leder am Keeper vorbei in die Maschen. Als der Schiedsrichter, der diesen Vorfall nicht beobachtet hatte, sah, wie der Torhüter Sorocobas den Ball aus dem Netz holte, entschied er auf Tor für Santacruzense. Spieler und Fans der Gäste konnten es nicht fassen. Doch letztlich gab es für beide Teams ein Happy End, denn beide schafften den Sprung aus der Gruppenphase in die nächste Runde.


