Miroslav Klose ist einer der großen Stürmer im Weltfussball und einer der gefeierten Protagonisten des deutschen Fussballs der letzten Jahre. Doch vor zehn Jahren noch hätte man eine Zimmermannswerkstatt in Kusel betreten können und wäre von ihm bedient worden, einem 18-Jährigen, der davon träumte, Fussballer zu werden, während er Holz sägte und feilte.
Von den großen Teams verkannt, spielte Klose an den Wochenenden für den Bezirksligisten Blaubach-Diedelkopf. Dann endlich mit 20 Jahren wurde er von Homburg "entdeckt", wo er zunächst in der zweiten Mannschaft in der Verbandsliga spielte. Dann endlich begann eine steile Karriere, die ihn über Kaiserslautern und Werder Bremen zum FC Bayern und in die deutsche Nationalmannschaft führte.
Vom Restaurant auf den Platz
Der Fall Klose ist keineswegs der einzige im Weltfussball. Zahlreiche Spieler haben zunächst einen Umweg in Kauf nehmen müssen, bevor sie ihren Traum vom Profifussball wahr machen konnten. Denken wir nur an Damián Zamogilny, der in Mexiko 2008 als bester defensiver Mittelspieler des Landes ausgezeichnet wurde.
Er begann bei Independiente in seinem Heimatland Argentinien und ging dann in den Norden, wo ihm sein Agent einen Wechsel zum mexikanischen Zweitdivisionär León versprochen hatte. Als er dort eintraf, musste er feststellen, dass sowohl der Vertrag als auch sein Agent sich in Luft aufgelöst hatten. Er versuchte erfolglos, bei anderen Profivereinen unterzukommen und verschwand schließlich in den Niederungen des Amateurfussballs.
Drei Jahre später wurde sein Team zu einem Trainingsspiel gegen Puebla, damals in der mexikanischen A-Liga, eingeladen. Seine Leistung war so überzeugend, dass er trotz seiner 26 Jahre zum Probetraining gebeten wurde. Er absolvierte es mit Bravour und schaffte anschließend als unumstrittener Stammspieler den Sprung in die oberste Liga.
Auch die Geschichte seines Landsmannes Federico Vilar sucht ihresgleichen. Er war aus dem Nachwuchs von Boca Juniors in Argentinien hervorgegangen und hatte beschlossen, sein Glück in Mexiko zu versuchen. Ohne Erfolg, denn er endete im berühmten Hafen von Acapulco als Kellner in einem Restaurant. Eines Tages entdeckte er unter den Gästen einen wichtigen Funktionär des Erstligisten Atlante und bat ihn um eine Chance. Er nutzte sie und gilt heute als bester ausländischer Torhüter in der mexikanischen Liga.
Dank mütterlicher Hilfe
Fast immer ist es der Spieler, der um eine Chance bittet, aber manchmal setzen sich auch andere für ihn ein. Nelson Cuevas war der große Star beim kleinen paraguayischen Verein Tembetary, und man sagte ihm in diesem Land eine große Zukunft voraus. Seine Mutter hatte jedoch anderes im Sinn. So sprach sie eines Tages in den Büros des legendären River Plate in Argentinien vor und bat, dass man ihren Sohn zu einem Probetraining einlade. Sie tat dies so hartnäckig, dass er schließlich die Gelegenheit dazu erhielt. Kurz darauf unterschrieb das Wunderkind bei dem argentinischen Spitzenverein.
Es gibt noch viele andere kuriose Geschichten, wie zum Beispiel diese: Der Brasilianer Darío Dos Santos kam mit 18 Jahren wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis. Dort erlernte er das Fussballspiel. Schnell und athletisch, dank seiner Fluchten durch die Straßen, wurde er nach Verbüßung seiner Haftstrafe vom Verein Campo Grande verpflichtet, wo eine beispiellose Karriere begann, die ihn bis in die Spitze des brasilianischen Fussballs katapultierte.
Er wurde als "Dadá Maravilha" bekannt, gilt als einer der größten Fussballer Brasiliens überhaupt und verlor nie seinen Sinn für Humor. Als man ihn bat, seine Spielweise zu beschreiben, sagte er: "Ich habe überhaupt keine Technik. Ich schieße immer nur, und sie gehen fast immer rein. Ich schieße auch so schlecht, dass es eigentlich nur darauf zurückzuführen ist, dass man den Torhütern verboten hat, weiter Fussball zu spielen, wenn ich von außerhalb des Strafraums ein Tor erziele."
Eine weitere erstaunliche Geschichte ist die von Roy Essandoh, der sich einen Platz im Team der Wycombe Wanderers sicherte, als er auf eine Teletext-Anzeige antwortete. Oder Julio Cruz, der sich den Spitznamen El Jardinero ("Der Gärtner") und einen Platz in der ersten Mannschaft von Banfield verdiente, als man ihn, während er den Rasen mähte, bat, bei einem Trainingsspiel mitzumachen, um eines der Teams zu komplettieren.
Dann gibt es noch die Multitalente. Mit 18 Jahren musste sich Bastian Schweinsteiger zwischen Fussball und Alpinski entscheiden, einem Sport, bei dem der aktuelle Mittelfeldspieler vom FC Bayern bereits der deutschen Nationalmannschaft angehörte. Ähnlich ging es Costa Ricas Stürmer Paulo Wanchope, der auch bereits einer mittelamerikanischen Basketball-Mannschaft angehört hatte. Auch Sebastián Abreu entschied sich für diesen Weg und wurde schließlich zum umjubelten Goalgetter der uruguayischen Nationalelf.
Großen Karrieren auf Umwegen. Von der Zimmermannswerkstatt auf den Platz, mit einem Umweg über ein Restaurant. Wunderbare Beispiele für Millionen von Amateurspielern überall auf der Welt, die noch nicht die Hoffnung darauf verloren haben, dass sie eines Tages den Sprung auf die Weltbühne des Fussballs schaffen könnten.
