Die am 17. September zu Ende gegangenen Paralympics 2008 in Peking haben erneut gezeigt, dass der Sport körperlich oder geistig behinderte Menschen zu wahren Höchstleistungen und fairem Spiel befähigen kann.
Zu den Sportarten, die bei den Paralympics auf dem Programm standen, zählten auch zwei spezifische Varianten des weltweit populärsten Sports: Fussball für Blinde mit jeweils fünf Spielern und Fussball für geistig Behinderte mit jeweils sieben Akteuren pro Mannschaft. In beiden Wettbewerben waren mit Brasilien bzw. der Ukraine die derzeit dominierenden Teams erfolgreich. Beide sicherten sich nach Athen 2004 bereits die zweite Olympische Goldmedaille in Folge.
Leidenschaft überwindet Grenzen
Das fehlende Sehvermögen konnte die Spieler der in Peking 2008 vertretenen 5er-Mannschaften (Brasilien, China VR, Argentinien, Spanien, Großbritannien und Korea Republik) nicht daran hindern, am und mit dem Ball ihr beachtliches Können zu entfalten und auf diese Weise ihren großen Vorbildern wie Kaká, Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo nachzueifern.
Das Turnier im Blindenfussball, bei dem jeweils vier blinde Feldspieler und ein nicht blinder Torhüter ein Team bilden, entschieden die Brasilianer dank eines knappen 2:1-Finalsieges über die gastgebenden Chinesen für sich. Nachdem die einheimische Mannschaft durch einen Treffer von Wang Yafeng in Führung gegangen war, erhöhten die Südamerikaner den Druck und kamen durch Ricardo Alves zum verdienten Ausgleich, bevor sie in der Schlussphase per Elfmeter den Siegtreffer erzielten. Zwar mussten die Chinesen aufgrund ihrer mangelnden internationalen Erfahrung gegen die amtierenden Titelträger letztlich Lehrgeld zahlen, dennoch wurden sie für den Gewinn der Silbermedaille mit Riesenjubel seitens der Zuschauer bedacht.
"Auch wenn es mit der Goldmedaille nicht geklappt hat, auf die bisher geleistete Arbeit können wir mit Recht stolz sein, zumal es ja unsere erste Teilnahme an den Paralympics war. Unser Dank gilt den Zuschauern für ihre Unterstützung. In Zukunft werden wir es noch besser machen", so der sichtlich bewegte Wang, der sein Team gegen Brasilien zeitweilig in Führung geschossen hatte, unmittelbar nach dem Finale gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.
Tränen der Rührung
Die Bronzemedaille sicherte sich Argentinien durch einen Sieg über Spanien im Elfmeterschießen. Argentiniens Verteidiger Lucas Rodríguez erklärte unter Tränen, was es für ihn bedeutet, in einer Mannschaft für Blinde zu spielen: "Wir empfinden eine starke Leidenschaft für den Fussball, das ist auch der Grund dafür, dass mir vor Rührung die Tränen kommen. Diese Medaille wird für lange Zeit einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen einnehmen, denn wir haben hier an einem bedeutenden Turnier teilgenommen und dabei unser Bestes gegeben. Ich möchte all jenen danken, die uns über viele Jahre hinweg zur Seite gestanden haben."
Seit seinen Anfängen im Jahr 1986, als in Spanien das erste internationale Turnier ausgetragen wurde, hat der Fussball für Blinde in der ganzen Welt Verbreitung gefunden. Im Jahr 2004 wurde er als offizielle Disziplin in das Programm der Paralympics aufgenommen, so dass in Athen bereits die ersten olympischen Medaillen an blinde Fussballer vergeben wurden.
Gespielt wird auf einem rechteckigen Spielfeld von 42 x 22 Metern. Eine Partie besteht aus zwei Halbzeiten von je 25 Minuten Spieldauer. Die Abseitsregel kommt im Blindenfussball grundsätzlich nicht zur Anwendung. Das Spielfeld ist umgeben von Schutzplanken, um die Spieler bei Aktionen, in denen sie zu Fall kommen, vor Verletzungen zu schützen. Außerdem müssen die vier blinden Feldspieler, die durch einen Rufer in Richtung gegnerisches Tor "gelenkt" werden, eine Augenmaske tragen.
Fussball gehört zum paralympischen Geist
Für Menschen mit leichter bis mittlerer geistiger Behinderung sehen die Regeln Mannschaften mit sieben Spielern vor. Das erste große Turnier dieser Art fand im Jahr 1978 im Rahmen der von der CP-ISRA durchgeführten Internationalen Sportspiele für geistig Behinderte in Edinburgh statt, und seit dem Jahr 1984 ist diese Sportart fester Bestandteil der Paralympics. Dabei handelt es sich um eine an den herkömmlichen Fussball angepasste Variante mit einigen Unterschieden, so auch bei der Anzahl der Spielern: Statt elf sind sieben Akteure und vier Ersatzspieler zugelassen. Und auch das Spielfeld und die beiden Tore sind kleiner ausgelegt. Wie beim Blindenfussball findet die sonst übliche Abseitsregel auch hier keine Anwendung. Eine weitere Besonderheit ist die, dass Einwürfe mit nur einer Hand ausgeführt werden dürfen.
In Peking 2008 verteidigte das ukrainische Behinderten-Team, das sich im Finale gegen den amtierenden Weltmeister Russland durchsetzte, mit Erfolg seine Goldmedaille von Athen 2004. Den größten Anteil daran hatte der Kapitän der Ukrainer, Volodymyr Antonyuk, der gleich zwei Tore zum Sieg seiner Mannschaft beisteuerte. Bronze ging an die Mannschaft aus Iran. Der Vize-Weltmeister von 2007 sorgte mit einem 4:0-Sieg über Brasilien für die Überraschung des Turniers und sicherte sich damit erstmals Olympisches Edelmetall.
Charakteristisch für die Paralympics ist der bemerkenswerte Umstand, dass dort abseits der Welt der großen Stars Athleten zu bewundern sind, die in dem von ihnen mit absoluter Leidenschaft betriebenen Sport mit großer Freude ihre körperlichen und geistigen Grenzen überwinden. Die Kraft und der vorbildliche Wille, den diese Sportler dabei an den Tag legen, sollten uns allen als Beispiel dienen. Auf Wiedersehen bei den nächsten Paralympics in London 2012.
