Der 1888 erstmals in Indien ausgespielte Durand Cup ist nach dem englischen FA Cup der zweitälteste Fussballwettbewerb der Welt. Doch schon seit langer Zeit spielt Fussball in Indien hinter dem Nationalsport Cricket nur eine untergeordnete Rolle. Die gelungene Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ 1950 (bei der Indien letztlich nicht antrat) war die letzte Gelegenheit, bei der eine Teilnahme auf höchstem Niveau in Reichweite war.
Doch der überwältigende Sieg beim kürzlich beendeten AFC Challenge Cup könnte einen Wendepunkt in der Fussballgeschichte des Landes markieren. Unter dem englischen Trainer Bob Houghton marschierten die Inder unaufhaltsam durch das Turnier und setzten sich auf dem Weg ins Finale gegen Turkmenistan und Myanmar durch, wo sie Tadschikistan sensationell mit 4:1 besiegten.
Ein wichtiger Aspekt dieses Titelgewinns ist die damit erfolgte Qualifikation für den AFC Asien-Pokal 2011 - die erste Qualifikation Indiens für diese Kontinentalmeisterschaft seit 1984.
"Ich bin sehr zufrieden mit den Leistungen meiner Mannschaft. Ihr Erfolg hat eine große Welle der Begeisterung für den Fussball im ganzen Land ausgelöst.", so der ehemalige Trainer von China VR und Usbekistan in einem kürzlich geführten Exklusiv-Interview mit FIFA.com. "Auch auf Vereinsniveau hat der Fussball in Indien einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Schließlich nimmt in diesem Jahr die erste indische Profiliga ihren Betrieb auf."
Der Weg führt nach Westen
Für Houghton, der in seiner bereits 30 Jahre andauernden Karriere als Trainer bereits in zehn verschiedenen Ländern arbeitete, sind die Erfahrungen, die er seit seinem Amtsantritt 2006 in Indien machte, besonders wertvoll.
"Ich habe zwei sehr glückliche Jahre mit Indien verbracht", so der 60-Jährige. "In dieser Zeit hat die Mannschaft 23 Spiele bestritten, von denen wir nur drei verloren haben. Dabei haben wir 2007 den Nehru Cup gewonnen, und kürzlich eben den AFC Challenge Cup."
In der zweijährigen Amtszeit Houghtons wurde die Mannschaft einem zügigen und nahtlosen Umbau unterworfen, worauf der Trainer besonders stolz ist. "Am Anfang habe ich viele Veränderungen an der Mannschaft vorgenommen, doch jetzt haben wir eine relativ stabile Anfangsformation gefunden", meint er dazu. "Eine ganze Reihe junger Talente hat den Sprung ins Nationalteam geschafft, in dem allerdings auch erfahrene Spieler weiterhin ihre Schlüsselrollen spielen."
Die kontinuierlichen Fortschritte seiner indischen Schützlinge beeindruckten Houghton so sehr, dass er seinen stärksten Spielern immer wieder nachdrücklich empfiehlt, nach Europa zu gehen. Schließlich hat dies auch für viele andere asiatische Nationen deutliche Verbesserungen ermöglicht.
"Als ich 1998 als Trainer Chinas arbeitete, gab es dort keine Auslandslegionäre - es mangelte einfach an Selbstvertrauen. Doch nach einigen guten Ergebnissen, beispielsweise einem Sieg gegen Japan in der Ostasien-Meisterschaft (EAFF) gab es einige viel beachtete Transfers von Spielern wie Fan Zhiyi und Sun Jihai, die zu europäischen Klubs wechselten."
Für Houghton ist es höchste Zeit, dass auch indische Hoffnungsträger diesen Schritt gehen. "Wir haben sehr viele wirklich talentierte Spieler, wie Sunil Chetri, der durchaus das Potenzial hat, sich einen Transfer nach Europa zu verdienen", lobte der Trainer den 24-jährigen Stürmer, der im Finale des AFC Challenge Cup gegen Tadschikistan einen Hattrick schaffte. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Inder daran glauben, dass ihre Spieler es schaffen können."
Neue Ziele
Während der Triumph beim Challenge Cup in Indien für eine wahre Welle der Fussballbegeisterung gesorgt hat, sieht Houghton diesen Erfolg lediglich als kleinen Schritt auf einem langen Weg. "Die Qualifikation für den Asien-Pokal war nur unser erstes Ziel. Jetzt werden wir darauf hin arbeiten, einen Platz bei der WM 2018 zu erreichen."
Houghton hofft, dass er die indische Mannschaft auch weiterhin als Trainer führen kann, um dieses Fernziel zu erreichen. "Mein Vertrag läuft zum Jahresende aus, aber der indische Fussballverband und ich selbst sind daran interessiert, ihn zu verlängern", erläutert er die Situation. "Ich möchte eine neue Spielergeneration entwickeln, auf die Indien in den kommenden Jahren bei asiatischen Wettbewerben zu Recht stolz sein kann."
