Derzeit ist Gianfranco Zola als Mitglied des Trainerstabs der italienischen Olympia-Auswahl in China. Im Mannschaftshotel der Azzurrini traf er sich mit FIFA.com zu einem Interview der etwas anderen Art. Dabei stellten nicht wir die Fragen, sondern Sie, die Leser von FIFA.com.
Im Vorfeld hatten wir viele hundert Fragen an den charismatischen Italiener erhalten, der zu Chelseas bestem Spieler aller Zeiten gewählt wurde. Daraus wählten wir die folgenden Fragen aus, die einen interessanten und unterhaltsamen Überblick über die Karriere des Mannes geben, der von Presse und Publikum als Magic Box verehrt wurde.
leitomagno: Welches waren die Höhepunkte und Tiefpunkte Ihrer Karriere?
Der Tiefpunkt war sicher mein Platzverweis bei der WM 1994 in den USA. Der Höhepunkt war der Gewinn des FA Cups mit dem FC Chelsea im Wembley-Stadion. Auch das Länderspiel, in dem ich den Siegtreffer gegen England schoss, war ein großartiger Höhepunkt für mich - übrigens auch im Wembley-Stadion.
TATO91: Haben Sie als Kind daran geglaubt, dass Sie einer der besten Fussballspieler des Landes werden könnten?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe mit dem Fussball angefangen, weil es mir Riesenspaß machte und ich ein besserer Spieler werden wollte. Ich hatte das Riesenglück, von Spielern wie Maradona zu lernen. Ich wollte seinen Stil kopieren und ähnliche Erfolge feiern. Alles war wie ein Traum. Ich musste hart arbeiten, aber ich bin mit guten Ergebnissen belohnt worden.
chuygaytan: Wie war es, neben Diego Maradona zu spielen? Hat Sie das jemals eingeschüchtert?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin sicher, dass sein Einfluss ein wichtiger Faktor für meinen Erfolg war. Ich habe stets zu ihm aufgeblickt und versucht, Elemente seines Stils in mein eigenes Spiel zu übernehmen. Das war eine optimale Situation für mich. Er war der beste Spieler, den es gab, und ich hatte das Riesenglück, direkt bei ihm zu sein.
Tino81: Was ist ihre schönste Erinnerung an Maradona?
Maradona hat immer das Trikot mit der Nummer zehn selbst getragen. Einmal aber, es war bei einem italienischen Pokalspiel in Pisa, wollte ich gerade das Trikot mit der Nummer neun anziehen, doch da kam Maradona und gab mir das Trikot mit der Zehn. Er sagte, dass er selbst mit der Nummer neun spielen wollte, um seinen Freund Careca zu ehren. Später fand ich aber heraus, dass er es mir wegen der Erfahrung gegeben hatte. Ich war unglaublich geschmeichelt. Das war eine tolle Geste, die mir eine Menge Selbstvertrauen gegeben hat.
Beppe2006: Sie waren einer der ersten Spieler aus Italien, die für einen großen Klub in England gespielt haben. War bei dieser Wahl entscheidend, dass Gianluca Vialli schon dort [bei Chelsea] war?
Natürlich hat es meine Entscheidung beeinflusst, dass wir dann zwei Italiener im Team waren, aber als Chelsea mir das Angebot machte, war es in jedem Fall die perfekte Gelegenheit.
Cfc4eva: Bei Chelsea haben Sie sich damals die Umkleidekabine mit zahlreichen Charakterköpfen geteilt. Wer war Ihrer Meinung nach der größte - und warum?
Da habe ich eine Riesenauswahl! Ich denke, es war wohl Dennis Wise. Wir hatten sehr viele ausländische Spieler in der Mannschaft, aber der Kern war englisch. Er war der Kapitän und für die anderen Jungs ein sehr maßgeblicher Spieler. Er hat alles zusammen gehalten.
Hakimyan: Sie haben in der Premier League und der Serie A gespielt. Welche Liga war ihrer Meinung nach besser, und warum?
Das ist sehr schwer zu sagen. In den 90er Jahren war die italienische Liga die beste der Welt. Die besten Spieler kamen von überall her, um in italien zu spielen. Dann begann eine problematische Zeit, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch im Hinblick auf den Geist des Spiels. Als ich zu Chelsea kam, begann der englische Fussball gerade seinen Aufstieg. Er wurde immer besser, nicht zuletzt wegen des Zustroms ausländischer Spieler. Beide Ligen waren sehr unterschiedliche Erfahrungen für mich.
London_Lad: Denken Sie, dass die Anzahl ihrer Nominierungen für die italienische Nationalmannschaft davon beeinflusst wurde, dass Sie in England spielten?
Das war sicher nicht hilfreich. Aber damit muss ich leben. Als ich mich entschied, nach England zu gehen, wusste ich durchaus, dass daraus Probleme in Bezug auf die Nationalmannschaft entstehen würden. Aber für mich war Chelsea so etwas wie meine Nationalmannschaft. Ich kann mich nicht beschweren.
Calcio1972: Denken Sie, dass Sie deswegen beim FIFA Weltpokal Frankreich '98™ nicht dabei waren?
Ich weiß es nicht. Die Konkurrenz war damals sehr stark. Mit Roberto Baggio und Alessandro Del Piero gab es gleich zwei Spieler, die sehr gut auf meiner Position spielten. Vielleicht lag es also daran, vielleicht aber auch nicht.
Guineecalcio: Wer war der beste italienische Spieler Ihrer Generation?
Da gab es mehrere ganz starke. Baggio ist der erste Name, an den ich denke, aber man muss natürlich auch Paolo Maldini und Franco Baresi erwähnen, die ebenfalls großartige Spieler waren.
Arsenal94360: Hätten Sie gerne in der aktuellen Mannschaft von Chelsea gespielt?
Man möchte immer gern bei einer erfolgreichen Mannschaft spielen. Ich bin voll und ganz damit zufrieden, damals dazu gehört zu haben. Bei uns herrschte ein großartiger Mannschaftsgeist. Obwohl wir die Meisterschaft nicht gewonnen haben, machte uns der Fussball einen Riesenspaß. Ich war in dieser Mannschaft zu Hause.
glasses: Warum haben Sie sich entschlossen, Ihre Karriere bei Cagliari zu beenden?
Es war immer ein Traum von mir, meine Karriere dort in meiner Heimat zu beenden, nachdem ich in aller Welt solch fantastische Erfahrungen gesammelt hatte. Ich wollte den jungen Spielern dort etwas zurückgeben. Daher habe ich eine Menge Geld ausgeschlagen, das ich woanders bekommen hätte.
Ryuken: Die Frage ist nicht eben originell, aber welches war Ihr liebstes Tor?
Das spektakulärste Tor war wohl das mit der Hacke gegen Norwich, aber mir persönlich gefiel auch mein Tor gegen Juventus Turin in meiner letzten Saison in der Serie A sehr gut - es war ein Kopfball in der letzten Spielminute. Ich habe nicht viele Kopfballtore erzielt, warum weiß ich nicht!
Isofacto1990: Welche Erwartungen hegen Sie für Italien bei den Olympischen Spielen und bei der FIFA WM 2010 in Südafrika?
Ich hoffe, dass die Mannschaft hier [bei den Olympischen Spielen] so gut wie möglich spielt und Spaß dabei hat. Es ist eine sehr gute Mannschaft. Die Spieler wurden ausschließlich nach Ihrer Leistungsstärke ausgewählt. Taktische Erwägungen gab es nicht - wir haben einfach die besten jungen Spieler aus Italien mitgenommen. Wir hoffen, dass wir damit hochklassigen Fussball spielen, den die Fans genießen. Natürlich hoffen wir auch, dass wir als Lohn für unsere Anstrengungen und als Folge der Spielstärke unserer Akteure gute Ergebnisse einfahren. Was Südafrika angeht, hoffe ich das Gleiche. Beim Fussball geht es nicht nur um die Ergebnisse. Es geht auch darum, was man zeigt, und es geht darum, die Fans zu unterhalten. Das ist das Allerwichtigste. Wenn das funktioniert, dann kommt es nur selten vor, dass die Ergebnisse am Ende nicht stimmen. Ich bin überzeugt, dass beides direkt miteinander zusammenhängt.
FIFA.com: Welche der Fragen hat Ihnen am besten gefallen?
Die über meinen Wechsel zu Cagliari. Das war eine sehr wichtige Entscheidung und ein Schritt, den ich immer gehen wollte.
