Das Umweltbewusstsein spielt in der Gesellschaft eine zunehmend wichtige Rolle. Als eine der Sportarten, der weltweit mehrere hundert Millionen Menschen nachgehen, konnte sich der Fussball der ökologischen Entwicklung nicht verschließen. Immer mehr Vereine versuchen, durch einen geringeren Energieverbrauch, eine Verringerung der Abfallmenge oder innovative Recyclingmaßnahmen, einen Beitrag zum Schutz der Umwelt zu leisten. FIFA.com wirft einen Blick auf interessante Projekte, die auf verschiedenen Kontinenten in die Tat umgesetzt werden.
Erneuerbare Energien
Nur wenige Tage, dann rollt der Ball endlich auch bei den Olympischen Spielen. Die Endspiele des Olympischen Fussballturniers der Männer und Frauen finden im Nationalstadion von Peking statt. Das Stadion, das wegen seiner originellen Bauweise den Spitznamen "Vogelnest" trägt, verfügt über eine Anlage zur Umwandlung von Sonnenenergie sowie zur Regenwasserspeicherung, die insbesondere der Bewässerung und Reinigung des Stadionrunds zugute kommt. Zudem gestattet die Bauweise dieser olympischen Einrichtung das Eindringen der Luft auf natürlichem Wege, wodurch für eine ausreichende Abkühlung der Fans gesorgt ist.
Das Ernst-Happel-Stadion in Wien, das Schauplatz des EM-Finals war, ist ebenfalls auf den ökologischen Zug aufgesprungen und hat seine Kohlendioxidemissionen dank zahlreicher Maßnahmen, wie dem Einbau von Solarkollektoren zur Energiegewinnung, um 35 Prozent reduzieren können.
Vorreiter war das Stade de Suisse im schweizerischen Bern, das im Jahre 2005 nach zahlreichen Umbaumaßnahmen, die dem Stadion einen vorbildlichen Charakter verliehen, mit dem Europäischen Solarenergiepreis ausgezeichnet wurde. Das Stadiondach wurde mit Fotovoltaikzellen bedeckt, welche nach einer erneuten Erweiterung bei optimaler Sonneneinstrahlung eine Jahresproduktion von ca. einer Million kWh erreichen. Dies entspricht dem jährlichen Energiebedarf von 400 Haushalten.
Recycling und Wasser
2007/08 feierte Real Madrid eine besonders saubere Saison. Damit ist allerdings nicht die Anzahl der Gelben oder Roten Karten gegen Spieler des Hauptstadtklubs gemeint, sondern die effiziente Kampagne zur Mülltrennung, die bei den Königlichen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Abfallverwertung Ecoembes ins Leben gerufen wurde. Das Unternehmen stellte mehrere Sammelcontainer für Verpackungen in stark frequentierten Bereichen des Trainingsgeländes Ciudad Deportiva und dem Stadion auf. Im Verlauf der Kampagne wurden an die 350.000 Kilogramm Abfallstoffe gesammelt, die dem Recycling zugeführt werden konnten. Diese Initiative wurde durch das Recyclingfest unterstützt, das für die kleinen Fans im April vor dem Stadion Santiago Bernabéu stattfand. Ziel war es, auch den Kindern bewusst zu machen, welche Bedeutung eine umweltgerechte Verwertung der Abfallstoffe hat.
Der FC Barcelona hat seinen Teil die Sommerpause genutzt, um einen neuen Rasen verlegen zu lassen. Dieser verfügt nun über ein Bewässerungssystem mit 52 Sprinklern, die, je nach Bedarf des zu bewässernden Bereichs, einzeln aktiviert werden können. Die Bewässerungsintensität wird in Abhängigkeit von Luftzufuhr und Sonneneinstrahlung des Teilstücks gesteuert, wodurch eine erhebliche Wassereinsparung erreicht und die Effizienz gleichermaßen gesteigert wird.
Die ökologische Effizienz ist Dreh- und Angelpunkt der heutigen Stadionneubauten. Ein Beispiel hierfür ist das Chivas-Stadion in der mexikanischen Provinz Guadalajara. Hier wird das Regenwasser von Dach und Spielfeld in Behältern gesammelt und anschließend gefiltert, um für Anwendungen genutzt zu werden, die keine Trinkwasserqualität erfordern. Dieses System kann im Verlauf eines Jahres bis zu 30.000 Kubikmeter Wasser sparen.
Eine ähnliche Anlage ist im Vereinigten Königreich für das neue Stadion von Dartford in der Grafschaft Kent geplant. Der Komplex soll über zwei Tanks verfügen, die das Regenwasser speichern, welches im gesamten Stadionrund gesammelt wurde und der Rasenbewässerung zugeführt wird.
Nachhaltige Entwicklung und Bewusstseinsbildung
Das Spielfeld ist von grundlegender Bedeutung für ein schönes Fussballspiel. Doch die Instandhaltung ist insbesondere in Ländern mit extremen Klimabedingungen nicht immer einfach. Aus diesem Grund hat sich die FIFA im Rahmen des Projekts "In Afrika mit Afrika gewinnen" verpflichtet, bis zum Start der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ in 52 afrikanischen Ländern (alle außer Südafrika) Kunstrasenplätze zu schaffen, die den internationalen Anforderungen genügen. Dies ist eine Möglichkeit, den Fussball in Regionen zu bringen, wo dem Wasser ganz andere Prioritäten zukommen.
Der Fussball vermittelt und transportiert Botschaften und nutzt seinen Einfluss, um das Umweltbewusstsein bei den Fans, die das Stadion aufsuchen, zu fördern. Angesprochen werden nicht nur die Fans, die nach dem Spiel ihre Getränkedose im dafür bereitgestellten Behälter entsorgen, sondern auch die Kinder, die im Park Ball spielen und danach ihren Müll aufsammeln.
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