Vicente Sánchez ist ein Spieler der etwas anderen Art. Der uruguayische Stürmer begeisterte die Fans in Mexiko über viele Jahre mit seiner Schnelligkeit und seinen Tricks, die an die Flügelstürmer früherer Tage erinnern. Nach erfolgreichen Jahren in Toluca wechselte der 27-jährige Spieler im Januar zu Schalke 04 in die deutsche Bundesliga, wo er mit dem Team lange um den Titel kämpfte.
Nach der ersten Saison in Europa sprach Sánchez, freundlich und gut gelaunt wie immer, mit FIFA.com über seine ersten Monate dort. Er nutzte die Gelegenheit auch, um über die Nationalmannschaft Uruguays zu sprechen. In den letzten Jahren war er Stammspieler dieses Teams und kämpft gegenwärtig mit der Auswahl um einen Platz bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010.
Herr Sánchez, wie fühlen Sie sich nach den ersten Monaten
in Europa?
Gut, wirklich gut. Es sind für mich Monate gewesen, in denen
ich viel gelernt habe und ich bin froh, dass ich hierher gekommen
bin. Es wäre schön, wenn ich vielleicht mehr Spielpraxis bekommen
hätte und Stammspieler wäre, aber bislang bereue ich es nicht, dass
ich zu Schalke gewechselt bin.
Nachdem Sie bereits in Uruguay und in Mexiko gespielt
haben, gibt es da große Unterschiede zum Fussball in
Deutschland?
Fussballerisch nicht. Hier wird ein körperbetonterer und
schnellerer Fussball gespielt, jedes Spiel ist wie eine Schlacht,
vor allem für Spieler mit meinen Merkmalen. Die Qualität des Spiels
in Südamerika ist jedoch ebenfalls sehr hoch.
Aber in der UEFA Champions League dabei zu sein, war schon
eine wichtige Erfahrung?
Ja natürlich, denn man hat die Gelegenheit, auf die besten
Spieler der Welt zu treffen. Du siehst dann, auf welchem Niveau du
selbst spielst, was wiederum eine Chance bietet, noch besser zu
werden. Eigentlich haben wir ein gutes Turnier gespielt und sind
nur durch Pech nicht weiter gekommen.
Schalke ist gegen Barcelona in einem ganz knappen Duell
ausgeschieden. War das eine Enttäuschung?
Natürlich. In der Umkleidekabine haben wir alle die Köpfe
hängen gelassen. Wir hatten wirklich viel Pech in diesem Spiel und
hätten es nicht verdient gehabt zu verlieren. Ich habe auch nicht
so viel gespielt, wie ich es gerne getan hätte. Andererseits haben
auch meine Mitspieler alles gegeben.
In der Bundesliga waren sie auch recht erfolgreich, mit dem
dritten Platz hinter Bayern München und Werder Bremen...
Das stimmt. In der Meisterschaft war es jedoch nicht möglich,
die Bayern zu schlagen, die von Anfang an die Nase vorn hatten. Wir
haben jedoch gut mitgehalten, wenngleich es mitunter etwas
schwierig war. Im nächsten Jahr werden wir noch besser sein.
Wie verlief die Anpassung an das Land? An die
Sprache?
Die Anpassung an Deutschland war nicht kompliziert. Ich fühle
mich hier wohl, die Leute behandeln mich gut. Ich kam im Winter und
das war natürlich zunächst eine Umstellung, wenn es auch nicht so
wichtig war. Was die Sprache angeht, so ist das eine andere Sache.
Bislang habe ich noch nicht viel lernen können, gerade einmal ein
paar Wörter. Ich weiß also nicht, was die Zeitungen schreiben. Wenn
Sie schlecht über mich schreiben, bekomme ich das ja nicht mit!
(lacht).
Wie verstehen Sie denn, was der Trainer sagt?
Ich verstehe überhaupt nichts. Wenn er 'rechts' sagt,
laufe ich nach links (lacht). Nein, im Ernst, bei uns gibt es viele
Spieler, die Spanisch können und auch der frühere Assistenztrainer
(Nestor Jevtic) sprach Spanisch, so dass es da eigentlich keine
Probleme gibt. Das hat mir auch geholfen, mich in der Mannschaft
zurecht zu finden.
Sie haben ja viele Spieler aus Südamerika im Team. Wird in
der Umkleide nur Latino-Musik gehört?
(lacht) Nein, so weit ist es noch nicht. Das wäre nicht
schlecht, aber ich glaube, da hätten die anderen etwas dagegen.
Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Möchten Sie bei
Schalke bleiben oder in eine andere europäische Liga
wechseln?
Ich bin hierher gewechselt und habe für drei Jahre
unterschrieben. Ich möchte meine Verträge immer einhalten und sehe
also bei Schalke meine Zukunft. Allerdings war die Rede davon, dass
ich Stammspieler sein würde, als ich hierher kam und bislang konnte
ich noch nicht so viel spielen wie ich wollte. Ich hoffe, dass das
in der nächsten Saison besser wird und ich hier bleiben kann, denn
bislang fühle ich mich in Deutschland wohl.
Stammspieler zu sein, wäre auch wichtig im Hinblick auf die
uruguayische Nationalmannschaft...
Natürlich! Vor allem, weil es viel Konkurrenz im Angriff
gibt. In der Nationalmannschaft haben wir den Vorteil, über einige
starke Angreifer mit ganz unterschiedlichen Stärken zu verfügen.
[Diego] Forlán und [Sebastián] Abreu sind eher Strafraumstürmer,
andere - wie ich - kommen mehr aus der Tiefe. Das Problem ist, dass
es viele Spieler aber nur wenige Plätze gibt (lacht). Ja, für mich
ist es wirklich wichtig zu spielen, damit unser Trainer sieht, dass
ich gut in Form bin und mich weiterhin berücksichtigt.
Wie schätzen Sie die Chancen der Nationalelf Uruguays im
Hinblick auf Südafrika 2010 ein?
Ganz gut. Ich glaube, die Nationalmannschaft hat bislang gute
Spiele gezeigt, und wir sind im Rennen um dieses Ticket. Dennoch
ist es so ausgeglichen wie noch nie. Brasilien und Argentinien
dominieren nicht mehr und es gibt Teams wie Paraguay oder
Kolumbien, die bislang sehr stark sind. Ich glaube schon, dass
Uruguay gute Chancen hat, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein.
Dort zu spielen wäre für mich ein Traum.
