Neun der zehn Nationalmannschaften Südamerikas bestritten in dieser Woche Freundschaftsspiele. Die Ergebnisse lösten recht unterschiedliche Reaktionen aus. Während zwei U-20-Stars Argentinien und Brasilien auf die Siegerstraße brachten, haben sich die neu formierten Mannschaften Ecuadors, Boliviens und Perus bewährt. In Paraguay, Kolumbien, Chile und Venezuela sorgten dagegen Niederlagen für Sorgenfalten. FIFA.com analysiert diese Spiele.
Junges Blut überzeugt
Argentinien und Brasilien haben erneut gewonnen, und in
beiden Fällen erwiesen sich junge Spieler, die bei der FIFA
U-20-Weltmeisterschaft Kanada 2007 geglänzt hatten, als
Matchwinner: Sergio Agüero und Alexandre Pato. "Bei so vielen
guten Spielern bietet sich nicht sehr häufig die Gelegenheit, zum
Einsatz zu kommen. Also muss man jede Chance nutzen", meinte
Agüero, Schütze des ersten Treffers der Argentinier in Ägypten.
Sein Tor ließ das mit Spannung erwartete Comeback des
Mittelstürmers Fernando Cavenaghi in der Nationalmannschaft in den
Schatten rücken.
Der Sieg stellte auch die argentinische Presse zufrieden. "Die Mannschaft hat sich gesteigert und eine Bewährungsprobe bestanden, um weiter zu wachsen", titelte "Clarín". Für die Morgenzeitung war ein weiterer junger Spieler spielentscheidend. So bewertete man die Leistung von Fernando Gago mit acht von zehn Punkten. "Am Ende haben wir ein Spiel, das schwierig begann, leicht aussehen lassen", analysierte der zentrale Mittelfeldspieler von Real Madrid auf dem Weg in die Umkleidekabine.
Brasilien ist weiterhin erfolgreich, ohne seine anspruchsvollen Anhänger jedoch völlig zufriedenzustellen. Beim 1:0 gegen Schweden ragte Alexandre Pato heraus, ein weiterer U-20-Auswahlspieler, der in Kanada geglänzt hatte. "Pato rettet Brasilien", verkündete "Lance!" auf seiner Titelseite. Das junge Talent vom AC Mailand war erst zwölf Minuten zuvor eingewechselt worden und erzielte den einzigen Treffer der Partie. "Ich glaube, dass er ein ungewöhnliches Talent ist. Es gibt Spieler, die den Ausschlag geben können, und er ist einer von ihnen. Sein Stil ähnelt dem des jungen Ronaldo. Beiden hat es gefallen, auf dem Platz im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen und dabei zu versuchen, sich an die Anweisungen des Trainers zu halten", äußerte sich Brasiliens Coach Dunga zu seinem jungen Star.
Optimismus für die Zukunft
Währenddessen sorgten die Siege Perus, Boliviens und Ecuadors
für zufriedene Gesichter. Die peruanische Presse lobte den Sieg
einer "erneuerten" Auswahl als "verdient".
"Mit neuen Gesichtern und einer verbesserten Einstellung im
Vergleich zu den vorherigen Partien hat man Costa Rica mit 3:1
besiegt", betonte "Perú.com". Für die Website boten
die Neulinge George Forsyth, Carlos Zambrano, Donny Neyra, Miguel
Torres, Daniel Chávez und Hernán Rengifo eine gute Partie.
"Sie haben alle den Test bestanden und zwei von ihnen trugen
sich sogar in die Torschützenliste ein", war weiterhin zu
lesen. Dabei bezog man sich auf die Treffer von Rengifo und
Zambrano.
Ähnliche Zufriedenheit herrschte in Bolivien, wo die Presse daran erinnerte, dass der 1:0-Sieg in Venezuela der erste Auswärtssieg seit mehr als einem Jahr war. Trotz des knappen Ergebnisses bot das Angriffsduo Marcelo Martins und Joaquín Botero eine starke Leistung. Trainer Erwin Sánchez meinte anschließend: "Wir befinden uns in einer Phase der Erneuerung und die ist, wie jede Veränderung, schwierig. Wir müssen weiter arbeiten, um unserem Fussball ein neues Gesicht zu verpassen. Langsam aber sicher gelingt uns das."
Auch in Ecuador herrschte nach dem 3:1 gegen Haiti allgemeine Zufriedenheit. "Die Tri spielte schön und erfolgreich" titelte die Zeitung "La Hora". Die Partie markierte auch das offizielle Debüt von Sixto Vizuete als Trainer der Mannschaft, nachdem er beim Torfestival gegen Peru in der WM-Qualifikation noch als Interimscoach ausgeholfen hatte. "Ich bin sehr zufrieden mit der Einstellung der Spieler, die nach dem frühen Rückstand in der vierten Minute das Spiel noch gedreht haben", betonte er.
Alarmglocken läuten in Paraguay, Chile und
Kolumbien
In Paraguay sah die Lage ganz anders aus. Der Tabellenführer
der südamerikanischen WM-Qualifikation kam in Pretoria gegen
Südafrika unter die Räder. Nachdem man die 0:3-Niederlage der
Albirroja als "überraschend" bezeichnete, fuhr
die Tageszeitung "ABC" in ihrer schonungslosen Analyse
der Begegnung, in der Paraguay fast in Bestbesetzung angetreten
war, fort: "Die paraguayische Mannschaft spielte ungenau,
langsam, offenbarte keinen Kampfgeist, war der Dynamik des Gegners
nicht gewachsen, zeigte schlechtes Deckungsverhalten, vor allem auf
den Außenbahnen und war in der Abwehr und im Mittelfeld klar
unterlegen. Im Angriff zeigte man auch nichts." Ausgenommen
von der Kritik wurden lediglich Edgar Barreto und der junge
Mittelfeldspieler Luis Cáceres.
In Chile beklagte man sich dagegen mehr über die mangelnde Durchschlagskraft im Angriff und die Konzentrationsschwächen, die zum Treffer der Israelis führten, als über die 0:1-Niederlage an sich. Marcelo Bielsa analysierte das Spiel auf seine Art: "Es fehlte eigentlich an Torchancen, was noch schwerer wiegt. Aber dafür gibt es eine Lösung, denn Chile verfügt schließlich über die Mittel, um auf weitere Optionen zurückzugreifen. Wenn wir dann mal eine Torchance hatten, verstanden wir es nicht, sie zu nutzen."
In Kolumbien bezeichnete man die 1:3-Niederlage gegen Honduras als einen "schlechten Abend". Damit endete eine Serie von neun Spielen ohne Niederlage. Zuletzt hatte man gegen Argentinien bei der Copa América 2007 mit 2:4 den Kürzeren gezogen. In diesem Jahr sind die Cafeteros bislang noch ohne Sieg. Zuletzt gab es im Februar ein 2:2 gegen Uruguay in Montevideo.
