Nach mehr als 20 Jahren als aktiver Spieler und 1.000 Toren als persönliche Bestmarke, steht Romario, einer der charismatischsten brasilianischen Spieler der letzten Jahre, vor dem Ende seiner aktiven Laufbahn. Mit inzwischen 41 Jahren bereitet er sich darauf vor, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen und sich neuen Aufgaben in der Welt des Fussballs zu widmen.
O Baixinho, aktuelles Mitglied der Kommission für Technik und Entwicklung der FIFA, gehörte der Delegation des brasilianischen Fussballverbands (Confederaçao Brasileira de Futebol, CBF) an, die am Dienstag am Sitz der FIFA ihre offizielle Kandidatur als Ausrichter der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014 einreichte.
Während seines Aufenthalts in Zürich sprach der Stürmer von Vasco da Gama mit FIFA.com über seine Spielerlaufbahn, die aktuelle brasilianische Nationalmannschaft und den großen Traum, 2014 die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft auszurichten.
FIFA U-20-Weltmeisterschaft Brasilien 2014. Wie hört sich
das an?
Interessant. Das wäre sehr wichtig für unser Land.
Nicht nur aus fussballerischen Gründen, sondern auch politisch,
wirtschaftlich und bildungspolitisch. Wir hoffen alle, dass sich
mit der möglichen Entscheidung der FIFA, Brasilien mit der
Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2014 zu betrauen, viele Dinge
verbessern werden. Das wäre sehr wichtig für die gesamte
brasilianische Bevölkerung. Eine Weltmeisterschaft in Brasilien ist
etwas ganz Besonderes.
Wenn man sich über die möglichen WM-Stadien in Brasilien
Gedanken macht, kommen einem zunächst das Mineirão, Morumbí und
selbstverständlich das Maracaná ins Bewusstsein. Die CBF plant
jedoch den Bau vier neuer Stadien im Nordosten des Landes sowie die
Renovierung anderer im ganzen Land. Denken Sie, dass Brasilien
angesichts dieser Pläne in der Lage wäre, das Turnier 2014
auszurichten?
Tatsächlich haben wir viele Stadien in Brasilien. Neben dem
Maracaná, Morumbí und Mineirão gibt es noch zahlreiche Stadien in
anderen Bundesstaaten. Es müssen jedoch viele Arbeiten und Umbauten
vorgenommen werden. Das gilt auch für diese drei Stadien. Auf jeden
Fall hätten wir sieben Jahre Zeit bis 2014 und bis dahin werden die
fälligen Arbeiten an den Stadien ausgeführt sein und sie im
perfekten Zustand sein, um das Turnier auszurichten.
Mit dem Erfolg der
Seleção bei der Copa América im Juli hatten die Fans
zuletzt wieder Grund zum Feiern. Wie beurteilen Sie die Leistungen
der Mannschaft in Venezuela und welche Spieler haben Sie am meisten
beeindruckt?
Wenn die Brasilianer ein Turnier gewinnen, ist das
immer ein Grund zum Feiern. Wir haben hier so viele Probleme und
die brasilianische Nationalmannschaft ist für viele einer der
wenigen Gründe zur Freude. Die Mannschaft in Venezuela spielte
nicht in Bestbesetzung, da drei oder vier Spieler fehlten. Es war
jedoch eine gute Mannschaft.
Ich denke, Juan und Robinho gehörten zu den besten Spielern. Nach meiner Meinung haben sie auf ihrem höchsten Niveau gespielt.
Die brasilianische Nationalmannschaft wird von Dunga
trainiert, mit dem Sie 1994 in den USA Weltmeister wurden. Hätten
Sie gedacht, dass Dunga die Trainerlaufbahn einschlagen würde? Wie
beurteilen Sie sein erstes Jahr als brasilianischer
Nationaltrainer?
Für uns war das eine große, aber eine sehr positive
Überraschung, dass Dunga als Nationaltrainer berufen wurde. Ich
persönlich fühle mich zudem geehrt, denn ich habe viele Jahre mit
ihm in der Nationalmannschaft und auch bei Vasco da Gama gespielt.
Als Mensch ist Dunga sehr ernsthaft und hat Charakter. Als Trainer
steht er noch am Anfang und konnte jetzt seinen ersten Titelgewinn
feiern. Er ist ein geborener Gewinner und ich glaube, dass er mit
der Nationalmannschaft noch viel erreichen wird.
Der Erfolg Brasiliens in Venezuela bedeutete zudem die
Qualifikation für den FIFA Konföderationen-Pokal. In diesem
Wettbewerb konnten Sie 1997 große Akzente setzen. Nach dem
Titelgewinn Brasiliens in Saudi-Arabien sprach die Presse vom
Traumduo RO-RO. Woran lag es, dass das Duo Romario und Ronaldo
während seiner kurzen Existenz so erfolgreich war?
Wir haben uns immer sehr gut verstanden. Das galt
insbesondere auf dem Platz. Ich hatte die Gelegenheit und die Ehre
mit technisch sehr versierten Fussballern auf hohem Niveau zu
spielen und das erleichterte uns das Zusammenspiel.
Ronaldo ist einer der vielen Spieler, mit denen sie in
Ihrer langen Karriere ein Sturmduo bildeten. Weitere Spieler waren
Roberto Dinamite, Wim Kieft, Hristo Stoichkov, Bebeto, Sávio,
Edmundo, Euller und Alex Dias. Wenn Sie jemanden auswählen müssten,
wer wäre dann Ihr Traumpartner?
(ohne zu zögern) Bebeto. Mit ihm bin ich 1994
Weltmeister geworden und wir hatten großen Anteil daran, dass sich
die Mannschaft für dieses Turnier qualifizieren konnte. Wir haben
eine Copa América gewonnen und zusammen lange bei Vasco da Gama
gespielt. Auf dem Spielfeld war er mein bester Partner, weil wir
uns sehr gut kannten. Wir haben uns blind verstanden und kannten
die Wege des anderen. Aus diesem Grund war Bebeto mein bester
Sturmpartner.
Kommen wir nun von Lieblingsspielern zu
Lieblingsmannschaften. In Ihrem Land gibt es eine nicht enden
wollende Diskussion darüber, welche die beste Nationalmannschaft
war, die von 1958, 1970 oder 1982. Wie denken Sie darüber?
Die einzige, die ich gesehen habe, war die von 1982. Die
Mannschaft von 1958 habe ich nie gesehen und bei der von 1970 war
ich gerade einmal vier Jahre alt. Nachdem, was man so von den
verschiedensten Leuten hört, war die Mannschaft von 1970 die beste
brasilianische Nationalmannschaft aller Zeiten. Zu dieser
Mannschaft gehörten u. a. Pelé, Rivelino und Jairzinho.
Zu Ihren ganz persönlichen Erfolgen zählt mit Sicherheit,
dass Sie im Mai den 1.000 Treffer Ihrer Karriere erzielt haben. Es
erschien fast, als würde die ganze Welt darauf warten: Pelé, Diego
Maradona, Carlos Alberto Parreira, Luiz Felipe Scolari, Dunga,
Thierry Henry, Ronaldo und Ronaldinho zählten neben vielen anderen
dazu. Alle fieberten mit Ihnen mit, damit Sie diese magische Zahl
erreichen. Wie haben Sie sich gefühlt, nachdem Sie das erreicht
hatten?
Eine Bestmarke von 1.000 Toren aufzustellen, ist
etwas ganz Besonderes. Für mich persönlich und als Fussballer war
das eines der größten Ziele meines Lebens. Ich freue mich darüber,
dass so viele Leute mitfieberten. Das war nicht nur wichtig für
mich sondern auch für Vasco da Gama, Brasilien und die ganze Welt.
Ich bin der zweite Spieler, der diese Zahl erreichen konnte und ich
bin sehr stolz. Ich bin sehr glücklich darüber. Als Fussballer habe
ich 100% alles erreicht.
Und wie sieht die Zukunft des Spielers Romario aus?
Die Wahrheit ist, dass ich als Spieler keine große
Zukunft mehr habe (lacht). Mit bleiben noch ein paar Spiele, wie
viele weiß ich nicht. Ich werde mit Sicherheit noch bis Dezember
dieses Jahres spielen, denn dann läuft mein Vertrag mit Vasco da
Gama aus. Tatsächlich habe ich im Fussball alles erreicht, was es
zu erreichen gibt. Ich bin sehr glücklich und jetzt fängt ein neuer
Lebensabschnitt an. Ich weiß noch nicht genau, was ich machen
werde, aber es wird Sicherheit mit dem Fussball zusammenhängen.
Könnten Sie sich vorstellen, als Trainer zu arbeiten?
Nein, auf keinen Fall. Ich bin mir jedoch sicher,
dass ich dem Fussball eng verbunden bleibe.
