Noch nie konnte das kleine mittelamerikanische Land von Größerem träumen. Viele Jahre lang wurde Panama in der Welt des Fussballs lediglich als das kleine Anhängsel Mittelamerikas betrachtet. Während die Nachbarn Costa Rica, Honduras und El Salvador beachtliche fussballerische Erfolge feierten, versuchten die Panamaer mit Basketball und Baseball ihre sportlichen Ambitionen zu verwirklichen.

Doch die Dinge haben sich grundlegend geändert. Das südlichste Land Mittelamerikas kann sich nach dem zweiten Platz beim CONCACAF Gold Cup 2005 und der Viertelfinal-Teilnahme 2007 durchaus berechtigte Hoffungen auf die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika machen.

Kein anderer kann diesen Traum, eines Tages auf der größten Bühne des Fussballs zu stehen, besser verkörpern, als die schillerndste Figur des panamaischen Fussballs: Blas Pérez. Der Mittelstürmer, der in Reihen des kolumbianischen Klubs Cúcuta Deportivo bei der letzten Copa Libertadores für Aufsehen gesorgt hat, wagte den Sprung in die zweite spanische Liga zu Hércules de Alicante und folgte damit den Spuren einiger der größten Fussballer des Landes.

Auf den Spuren von Rommel und den Delys
Würde man einen Panamaer fragen, wer der beste Spieler des Landes war, würde dies unweigerlich zu einer Kontroverse führen. Bezöge sich die Frage aber auf den Liebling der Fans, gäbe es nur eine Antwort: Rommel Fernández.

Vierzehn Jahre nach seinem Tod betrauern die Panamaer noch immer das frühe Ableben ihres ersten großen Fussball-Idols. Der Angreifer war der erste Panamaer, der den Sprung über den Ozean schaffte und bei einem spanischen Verein anheuerte. Der Panzer war einer der großen Stars in Teneriffa, Valencia und Albacete, bis er 1993 einem tragischen Unfall zum Opfer fiel. Seitdem trägt das Stadion der Hauptstadt Panama seinen Namen.

In seine Fussstapfen traten die Zwillinge Julio und Jorge Dely Valdés. Ersterer bewies das größere sportliche Talent und stand bei Paris Saint Germain sowie den spanischen Klubs Oviedo und Málaga unter Vertrag. Sein Bruder zeichnete sich bei Nacional de Montevideo sowie zahlreichen Vereinen der japanischen J-League aus.

Doch die Liste kann noch weiter geführt werden. Beleg für die Aufbruchstimmung im panamaischen Fussball sind die vielen Akteure, die sich für einen Wechsel ins Ausland entschieden haben. José Luis Garcés hat beispielweise einen Dreijahresvertrag bei ZSKA Sofia unterschrieben, während Luis Tejada bei Real Salt Lake in den USA seine Brötchen verdient.

Doch Panama hat nicht nur Stürmer zu bieten. Einer der großen Stars der Nationalelf ist Innenverteidiger und Kapitän Felipe Baloy, der auch bei seinem mexikanischen Klub Monterrey eine der großen Stützen ist. Dann gibt es auch noch den robusten Schlussmann Jaime Penedo, der beim spanischen Klub Osasuna unter Vertrag steht.

Bescheidenheit und Tore
Auch wenn der argentinische Spitzenklub Boca Juniors die Copa Libertadores 2007 gewonnen hat, war das kolumbianische Team Cúcuta die Mannschaft der Stunde. Zwei Tore des bis dato unbekannten Angreifers Blas Pérez, der am folgenden Tag auf sämtlichen Titelseiten des Kontinents auftauchte, ließen den überraschenden Halbfinalisten vom Endspiel träumen.

Das Turnier hätte möglicherweise einen anderen Sieger gehabt, wenn Pérez auch beim Rückspiel gegen Boca Juniors auf dem Platz gestanden hätte. Doch nach dem überragenden 3:1-Hinspielerfolg ging das Rückspiel ohne Pérez, der mit der Nationalmannschaft beim CONCACAF Gold Cup weilte, mit 0:3 verloren.

Die überragenden Leistungen auf Vereinsebene und in der Nationalmannschaft haben schließlich das Tor nach Europa weit aufgestoßen. Da seine Karriere nicht immer steil nach oben verlief, ist das nicht unbedingt selbstverständlich. Nach seinen Anfängen bei Panamá Viejo ging Blas im Alter von 22 Jahren nach Kolumbien, wo er nach den Zwischenstationen Envigado und Centauros Villavicencio beim Topklub Deportivo Cali landete. Dort konnte er sich aber nicht durchsetzten und wurde an Cúcuta ausgeliehen, bevor es schließlich nach Spanien zu Hércules ging.

Mit 26 Jahren steuert er auf einen neuen Höhepunkt seiner Karriere zu. Dies hat er in seinem neuen Verein bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, indem er in der ersten Begegnung nach nicht einmal einer Minute bereits treffen konnte.

"Was zählt, sind Tore. Diese Tore geben mir die nötige Ruhe. Im Ligabetrieb wird es aber wohl schwieriger werden", so Blas nach dem zweiten Treffer für den Klub aus Alicante. "Ich will durch gute Leistungen das Tor für weitere Spieler aus meinem Land öffnen", so der talentierte und bescheidene Stürmer, dessen prophetische Aussage in naher Zukunft durchaus Realität werden könnte.