Manchmal bleibt das Schicksal den großen Fussballern etwas schuldig. Es gibt Hunderte von herausragenden Spielern, die im Verlauf ihrer Karriere keinen großen Titel gewonnen haben. Dennoch wird man sie in den Geschichtsbüchern dieser Sportart niemals vergessen.

Zu ihnen gehört zweifellos der Argentinier Roberto Fabián Ayala. ElRatón - die Maus - verkündete seinen Abschied einige Tage nach der Niederlage gegen Brasilien im Finale der Copa America in Venezuela. Das 0:3 und sein Eigentor hatten nach eigener Aussage keinen Einfluss auf seine Entscheidung: "Die war schon vor langer Zeit gefallen und hatte nichts mit der Partie gegen die Brasilianer zu tun. Ich glaube einfach, dass meine Zeit in der Nationalmannschaft nun abgelaufen ist."

Sein Abschied wird eine Lücke in der argentinischen Abwehr hinterlassen.

Eigentlich war der Fussball gar nicht seine Leidenschaft ...
Ayala wurde am 14. April 1973 in Paraná in der Provinz Entre Ríos geboren. Auch wenn es seltsam klingt: der Ball war nie sein Lieblingsspielzeug. "Meine Freunde gingen immer Fussball spielen, mir hat das gar keinen Spaß gemacht", hat er einmal eingeräumt. Doch mit 15 Jahren hat er sich dann einen Traum erfüllt, den viele hatten: Er bildete zusammen mit seinem Vater die Innenverteidigung bei Atlético Paraná, dem Verein, in dem er groß wurde.

1990 absolvierte er ein erfolgreiches Probetraining bei Ferro Carril Oeste und debütierte zwei Jahre später unter dem großen Trainer Carlos Timoteo Griguol in der ersten Liga. Er zeigte bald seine besonderen Stärken als Libero: er war schnell, bügelte gekonnt die Fehler seiner Abwehrkollegen aus und war trotz einer Körpergröße von nur 1,77 m in der Luft kaum zu bezwingen.

1994 traf er erstmals auf Daniel Alberto Passarella, damals Trainer bei River Plate, und nichts blieb, wie es war. Zunächst wechselte er zu den Millonarios, dann wurde er zum ersten Mal in die argentinische Nationalmannschaft berufen. Am 16. November 1994 debütierte Roberto Fabián Ayala in einem Freundschaftsspiel gegen Chile im Trikot Argentiniens.

Stammspieler unter allen Trainern
Ayala wurde zu einem Schlüsselspieler der Ära Passarella. Er war einer der drei älteren Spieler, die mit der U-23-Auswahl beim Olympischen Fussball-Turnier in Atlanta 1996 die Silbermedaille holten (im Finale unterlag man Nigeria mit 2:3). Einen der bittersten Augenblicke seiner Karriere im Nationaltrikot erlebte er beim FIFA Weltpokal France '98™. Im Viertelfinale gelang es ihm nicht, vor Dennis Bergkamp an eine Flanke zu kommen, und so siegten die Niederländer mit 2:1 und Argentinien schied aus dem Turnier aus.

Der Tod seiner Mutter und seines Bruders im selben Jahr war ein noch viel größerer Verlust, aber auch davon ließ sich Ayala nicht unterkriegen. Obwohl er beim AC Mailand, der ihn für etwa 10 Millionen Dollar verpflichtet hatte, nur wenig zum Einsatz kam, berief ihn Marcelo Bielsa zu Beginn seiner Amtszeit in die Nationalelf. Er weinte vor Freude: "Die Nationalmannschaft war immer eine besondere Quelle der Motivation für mich."

Die Enttäuschung bei der Copa America Paraguay 1999 (Ausscheiden gegen Brasilien im Viertelfinale, nachdem Ayala einen Strafstoß verschoss, der in der 77. Spielminute den 2:2-Ausgleich bedeutet hätte) war jedoch nichts im Vergleich zu Korea/Japan 2002, wo er sich beim Warmlaufen vor dem ersten Spiel gegen Nigeria verletzte. Ohne eingreifen zu können, musste er mit ansehen, wie Argentinien noch in der ersten Runde ausschied. Doch Ayala gehörte zu denjenigen, die Bielsa verteidigen: "Er ist ein Vollbluttrainer. Wenn es nach mir ginge, muss er weitermachen."

Seine Meinung zählte, und der Trainer behielt sein Amt. Unter Bielsa erlebte er ein seltsames Jahr 2004. Nachdem er bei der Copa America in Peru ein starkes Turnier spielte, stellte sich erneut Brasilien in den Weg. Im letzten Spielzug der Partie gelangte Adriano noch vor ihm an den Ball und erzielte das 2:2. Im Elfmeterschießen setzte sich dann Brasilien durch. Doch nur einige Monate später gab es doch noch ein Erfolgserlebnis für Ayala. Bielsa nominierte ihn für Athen, wo er an seinem zweiten Olympischen Fussball-Turnier teilnahm. Als Spielführer der argentinischen Mannschaft holte er dort die Goldmedaille: "Es war mein größter Freudentag im Trikot der argentinischen Nationalelf."

Obwohl ihm der anschließende Rücktritt Bielsas schmerzte und er sich kurz darauf verletzte, wurde er bei seiner Rückkehr auch von José Pekerman wieder in die zentrale Abwehrrolle berufen. Er verlor zwar die Kapitänsbinde, doch niemand stellte seine Führungsrolle auf dem Platz in Frage. Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ erzielte er im Viertelfinale ein Kopfballtor gegen den Gastgeber, aber vom Elfmeterpunkt aus war er einer derjenigen, die an Torhüter Jens Lehmann scheiterten. Nach dem Ausscheiden erklärte er: "Meine Träume mit der Nationalelf enden erst dann, wenn ich aufhöre, Fussball zu spielen."

Zeit für den Abschied
Mit 34 Jahren, als Stammspieler unter Alfio Basile und bei Saragossa unter Vertrag, hat er mittlerweile seine Meinung geändert. Obwohl er keinen Titel mit der A-Nationalmannschaft holte, sind seine Verdienste unbestritten: Kein Spieler hat so viele Länderspiele für Argentinien bestritten wie er, nämlich 115 (43 unter Pasarella, 48 unter Bielsa, 14 unter Pekerman und 10 unter Alfio Basile). Niemand hat mehr WM-Qualifikationspartien bestritten (40, dazu kommen noch 10 WM-Spiele) und niemand war so oft Spielführer wie Ayala (64 Mal im Vergleich zu den 57 Spielführereinsätzen von Diego Armando Maradona).

"Wenn ich an all diese Zahlen denke, bin ich stolz, zufrieden und bewegt. Aber mein Herz sagt mir, dass ich jeden Rekord und jede persönliche Bestmarke sofort gegen einen Titel eintauschen würde. Ich weiß jedoch, dass ich später, wenn ich meine Karriere im Rückblick betrachte, sehr froh über diese Zahlen sein werde."