Während rund um die Welt die Nationalmannschaften das Rennen um einen Platz bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ fortsetzten, ging in Mexiko-City eine Weltmeisterschaft der ganz anderen Art zu Ende.

Bei der zehnten Auflage der Obdachlosen-WM gewann Chile nach neun Turniertagen den Titel bei den Männern. Bei den Frauen gewann Gastgeber Mexiko das Turnier, an dem Hunderte Spielerinnen und Spieler in insgesamt 56 Teams teilnahmen.

Tausende Zuschauer kamen zu den Spielen auf die malerische Zocalo-Plaza. Die beeindruckenden Zuschauerzahlen sind indes keineswegs überraschend. Seit der Einführung der Obdachlosen-WM im Jahr 2003 hat das Turnier schon in Göteborg, Kapstadt, Melbourne und Paris Station gemacht.

2001 hatten die beiden Begründer der Wohltätigkeitsinitiative, Mel Young und Harald Schmied, das Turnier erdacht. Die Obdachlosen-WM ist allerdings nur ein Eckpfeiler der Arbeit der Organisation, die mittlerweile mit 73 Partnern rund um die Welt zusammenarbeitet. Sie alle bündeln ihre Kräfte und nutzen die Kraft des Fussballs, Leben zu verändern.

"Die Obdachlosen-WM hat sich zu einer globalen Organisation mit 73 nationalen Partnern und mehr als 250.000 Teilnehmern an den fussballbasierten Programmen entwickelt", so Young, ein renommierter sozial engagierter Unternehmer.

"Tausende Menschen leben in Armut und sind obdachlos, und zwar in jedem Land der Welt. Das Problem wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Obdachlose werden oftmals ausgeschlossen und vergessen. Sie verschwinden aus dem Blickfeld. Doch es ist möglich, die Welt zu verändern und das Leben dieser Menschen zu verbessern, indem man kleine Schritte vorwärts macht und sich gegenseitig inspiriert. Die Obdachlosen-WM ist einer dieser kleinen Schritte auf dem Weg, Obdachlosigkeit und Armut für immer zu überwinden. Dies ist die Kraft des Sports in Aktion."

In einer Studie der Vereinten Nationen im Jahr 2005 wurde die Anzahl der Obdachlosen weltweit auf 100 Millionen Menschen geschätzt. Der Fussball kann einen Beitrag zur Lösung dieses Problems leisten, wie der Erfolg der Obdachlosen-WM zeigt.

Mit ihrem sozialen Engagement und durch Unterstützung des Sports an der Basis hat die Organisation in den zehn Jahren seit ihrer Entstehung rund 200.000 Menschen erreicht. Die ambitionierten Pläne sehen eine Steigerung dieser Zahl in den kommenden zwei Jahren auf eine Million Menschen vor.

Ununterbrochenes Engagement
Um dieses Ziel zu erreichen, wollen Young und Co. die Zahl ihrer nationalen Partner auf 100 erhöhen und Niederlassungen in fünf Kontinenten einrichten. Ferner wollen sie konkrete, nachvollziehbare Nachweise dafür erarbeiten, dass die Obdachlosen-WM bei den Teilnehmern nachhaltige Wirkungen entfaltet.

Die Untersuchungen der Organisation selbst zeigen, dass 93 Prozent der Spieler nach ihrer Teilnahme am Wettbewerb eine neue Lebensmotivation verspüren. 83 Prozent sehen eine Verbesserung ihrer sozialen Beziehungen und sieben von zehn Teilnehmern geben an, dass sich ihr Leben "maßgeblich" verändert hat.

"Die Obdachlosen-WM ist für viele Menschen eine Erfahrung, die ihr Leben verändert und zudem eine einmalige Sportveranstaltung", so Young weiter. "Wir sind neun Tage lang in Mexiko-City zusammen und erleben gemeinsam großartigen Fussball. Doch auch an den verbleibenden 356 Tagen des Jahres sind wir im Kampf gegen die Obdachlosigkeit vereint und tun etwas dagegen."

Großartiger Fussball war in der mexikanischen Hauptstadt zweifelsohne zu sehen. Die speziellen Regeln des Turniers – Spieldauer 14 Minuten, fliegende Einwechslungen und Elfmeterschießen mit "Sudden-Death" – sorgten für ein sehr unterhaltsames Fussball-Festival.

Gastgeber erreichen beide Endspiele
Chile gewann schließlich das Männerturnier 2012 mit einem dramatischen 8:5-Sieg gegen Gastgeber Mexiko, nachdem sich Brasilien mit einem 6:2-Sieg gegen Indonesien den dritten Platz gesichert hatte. Ganz gemäß dem Geiste der Veranstaltung wurde allerdings jeder Spieler mit einer Medaille ausgezeichnet.

Im Frauenturnier erreichten ebenfalls Brasilien, Chile und Mexiko die Halbfinalrunde, die durch die Niederlande komplettiert wurde. Hier allerdings konnten am Ende die Einheimischen jubeln, die einen 6:2-Sieg gegen Brasilien einfuhren. Chile sicherte sich die Bronzemedaille.

In den drei Straßenfussball-Stadien, die extra für die Obdachlosen-WM errichtet wurden, herrschte tolle Stimmung. Bei den sozialen Online-Medien wurden die Höhepunkte der Spiele und eine umfassende Berichterstattung angeboten. Insgesamt bekam das Turnier in diesem Jahr so viel Beachtung wie nie zuvor.

"Mexiko-City hat ein fantastisches Fussballfest auf die Beine gestellt. Wir haben ein spektakuläres Turnier erlebt. Fast 200.000 Menschen haben im Laufe der Woche zugesehen und es gab weltweite Live-Übertragungen über Internet-TV", so Young zum Abschluss.

"Am wichtigsten war jedoch, dass das Profil der Obdachlosen gestärkt wurde, indem diese an den Rand gedrängte Gruppe im Mittelpunkt des Interesses stand und die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Schande der Obdachlosigkeit gelenkt wurde. Fussball hat die Kraft, Leben zu verändern. Den größten Erfolg gab es in dieser Woche nicht auf dem Rasen. Es war vielmehr die Art und Weise, wie diese Spieler in ihrem Leben einen weiteren Schritt nach vorn gemacht haben und damit andere Obdachlose inspirieren, es ihnen nachzutun."