Mit derselben ernsthaften Gelassenheit, mit der er Elfmeterschützen gegenübertrat, beschloss Dida, einfach geduldig abzuwarten. Nachdem sein Vertrag beim AC Mailand im Juli 2010 ausgelaufen war, blieb der Torhüter zunächst in Italien in der Hoffnung, seine Karriere in Europa, vorzugsweise in England, fortsetzen zu können. Daraus sollte jedoch nichts werden, und so kehrte er in seine Heimat zurück. In Belo Horizonte ging das Warten dann weiter, und zwar mit der üblichen Geduld.
Er war noch nicht bereit, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen und unterzeichnete zwei Jahre später schließlich einen Vertrag bei Portuguesa. Dort stellt der mittlerweile 39-jährige Schlussmann unter Beweis, dass er keine seiner Fähigkeiten eingebüßt hat. Er hat sich in der brasilianischen Meisterschaft als absolute Führungspersönlichkeit des Teams aus São Paulo erwiesen.
Im Exklusiv-Gespräch mit FIFA.com erinnert sich Dida an große Momente seiner langen Länderspiel-Karriere, an seine Zeit bei Flamenguinho, seinem ersten Klub, den er als Jugendlicher in Lagoa da Canoa selbst mit aufgebaut hat, und verrät uns, welche Torhüter seine Vorbilder sind.
Was hat Sie dazu bewogen, nach Brasilien zurückzukehren und Ihre Karriere dort fortzusetzen?
Also einerseits gab es familiäre Beweggründe. Als mein Vertrag bei Milan auslief, bin ich noch ein Jahr in Italien geblieben und habe versucht, einen Klub in England zu finden, weil es mein Traum war, im englischen Fussball aktiv zu sein. Das ist mir nicht gelungen, weil ich kein EU-Bürger bin, was die Lage noch komplizierter gemacht hat. Daher bin ich im darauffolgenden Jahr mit meiner Familie nach Brasilien gezogen. Ich liebe mein Heimatland und hatte ohnehin vorgehabt, nach dem Ende meiner Fussballkarriere hier zu leben. Aber dann kam dieses Angebot, und ich habe den Vertrag unterschrieben. Ich hatte die Chance, mit Portuguesa in der brasilianischen Meisterschaft zu spielen. Jetzt hoffe ich, meinen Weg hier fortsetzen zu können.
Das gibt uns zumindest die Möglichkeit, über eine lange und ganz besondere Karriere zu sprechen. Sie haben viele Länderspiele bestritten, standen bei drei FIFA Fussball-Weltmeisterschaften™ im Kader und haben eine davon gewonnen. Wie würden Sie diese Erfahrung heute bewerten?
Die erste Weltmeisterschaft ist auf jeden Fall sehr prägend. Man muss bereit sein, seinen Mannschaftskameraden unter die Arme zu greifen. Ich weiß, dass ich 1998 nicht direkt beteiligt war, weil ich ja nur trainiert und auf der Ersatzbank gesessen habe, aber man kann trotzdem einen großen Beitrag leisten und dem Team helfen. So war es auch bei meiner zweiten WM-Teilnahme in Südkorea und Japan. Einen WM-Titel zu gewinnen, das ist sehr bewegend, selbst wenn man nur auf der Bank gesessen hat. Danach hat man noch mehr Lust, zur Seleção zu gehören und Brasilien zu repräsentieren.
Aber wir können uns vorstellen, dass die Erfahrung 2006 in Deutschland auch etwas ganz Besonderes war, obwohl die Seleção den Titel nicht verteidigen konnte, oder?
Das ist etwas, das man nicht beschreiben kann. Es war schon toll, einfach nur dabei zu sein. Das war ein Traum, den ich schon als kleiner Junge hatte. Natürlich hatte ich vorher schon andere Wettbewerbe und andere Weltmeisterschaften bestritten, aber da hatte ich immer auf der Bank gesessen. Also war das ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Leider haben wir es nicht geschafft, den Weltmeistertitel zu holen, aber ich finde, die Erfahrung, die man bei einer WM macht, ist einzigartig für einen Spieler. Ich danke Gott dafür, dass ich das geschafft habe.
Blicken wir noch etwas weiter zurück. Stimmt es, dass Sie als Kind ein Team namens Flamengo ins Leben gerufen haben?
Das habe ich nicht allein organisiert. Ich glaube, dass meine Brüder beteiligt waren. Und noch andere Leute aus meiner Stadt. Das Team hieß Flamenguinho und war vor langer Zeit praktisch mein erster Klub. Vielleicht haben wir diesen Namen gewählt, weil wir alle Fans von Flamengo waren. Wir waren total begeistert von Flamengo. Ich erinnere mich noch daran, dass ich von Tür zu Tür ging, um die Spieler für eine Mannschaft zusammenzubekommen, mit der wir Turniere bestreiten konnten. Einige haben wir gewonnen, andere verloren. Ich glaube, letztendlich war das der Beginn meiner Fussballkarriere. Davor habe ich nämlich nur auf dem Hinterhof gespielt und ein paar kürzere Futsal-Spiele bestritten.
Welche Torhüter haben Sie am stärksten inspiriert?
Einer meiner Helden war [Rinat] Dasaev. Ich habe ihn bei einer WM gesehen, und er war ein super Torwart. Er hat unglaubliche Paraden abgeliefert. Und dann war da noch Taffarel, mit dem ich eine ganze Zeit lang in der Seleção und bei vielen Wettbewerben zusammenarbeiten konnte. Er war ein guter Freund von mir. Ich glaube, diese Freundschaft hat viel zu meiner sportlichen Entwicklung und beigetragen.
Eine Ihrer herausragenden Eigenschaften war immer die Fähigkeit, Elfmeter zu halten. Können Sie uns sagen, welches Geheimnis sich hinter einem guten "Elfmeterkiller" verbirgt?
Das ist alles eine Frage der Vorbereitung. Man muss jeden Tag an sich arbeiten, glücklich und immer voll konzentriert sein. Ich glaube, all diese Aspekte tragen dazu bei. Ich freue mich sehr, wenn ich meinem Team bei solchen Gelegenheiten helfen kann, denn für die Spieler ist das keine einfache Situation, vor allem beim Elfmeterschießen, wenn abwechselnd geschossen wird. Ich finde, auf dem Torhüter lastet in diesem Augenblick nicht so viel Druck wie auf den Spielern, aber er hat die Pflicht, etwas zu tun. Gott sei Dank habe ich es im Laufe meiner Karriere geschafft, viel Engagement zu zeigen. Ich zeige noch heute viel Engagement und bin deshalb in der Lage, gute Arbeit zu leisten. Ich glaube, mit den Elfmetern ist es genauso. Man muss konzentriert sein, um so viele wie möglich zu halten.
