Die Kälte, die Sprache, die kulturellen Unterschiede. All dies könnten Gründe sein, die Givanildo Vieira de Souza, besser bekannt als Hulk, das Einleben an seinem neuen Wohnort in Russland erschweren. Dort steht er seit Anfang September bei Zenit Sankt Petersburg unter Vertrag.

Aber im Falle des aus Campina Grande im brasilianischen Bundesstaat Paraíba stammenden Spielers scheint es so etwas wie Anpassungsschwierigkeiten schlichtweg nicht zu geben. Auch früher hat es sie nie gegeben.

Nicht alle kennen mich und nicht alle wissen, wie ich spiele. Ich bin sehr früh aus Brasilien weggegangen. Ich habe dort nur gut 70 Minuten als Profi gespielt.
Hulk

Der Stürmer der Seleção lernte bereits sehr früh, dass es keinen einfachen Weg gibt, seine Träume zu verwirklichen. Er erkannte, dass er selbst aktiv werden und seine Chancen suchen musste. Und manchmal musste er zu diesem Zweck große Entfernungen zurücklegen.

Hulk sprach exklusiv mit FIFA.com über seine persönliche Geschichte.

Wie war das für Sie, so früh schon nach Japan zu gehen?
Als ich dort ankam, war alles ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gedacht, dass es mir mit 18 schwerfallen würde, mich einzugewöhnen, aber es war ganz leicht. Ich habe dort ein Land vorgefunden, das alles zu bieten hatte, eine hervorragende Struktur. Und bei den Vereinen, bei denen ich spielte, gab es immer Brasilianer, die mir geholfen haben.

Davor hatten Sie als Jugendlicher bereits ein Intermezzo in Portugal, oder?
Stimmt genau. Ich ging mit 15 nach Portugal. Ich machte gerade ein Probetraining bei Corinthians São Paulo und erhielt einen Anruf von meinem Berater: 'Wir fliegen nach Portugal.' Ich packte die Koffer, und los ging's. Ich habe ein Jahr dort verbracht und ziemlich viel gelernt. Ich habe mit Profis zusammengelebt und trainiert.

Ist es aufgrund der Tatsache, dass Sie nicht in Brasilien gespielt haben, schwieriger, die Fans der Seleção für sich einzunehmen?
Na ja... Ein bisschen schon, denn selbst jetzt, nach vielen Spielen für die Auswahl meines Landes, steht hinter meinem Namen noch ein Fragezeichen. Nicht alle kennen mich und nicht alle wissen, wie ich spiele. Ich bin sehr früh aus Brasilien weggegangen: Ich habe dort nur gut 70 Minuten als Profi gespielt. Daher ist es ganz normal, dass Fragen aufkommen, wenn es um mich geht.

Wie viele Minuten als Profi?
[Lacht] Ja, so ist es. Es waren gerade mal etwas mehr als 70 Minuten. Mein Debüt habe ich gegen Fluminense gefeiert, im Barradão. Dort wurde ich in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Und dann habe ich im Beira-Rio noch ein Spiel gegen Internacional bestritten. Wir haben 1:2 verloren, aber ich habe meine Sache ganz gut gemacht.

Haben Sie damals taktisch schon etwa so gespielt wie heute?
Das hat sich etwas geändert, aufgrund des taktischen Systems, das bei brasilianischen Teams in der Regel bevorzugt wird. Dort spielt man eher mit einem 4-4-2, während in Europa normalerweise eher mit einem 4-3-3-System gespielt wird. Daher komme ich hier mehr auf einer Außenposition zum Einsatz.

Aber selbst in Brasilien waren Sie nie der typische Mittelstürmer, oder?
Nein, ich war nie durch und durch Mittelstürmer. Immer eher ein zweiter Stürmer, der über die Flanken kommt, viel in Bewegung ist, sich den Ball holt. Aber in Europa bin ich noch mehr auf der Außenbahn zum Einsatz gekommen. Ich habe aber inzwischen auch schon häufig als zentraler Stürmer in der Mitte gespielt.

Und Sie wurden immer eher auf der rechten Seite eingesetzt, obwohl sie Linksfuß sind?
Ja, immer. Das war eine ganz natürliche Entwicklung. Ich habe immer gern auf dieser Seite gespielt und hatte glücklicherweise immer Trainer, die mich darin unterstützt haben. Jesualdo Ferreira war zum Beispiel jemand, der mir unglaublich geholfen hat, als ich nach Europa kam. Er hat immer lange Gespräche mit mir geführt und dafür gesorgt, dass ich mich auf dem Spielfeld und abseits davon wohl fühlte.

Was war für Sie der eklatanteste Unterschied, als Sie aus Asien nach Europa gewechselt sind?
In Europa wird viel Wert auf die Einhaltung taktischer Systeme gelegt. Die Spieler halten sich mehr an ihre Funktionen auf dem Spielfeld. Deshalb hatte ich zu Anfang einige Schwierigkeiten, weil ich auch oft mit zurückgehen und Deckungsaufgaben übernehmen musste. Heute fällt mir das schon leichter.

Viele Leute lassen sich von Ihrer Statur täuschen und halten Sie lediglich für einen physisch starken Spieler, obwohl Sie zudem auch noch schnell und technisch versiert sind...
Das stimmt. Wer mich nicht kennt, gewinnt aufgrund meiner Statur manchmal tatsächlich den falschen Eindruck: 'Ah, der Typ ist wohl eher einer, der auf Kollisionen aus ist', dabei ist das gar nicht meine Art, sondern ich zeige gern mein Können am Ball, löse Zweikämpfe spielerisch. Nur die harten Schüsse waren schon von klein auf meine Spezialität [lacht].

Und wie sind Sie zu Ihrem Spitznamen gekommen?
Der geht schon auf meine Kindheit zurück. Schon mit drei Jahren mochte ich diesen Charakter sehr, Hulk. Und ich sagte zu meinem Vater, dass ich stark sei, dass ich Kraft habe. Mein Vater antwortete darauf: 'Okay, dann bist Du der Hulk.' Und so werde ich noch heute genannt. Das Ganze wurde natürlich dadurch begünstigt, dass ich mich zu einem kräftigen Kerl entwickelt habe [lacht].

Auch wenn die Fangemeinde Ihnen zunächst misstrauisch gegenüberstand, ist es Ihnen nicht schwergefallen, das Vertrauen von Mano Menezes zu gewinnen, nicht wahr?
Ich glaube, der größte Beweis dafür war, dass er mich in den Olympia-Kader aufgenommen hat - noch dazu als einen der drei Spieler über 23 Jahren. Das hat mich sehr gefreut. Leider haben wir es nicht geschafft, die Goldmedaille zu holen, aber ich habe versucht, das Beste aus dieser Chance zu machen.

Waren Sie überrascht, als Sie erfuhren, dass Sie auf der Kaderliste standen?
Anfang des Jahres hätte ich noch nicht einmal zu träumen gewagt, dass ich diese Chance bekommen würde. Aber nach den Freundschaftsspielen Mitte des Jahres [gegen Dänemark, die USA, Mexiko und Argentinien] habe ich mir schon gedacht, dass mein Name auf der Liste stehen könnte.

Sie haben nach Ihrem Wechsel zu Zenit Sankt Petersburg viel über den Plan des Klubs gesprochen, ein ganz großes Team zusammenzustellen. Welche Aspekte dieses Projekts haben Sie am stärksten beeindruckt?
Während der gesamten Transferperiode gab es diverse Spekulationen um meine Person, mehrere große Vereine waren interessiert, aber die Angebote gefielen weder dem FC Porto noch mir selbst. Und ich hatte mich vor der Unterzeichnung des Vertrages bei Zenit schon mit [Luciano] Spalletti unterhalten. Er äußerte sich sehr positiv über den Klub, die hervorragenden Strukturen dort und den Plan, eine ganz große Mannschaft zusammenzustellen. Also bin ich hergekommen und habe tatsächlich eine hervorragende Struktur und ein ehrgeiziges Projekt vorgefunden. Ich bin sicher, dass Zenit in Zukunft zu den ganz großen Teams Europas gehören wird.

Wie lautet das Hauptziel des Klubs für die aktuelle Spielzeit?
Natürlich ist es wichtig, dass wir russischer Meister werden, aber das große Ziel ist meiner Meinung nach ein gutes Abschneiden in der Champions League. Wir haben zwar in den ersten beiden Spielen Niederlagen kassiert, aber noch ist nichts verloren. Wir verfügen durchaus über das Können und die Qualität, um weiterzukommen.

Sie haben direkt nach Ihrer Ankunft beim FC Porto an der UEFA Champions League teilgenommen. Ist dieser Wettbewerb etwas Besonderes für die Teams des Kontinents?
Ich bin dorthin gewechselt und war sofort bei der Champions League dabei. Das ist immer das wichtigste Turnier, weil man weiß, dass dort die besten Mannschaften und die besten Spieler aufeinandertreffen. Es ist sehr schön, dabei zu sein. Das gilt insbesondere für Teams aus Portugal oder Russland, deren Landesmeisterschaften weltweit nicht so viel Beachtung finden wie beispielsweise die englische oder italienische Meisterschaft. Ich werde mich sicher nicht verstecken: Ich werde Tore machen und mich gut präsentieren. Mano [Menezes] sagt immer wieder, dass er uns immer beobachtet, egal in welchem Wettbewerb oder Team wir aktiv sind.

Sie haben erklärt, wie leicht es Ihnen gefallen ist, sich in Japan einzugewöhnen. Wie war das jetzt in Russland? Mit welchen Schwierigkeiten waren Sie konfrontiert?
Ehrlich gesagt hatte ich überhaupt keine Schwierigkeiten. Die Stadt gehört zu den schönsten, die ich in meinem ganzen Leben kennengelernt habe. Ich hatte noch keine Zeit, mir alles anzuschauen, aber allein schon der Weg bis zum Trainingszentrum ist unglaublich. Obwohl ich wie gesagt erst wenig gesehen habe. Und der Klub verfügt über hervorragende Strukturen. Daher habe ich tatsächlich überhaupt keine Probleme.

Trägt die Tatsache, dass Sie schon so früh von zu Hause und auch aus Brasilien fortgegangen sind, dazu bei, dass es Ihnen leicht fällt, auch mit drastischen Veränderungen zurechtzukommen?
Ja, auf jeden Fall. Ich kann mich einfach schnell an alle Neuerungen anpassen, weil ich sehr früh von zu Hause fortgegangen bin. Für jemanden, der bereits mit 18 nach Japan gegangen ist und sich dort angepasst hat, ist das alles ein Kinderspiel [lacht].