Kein Fussballer kann ohne außerordentliche Hingabe und Anstrengungen an einem großen Turnier teilnehmen. Aber nur wenige Sportler dürften so couragiert und engagiert sein wie die 160 Spieler, die nun an den Paralympischen Spielen 2012 teilnehmen.

Sie haben allesamt entweder körperliche Behinderungen überwunden oder sich nach schwerwiegenden Verletzungen zurückgekämpft und personifizieren nun, vom 31. August bis 9. September, das paralympische Motto "Geist in Bewegung". Zwar geht man von vollen Rängen aus, doch viele die sich auf dem Weg zu Londons Riverbank Arena machen, werden nicht genau wissen, was sie dort erwartet. FIFA.com befasst sich deswegen etwas näher mit den zwei Arten von Fussball, die geboten werden, den geltenden Regeln und den Favoriten auf Gold.

Fussball mit Fünfer-Teams
Bei dieser Version des Spiels treten Sehbehinderte gegeneinander an. Dabei müssen alle Feldspieler eine abdunkelnde Maske tragen, um gleiche Bedingungen auf dem Platz zu gewährleisten. Dies gilt nicht für den Torhüter, der jedoch seinen Bereich nicht verlassen darf, während es sehenden "Führern" erlaubt ist, den Spielern auf jedem Drittel des Feldes Anweisungen zu geben. Es wird ein ganz spezieller Spielball verwendet, der über Kugellager verfügt, damit die Spieler ihn hören können. Das Spiel wird auf einem kleinen Hartplatz ausgetragen, der mit niedrigen Seitenwänden begrenzt ist. Diese sorgen nicht nur dafür, dass der Ball beständig im Spiel bleibt, sondern reflektieren auch die Schritte und die Geräusche des Balls. Da Geräusche und gerufene Hinweise von elementarer Bedeutung sind, müssen sich die Zuschauer während des Spiels ruhig verhalten.

Blindenfussball ist durchaus spektakulär und zu seinen Anhängern zählt auch David Beckham. Der ehemalige Spielführer der englischen Auswahl verbrachte im vergangenen November einen Tag im Trainingslager der fünfköpfigen Paralympics-Auswahl. Er beschrieb dies später als "eine der fantastischsten und ungewöhnlichsten Erfahrungen in meinem Leben." Er fügte noch hinzu: "Mein ganzes Leben spiele ich schon Fussball, aber das war eine ganz neue, ungewöhnliche Erfahrung. Ich befand mich plötzlich nicht mehr in meiner gewohnten Umgebung und war sprachlos über die unglaubliche spielerische Technik und Konzentration, die erforderlich ist."

Die britischen Spieler, mit denen Beckham trainierte, hoffen auf einen Platz auf dem Podium. Das Maß aller Dinge dürften jedoch die Brasilianer sein. Diese Art des Fussballs wurde bislang erst bei zwei Paralympischen Spielen gespielt, und beide Male haben die Südamerikaner Gold geholt.

Auch bei der Weltmeisterschaft der IBSA (International Blind Sports Association) 2010 holten sie den Titel. Damals zog Spanien im Finale den Kürzeren, während Gastgeber China VR im Endspiel 2008 das unterlegene Team war. Dennoch hat Jefinho, einer der Stars der brasilianischen Auswahl, keinen Zweifel daran, wer in London 2012 wohl der härteste Gegner sein dürfte. "Natürlich Argentinien", sagte er, "sie haben ein tolles Team, großartige Spieler und es herrscht immer eine besondere Rivalität. Gegen uns spielen sie immer auf Sieg."

Fussball mit Siebener-Teams
Dies ist die ältere der beiden Versionen des Behindertenfussballs. Sie ist bereits seit 1984 im Programm der Paralympischen Spiele. Dabei nehmen Spieler mit zerebralen Lähmungen teil. Das Spiel folgt im Grundsatz den FIFA-Regeln, mit einigen wichtigen Änderungen. Zunächst ist das Spielfeld kleiner, ebenso wie die Tore, die nur zwei mal fünf Meter messen. Es gibt auch kein Abseits, außerdem werden Einwürfe mit nur einer Hand vorgenommen und eine Halbzeit dauert 30 Minuten.

Acht Nationen – Argentinien, Brasilien, Großbritannien, Iran, Niederlande, Russland, Ukraine und die USA – werden um die Medaillen kämpfen. Dabei gehen die osteuropäischen Teams als Favoriten in das Turnier. Vor vier Jahren in Peking holte die Ukraine Gold, während die Russen, die damals Silber gewannen, bei der Weltmeisterschaft der CPISRA (Cerebral Palsy International Sports and Recreation Association) ganz oben standen.

Der größte Herausforderer der Staaten der ehemaligen Sowjetunion könnte Iran sein, der in Peking Bronze holte und sich auf dem Weg ins Finale der letzten Weltmeisterschaft gegen die Ukraine durchsetzte. "Wir sind auf einem gutem Weg", sagte Chefcoach Amin Allahmani und bezog sich dabei auf den für die Moral der Mannschaft so wichtigen Sieg beim Internationalen CPISRA-Turnier in der Ukraine, bei dem man sowohl die Gastgeber wie auch das russische Team schlug.

Unterstützung durch die FIFA
Seit vielen Jahren schon fördert die FIFA verschiedene Arten des Behindertenfussballs. Dabei unterstützte sie ganz konkret die IBSA-Weltmeisterschaften 2004, 2006 und 2010 und beteiligte sich auch mit einer Finanzhilfe am Nachhaltigkeitsprogramm des Turniers 2010. Die Spielvariante mit Siebener-Teams dagegen profitiert von der Football-for-Hope-Kampagne des Weltfussballverbandes. Dabei werden zehn individuelle Programme für Aktive mit neurologischen Störungen gefördert.

Der Amputierten-Fussball ist zwar nicht Teil der Paralympischen Spiele wird jedoch ebenfalls über Football for Hope unterstützt. Mehr Informationen über die Arbeit der FIFA in diesen Bereichen finden Sie über die Links am rechten Rand.