Die beliebteste Sportart in Südafrika ist heute der Fussball, der nach den Worten von Nelson Mandela "unbeschreibliche Freude in dieses Land gebracht hat."
Doch das war nicht immer so. Schließlich war Südafrika aufgrund der Apartheid zwei Jahrzehnte von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen. Und als das Land 1992 wieder in die FIFA aufgenommen wurde, lag der Fussball in der Beliebtheit weit hinter Cricket und Rugby zurück.
Das "schönste aller Spiele" wurde allerdings ab 1996 immer beliebter, als Südafrika den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal ausrichtete und den Titel holte. Dieser Erfolg führte indes dazu, dass die Südafrikaner nun die erstmalige Qualifikation für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ herbeisehnten.
Kaum vier Monate später startete die Bafana Bafana mit 4:0 in der Addition gegen Malawi in die WM-Qualifikation, in der sie dann in der Gruppe 3 mit Kongo, Zaire und Sambia landeten.
Es entwickelte sich ein extrem spannendes Rennen um den einzigen Qualifikationsplatz der Gruppe, das erst am letzten Spieltag entschieden wurde. Heute vor genau 15 Jahren empfing Südafrika das Team von Kongo zur entscheidenden Partie um die Teilnahme an der WM-Endrunde in Frankreich.
Die Gastgeber lagen aufgrund der besseren Tordifferenz knapp vor den Gästen und benötigten somit nur ein Unentschieden. Doch die Roten Teufel hatten den psychologischen Vorteil eines 2:0-Sieges im Hinspiel auf ihrer Seite.
Mehr als 80.000 Zuschauer drängten sich im FNB Stadium von Johannesburg - von den Einheimischen liebevoll Soccer City genannt - und brachen in der 14. Spielminute in Riesenjubel aus.
John Moshoeu erkämpfte sich den Ball im Mittelfeld und spielte einen Steilpass zu Phil Masinga. Aus vollem Lauf jagte der ehemalige Stürmer von Leeds United den Ball aus 23 Metern mit einem gewaltigen Schuss in die Maschen und brachte Südafrika damit in Führung. Trainer Clive Barker sprang vor Begeisterung von der Bank auf und rannte mit weit ausgebreiteten Armen die Seitenlinie hinauf und hinunter!
Auch danach hatten die Südafrikaner noch weitere gute Chancen. Über Doctor Khumalo stießen sie immer wieder gefährlich nach vorn vor und Moshoeu hätte fast ein Traumtor erzielt, doch Kongo hatte mehr Ballbesitz. Immer wieder jedoch blieben die Angreifer in der südafrikanischen Abwehr mit Lucas Radebe, Neil Tovey und Mark Fish hängen, die an diesem Tag in Topform aufspielten. Die wenigen Chancen konnte der ebenfalls glänzend aufgelegte Torhüter Andre Arendse vereiteln.
Nach 90 Minuten, die den Südafrikanern wie eine Ewigkeit vorkamen, pfiff Schiedsrichter Charles Masembe die Partie ab und Südafrika hatte die Qualifikation für die 16. FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ in der Tasche. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend.
"Da spielten sich unvergessliche Szenen ab", meinte Fish später. "Man hätte meinen können, dass wir gerade Weltmeister geworden wären - ein fantastischer Tag für den südafrikanischen Fusball!"
Damit begann eine intensive Beziehung zwischen Südafrika und der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ - eine Beziehung, die 13 Jahre später die ganze Welt begeistern sollte.
Denn nachdem Südafrika bei den WM-Turnieren 1998 in Frankreich und 2002 in Korea/Japan dabei gewesen war, wurde dem Land die Ausrichtung der WM-Endrunde 2010 übertragen - und was für eine außergewöhnliche Show die überaus fussballbegeisterten Südafrikanern dann veranstalteten, wird so schnell nicht vergessen werden.
