Es war ein intensives Jahr mit widersprüchlichen Emotionen für Javi Martinez. Der Spieler von Athletic Bilbao stand mit seinem Team im Finale des spanischen Pokals sowie der UEFA Europa League 2012, durfte jedoch keine der zwei Trophäen in die Höhe stemmen. Anschließend streifte er sich das Trikot der spanischen Nationalmannschaft über, um den Europameistertitel zu verteidigen, und in Polen und der Ukraine durfte er endlich jubeln, auch wenn er insgesamt nur etwa 25 Minuten im Einsatz war.

Der frisch gebackene Europameister und Weltmeister 2010 machte indes keine Pause, sondern führte die spanische Olympia-Auswahl als Kapitän nach London 2012. Nach zwölf Jahren Abwesenheit bei Olympischen Spielen kehrte die Roja als Favorit in den Kampf um die Medaillen zurück. Doch dieser Traum fand ein unerwartet frühes Ende. Zwei 0:1-Niederlagen gegen Japan und Honduras bedeuteten für Spanien das Aus, noch bevor die Gruppenphase beendet war. Nicht einmal die letzte Partie gegen Marokko konnte die Enttäuschung ein wenig lindern. Am Ende verabschiedete sich das Team mit nur einem Zähler und ohne Tor sang- und klanglos aus dem Wettbewerb.

FIFA.com traf sich zu einem Gespräch mit Javi Martinez, um über das Scheitern der Spanier beim Olympischen Fussballturnier der Männer London 2012 zu sprechen.

Javi, welche Analyse, welche Überlegungen wurden bezüglich der beiden ersten Niederlagen angestellt, die Spaniens Aus beim Olympischen Turnier besiegelten?
Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir eine großartige Gelegenheit verpasst haben, denn wir waren eine großartige Mannschaft mit einem großartigen Trainer. Aber der Fussball ist manchmal so. Wir waren nicht in Bestform. Auch wenn ich schon der Meinung bin, dass die Mannschaft gut gespielt hat und viel mehr verdient hätte. Doch das Glück war nicht auf unserer Seite. Gegen Honduras etwa kamen wir auf 24 Torschüsse, drei Pfostentreffer, zehn glasklare Chancen – und haben nicht getroffen. Und sie griffen nur zwei Mal an und machen uns einen rein. Dagegen kannst du nicht viel machen. Gegen Marokko ging es zwar um nichts mehr, doch als Profis wollten wir ein besseres Bild abgeben und uns mit drei Punkten verabschieden, doch es sollte ebenfalls nicht sein. Auf jeden Fall denke ich, dass wir stolz darauf sein können, wie wir gespielt haben, vor allem in der Partie gegen Honduras. Doch manchmal will das Bällchen einfach nicht rein, da kann man nichts machen. Was wir bedauern ist, dass die viele Arbeit umsonst war.

Haben neben dem Pech eventuell auch andere Aspekte, taktischer oder physischer Art, eine Rolle gespielt?
Nein, so ist der Fussball. Es gibt Spiele, die dir gelingen, und andere, die daneben gehen. Ich denke, wir haben nicht so schlecht gespielt, dass wir dieses Ergebnis verdient hätten. Die Mannschaft hat getan, was zu tun war, aber der Ball ging nicht rein. Und das war es dann.

Die vielleicht beste Erinnerung nehmen Sie daher wohl aus der Erfahrung mit, die Atmosphäre im Olympischen Dort erlebt und an der Eröffnungsfeier der Spiele teilgenommen zu haben...
Bei den Spielen dabei zu sein, ist eine ganz besondere Erfahrung. Es ist sehr schwer, sich zu qualifizieren, und am Ende berufen zu werden, ebenfalls. Es gab auf diesem Weg viele gute und schlechte Momente. Spanien war seit zwölf Jahren nicht mehr hier dabei. Das ist etwas, auf das wir stolz sein können. Die Eröffnungszeremonie und den Einmarsch zu erleben, das olympische Dorf zu besuchen – das sind unauslöschliche Erinnerungen. Wir hatten das Glück, mehrere spanische und französische NBA-Spieler zu treffen, wir haben Fotos mit ihnen gemacht. Leider konnte ich LeBron James, Kobe Bryant oder Usain Bolt nicht sehen, die ich sehr bewundere.

Es war für Sie ein besonders intensiver Sommer, denn schon kurze Zeit nach Beendigung der UEFA EURO 2012 ging es zu den Olympischen Spielen.
Ich werde sicher einige Tage Urlaub brauchen, um geistig und körperlich abschalten zu können. Es war eine lange Saison im Verein, und dann noch zwei Turniere. Ich muss mich ausruhen, bevor es wieder zurück an die Arbeit bei meinem Klub geht.

In der vergangenen Saison bei Athletic Bilbao, der ersten unter Marcelo Bielsa, erreichte die Mannschaft das Finale der Copa del Rey und der Europa League, doch sie konnten keinen der Titel gewinnen. Wie lautet das Ziel für dieses Jahr?
Zweifellos müssen wir versuchen, uns im Vergleich zum letzten Jahr zu verbessern. Der Klub, die Spieler und die Fans sind zufrieden mit der Leistung, aber auch wenn die positiven Eindrücke überwiegen, ist da noch der Schmerz, diese beiden Endspiele verloren zu haben. Wir müssen weiterarbeiten, um bessere Spieler zu werden und unseren Fussball zu perfektionieren.

Trotz des Nackenschlags beim Olympischen Turnier: Denken Sie, dass in den spanischen Jugend-Nationalmannschaften ein vertrauenswürdiger Ersatz heranreift, um die Erfolge der A-Nationalelf fortzuführen?
Zweifellos. Wir haben einige hervorragende Jahre hinter uns. Wir sind U-21- und U-19-Europameister. Wir haben eine gute Jugendarbeit und es herrscht vollkommenes Vertrauen. Man gewöhnt sich leicht an das Gute, und oft wird während einer Serie mit guten Ergebnissen oder einem guten Lauf nicht genug gewürdigt, wir schwer es ist, zu gewinnen. Rückschläge wie diese lassen dich innehalten und führen dir wieder vor Augen, wie viel es kostet. Es scheint, als ob die letzte Europameisterschaft mit Leichtigkeit gewonnen wurde, doch das war nicht so. Bittere Erfahrungen wie die bei Olympia machen dir bewusst, dass der Grat zwischen Erfolg und Scheitern sehr schmal ist.