Sambia hat mit dem Einzug ins Halbfinale des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals 2012 sein Turnierziel bereits erreicht. Doch Trainer Hervé Renard gibt seinem Team, das seiner Meinung nach unterschätzt wird, bereits eine neue Marschrichtung vor.

Die Mannschaft aus dem Süden Afrikas steht nach dem beeindruckenden 3:0-Erfolg über Sudan am vergangenen Samstag in Bata bereits in der Runde der letzten Vier und konnte sich somit wieder in der kontinentalen Elite etablieren. Sambia konnte in Gruppe A bereits Senegal und Mitausrichter Äquatorial-Guinea bezwingen, den bis dato einzigen Ausrutscher in diesem Turnier stellte das 2:2-Unentschieden gegen Libyen dar. Angesichts der Erfahrung seiner immer noch unterschätzten Mannschaft ist der erste Halbfinaleinzug seit 1996 für Renard keine große Überraschung.

"Ich schaue jeden Tag im Web nach, was über uns geschrieben wird. Ich lese jedoch nur über [den ehemaligen französischen Nationalspieler und aktuellen Trainer von Mali] Alain Giresse", scherzte er, nachdem sich seine Mannschaft dank der Treffer von Stopilla Sunzu, Kapitän Chris Katongo und James Chamanga gegen Sudan durchsetzen konnte. "Vielleicht wissen die Journalisten nicht, dass unsere Mannschaft auch noch im Turnier ist. Sambia wurde vor dem Turnier nicht zu den Favoriten gezählt. Niemand nimmt von uns Notiz."

Doch der 43-jährige ehemalige Abwehrspieler traut seinem Team durchaus den Einzug ins Endspiel zu, das am 12. Februar in Libreville stattfindet, auch wenn in dieser Woche mit Ghana einer der großen Favoriten auf den Turniersieg wartet. "Man darf nicht vergessen, dass wir seit 2004 bei jeder Endrunde mit dabei waren. Viele unserer Spieler bestreiten bereits ihren vierten Afrikanischen Nationen-Pokal in Folge und verfügen somit über sehr viel Erfahrung", sagte er mit Hinblick auf seine erste Amtszeit als sambischer Nationaltrainer bei der letzten kontinentalen Endrunde. "Beim Nationen-Pokal 2010 sind wir unglücklich im Viertelfinale ausgeschieden, weshalb das Erreichen des Halbfinales diesmal umso schöner ist."

Sambia hat von allen Mannschaften, die dieses Turnier noch nicht gewinnen konnten, eine der besten Statistiken zu Buche stehen: Man konnte sich für elf der letzten zwölf Turniere qualifizieren, erreichte zwei Mal das Endspiel (1974 und 1994) und landete drei Mal auf dem dritten Platz. Angesichts einer solchen Bilanz zählt Sambia bereits zur afrikanischen Elite, könnte jedoch nun einen neuen historischen Erfolg verbuchen, auch wenn die Mannschaft nicht mit so vielen internationalen Stars gespickt ist wie die Teams der anderen Halbfinalisten. "Die Mannschaft spielt bereits sehr lange zusammen, doch im Gegensatz zu vielen anderen Teams haben wir keine großen Stars in unseren Reihen. Der Star ist die Mannschaft. Das ist ein enormer Vorteil, denn wir haben vor keiner Mannschaft Angst", sagte er.

Renard gab seinem 23-Mann-Kader ein neues Ziel vor, indem er sich zuversichtlich zeigte, dass seine Schützlinge auch das Endspiel erreichen können: "Vor dem Turnier war unser großes Ziel das Erreichen des Halbfinales. Für Sambia war dieses Ziel sehr hoch gesteckt, denn dies ist einer sambischen Mannschaft zuletzt im Jahr 1996 gelungen, also bereits vor 16 Jahren. Wir konnten beim letzten Turnier im Jahr 2010 sehr viel lernen und wurden nun mit dem Halbfinaleinzug dafür belohnt", sagte er über seine Mannschaft, die damals im Viertelfinale im Elfmeterschießen an Nigeria gescheitert war. "All diese Erfahrungen haben uns in Bezug auf dieses Turnier sehr geholfen."

Obwohl der sambische Sieg am vergangenen Samstag wie ein Spaziergang wirkte, betonte Renard, dass die Partie eine viel knappere Angelegenheit war, als das Ergebnis von 3:0 vermuten lässt: "Es war genau das Spiel, das wir erwartet hatten – nämlich ein sehr schwieriges. Wir kennen diese Mannschaft ziemlich gut, denn bei CECAFA-Turnieren in der ostafrikanischen Region spielen wir oft gegen sie", sagte er über Sudan.

"Ihr Spiel beruht zwar weniger auf Tempofussball, dafür sind sie technisch sehr versiert. Ihr Spiel kann einen manchmal einschläfern. Zu Beginn der zweiten Halbzeit waren wir nicht mehr zu 100 Prozent konzentriert, doch dann holte Rainford Kalaba dank seiner technischen Fertigkeiten einen Strafstoß heraus. Zum Glück konnten wir schon bald auf 2:0 erhöhen, denn mit dieser Führung im Rücken war es für uns wesentlich einfacher, zumal Sudan durch einen Platzverweis zusätzlich geschwächt wurde."

Renard beanspruchte den Platz im Rampenlicht jedoch nicht für sich alleine, sondern zollte auch seinen Mitarbeitern Tribut, indem er sie bei der Pressekonferenz nach dem Spiel den Medien vorstellte. "Ich möchte meinem ganzen Stab danken und gratulieren. Ohne meine Mitarbeiter wäre das nicht möglich gewesen. Ich könnte ohne sie nicht arbeiten - kein Trainer kann heutzutage mehr alleine arbeiten. Wir können auf unseren Erfolg sehr stolz sein und hoffen, dass wir am 12. Februar in Gabun dabei sein werden."

Um dieses Ziel zu erreichen, muss zunächst am 8. Februar in Bata Ghana geschlagen werden. Danach treffen Mali und die Elfenbeinküste im zweiten Halbfinale in Libreville aufeinander.