Die erste Runde des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals neigt sich dem Ende zu, und der Hälfte der ursprünglich 16 Mannschaften steht zu ihrer großen Enttäuschung die Heimreise bevor. Für neutrale Beobachter war es bislang eine der aufregendsten Kontinentalmeisterschaften des letzten Jahrzehnts mit einigen sensationellen Ergebnissen, großer Unterstützung für die überraschend starken gemeinsamen Gastgeber Äquatorial-Guinea und Gabun und einigen wirklich herausragenden Treffern.
In den vergangenen zehn Tagen hat aber auch eine ganze Reihe neuer Namen für Begeisterung unter den Fussballfans gesorgt, während andere, etwas bekanntere Spieler sich endgültig unter der Elite des Kontinents etabliert haben. Zu den neuen Sternen am Fussballhimmel Afrikas zählen die folgenden Akteure:
Pierre-Emerick Aubameyang (Gabun)
Der 22-jährige Stürmer ist nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt. Mittlerweile hat er sich einen Stammplatz bei AS St.-Etienne in der ersten französischen Liga gesichert und war auch schon beim letzten Nationen-Pokal in Angola dabei. Es ist erst zwei Jahre her, dass er sich für Gabun entschieden hat, nachdem er zuvor bereits für Frankreichs U-21-Auswahl gespielt hatte. Sein Vater Pierre war 1994 Spielführer Gabuns bei der ersten Teilnahme des Landes an einer Endrunde um den Afrikanischen Nationen-Pokal und gilt als einer der besten Spieler aller Zeiten seines Landes. Doch auch er wurde nicht mit derart viel Lob überhäuft wie sein Sohn in der vergangenen Woche. Aubameyangs Treffer in jedem der drei Gruppenspiele (gegen Niger, Marokko und schließlich der beeindruckende Siegtreffer gegen Tunesien) sicherten Gabun, einem der beiden Gastgeberländer, die mühelose Qualifikation für das Viertelfinale und unterstrichen seinen Ruf als neuer Star des afrikanischen Fussballs. Aubameyang begann seine Karriere beim Nachwuchs des AC Mailand. Anschließend spielte er für OSC Lille, AS Monaco und FCO Dijon, bevor er bei den Stephanois den endgültigen Durchbruch schaffte.
Younes Belhanda (Marokko)
Obwohl Marokko nicht zu überzeugen wusste und das frühe Ausscheiden aus dem Turnier als eine Art Schock für das Land kam, hat es einen Spieler in seinen Reihen gegeben, der mit seiner Schnelligkeit und seinen technischen Fertigkeiten für großes Aufsehen sorgte. Die Rede ist von Belhanda. Die Art und Weise, wie der 21-Jährige gegnerische Abwehrreihen überwand und als offensiver Mittelfeldspieler hinter den beiden Spitzen agierte, machte großen Eindruck. Marokkos Anhänger schlossen den in Frankreich geborenen jungen Spieler aber auch deswegen ins Herz, weil er bei einer Pressekonferenz nach der 2:3-Niederlage in einer tollen Partie gegen Gabun in Tränen ausbrach, weil diese das Ausscheiden bedeutete. Im letzten Gruppenspiel schließlich sorgte er mit einem späten Tor gegen Niger für den einzigen Sieg seiner Mannschaft in diesem Turnier. Trotz des Rückschlags beim Nationen-Pokal werden sich die Marokkaner über eine neue Generation starker Spieler freuen. Sie wird angeführt von Belhanda und nährt Hoffnungen auf die Qualifikation für die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2014™.
Abdoul Razzagui Camara (Guinea)
Erst wenige Wochen vor Beginn des Turniers erhielt Camara die Freigabe für Guinea, da er zuvor für französische Nachwuchsmannschaften gespielt hatte. Er debütierte als Einwechselspieler in der Auftaktpartie Guineas gegen Mali in Franceville. Mit seiner Schnelligkeit und seinen Tricks auf der linken Außenbahn sorgte er umgehend für frischen Wind und so zögerte Trainer Michel Dussuyer keinen Augenblick, den 21-Jährigen in der Anfangsformation der zweiten Partie gegen Botswana aufzubieten. In dieser Partie bereitete der Angreifer, der auf dem linken Flügel immer wieder für Gefahr sorgte, zwei Tore vor und erzielte auch selbst einen Treffer. Der in Guinea geborene Camara wanderte als Kind mit seinen Eltern nach Frankreich aus. Nun hat er seine afrikanischen Wurzeln entdeckt – und der afrikanische Kontinent sein großes Talent.
Cheick Tidiane Diabate (Mali)
Der schlaksige Spieler hat sich beim Turnier bislang als treffsicherer Angreifer des westafrikanischen Landes erwiesen und wurde damit den Vorschusslorbeeren gerecht, die er sich in Frankreich auf Vereinsebene bereits verdient hatte. Der mittlerweile 23-jährige Spieler debütierte bereits mit 17 Jahren in der A-Nationalelf seines Landes, nachdem er zuvor mit der U-17-Auswahl seines Landes an der Afrika-Meisterschaft teilgenommen hatte. Der endgültige Durchbruch bei Mali gelang ihm jedoch erst in der Qualifikation für den Afrikanischen Nationen-Pokal 2012, nachdem er beim letzten Turnier in Angola noch gefehlt hatte. Der fast zwei Meter große Spieler ist nicht nur ein äußerst effizienter Goalgetter, sondern wusste bislang auch mit seinen läuferischen Fähigkeiten und der Art und Weise, wie er sich gegnerische Abwehrspieler durchsetzt, zu überzeugen.
Youssef Msakni (Tunesien)
Wie stark Msakni am Ball ist, wird dadurch belegt, dass einige ihn nach seiner herausragenden Leistung gegen Niger in Libreville bereits Leo nennen, in Anspielung auf Lionel Messi, Gewinner des FIFA Ballon d'Or. Der 21-jährigte linke Außenstürmer krönte seine herausragende Leistung mit einem Treffer, der das Zeug hat, zum schönsten Tor des Turniers gewählt zu werden. Nach einem dynamischen Lauf fast über den gesamten Platz, bei dem er fünf Abwehrspieler wie Statisten aussehen ließ, versenkte er den Ball im gegnerischen Tor. Kein Wunder, dass Msakni nun mit mehreren Vereinen in Italien und Frankreich in Verbindung gebracht wird. Obwohl er bereits als unbekannter Teenager beim letzten Afrikanischen Nationen-Pokal dabei war, musste er noch zwei Jahre auf seinen endgültigen Durchbruch warten. Es gibt für ihn jedoch auch eine traurige Note, denn sein älterer Bruder Iheb, der demnächst mit ihm bei Esperance, dem Sieger der CAF Champions League, spielen wird, verpasste in letzter Sekunde den Sprung in den Kader Tunesiens.
Nathan Sinkala (Sambia)
Als Sambias Trainer Hervé Renard den 20-Jährigen im Mittelfeld für das Auftaktspiel des Turniers in Gruppe A gegen Senegal aufstellte, rieben sich einige verwundert die Augen. Sie wurden rasch eines Besseren belehrt, denn der junge Sinkala übernahm bald die Kontrolle über das Spiel seiner Mannschaft. Dank seiner Pässe setzte sich Sambia mit perfektem Konterspiel gegen die stärker eingeschätzten Senegalesen durch. Der defensive Mittelfeldspieler vom Armeeverein Green Buffaloes hatte erst im November gegen Indien debütiert und war seitdem noch zwei Mal für sein Land aufgelaufen, bevor er den Sprung in den Kader für den Afrikanischen Nationen-Pokal schaffte. Der Name Sinkala ist auch in Deutschland bekannt, denn sein älterer Bruder Andrew hat bereits für den FC Bayern in der Bundesliga gespielt und steht gegenwärtig beim Aufsteiger FC Augsburg unter Vertrag.
