Drei ehemalige Weltmeister, die Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts mit ihrem Talent Millionen von Fans begeisterten, haben sich in diesem Jahr von der Fussballbühne verabschiedet. Der brasilianische Stürmer Ronaldo, der französische Mittelfeldstar Patrick Vieira und der italienische Verteidiger Fabio Cannavaro, die jahrelang Millionen von Fans verzauberten, entschlossen sich in diesem Jahr, die Fussballschuhe auch aufgrund zunehmender physischer Probleme endgültig an den Nagel zu hängen.

Auch die altbekannten Gesichter Claude Makelele, Paul Scholes, Mathias Almeyda und Marcelo Gallardo, die ebenfalls viele Jahre lang das schönste aller Spiele spielten, verkündeten im zu Ende gehenden Jahr das Ende ihrer aktiven Laufbahn. FIFA.com verabschiedet sich von den Ruheständlern, von denen einige indes bereits auf der Trainerbank Platz genommen haben.

Der bekannteste Aussteiger des Jahres ist zweifelsfrei Ronaldo Luis Nazário de Lima. Zu Ronaldo, nach Pelé zweitbester Torschütze in der Geschichte der Seleção (62 Tore in 98 Länderspielen) und WM-Rekordtorschütze (15 Treffer) muss nicht mehr viel gesagt werden. Il Fenomeno, der auf Vereinsebene 367 Treffer in 531 Begegnungen erzielt hat, wovon alleine 104 Tore in 177 Begegnungen auf seine Zeit bei Real Madrid entfallen, wurde 1994 und 2002 Weltmeister, stand 1998 im WM-Finale und wurde 1996, 1997 und 2002 als FIFA Weltfussballer des Jahres ausgezeichnet.

Der Spieler, der für blitzschnelle Antritte, unglaubliche technische Fertigkeiten und einen besonders ausgeprägten Torinstinkt bekannt war, hat in seiner aktiven Laufbahn fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt und bleibt vielen Brasilianern als legitimer Nachfolger Pelés in Erinnerung.

Am 14. Februar 2011 verkündete er im Alter von 34 Jahren das Ende seiner Karriere und offenbarte bei dieser Gelegenheit, dass er seit Jahren an einer Unterfunktion der Schilddrüse leide, die Ursache für seine Gewichtsprobleme sei. "Viele werden es jetzt bedauern, über mein Gewicht gescherzt zu haben. Ich nehme es aber niemandem übel. Es fühlt sich an, als würde heute etwas sterben. Es fällt mir sehr schwer, etwas aufzugeben, dass mir so viel Freude bereitet hat", so einer der erfolgreichsten Angreifer aller Zeiten.

Die Berliner Mauer und der Fels von Arsenal
Auf den Tag genau fünf Jahre nach dem Endspielsieg der Italiener über Frankreich bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Deutschland 2006™ hat der von einer Knieverletzung gebeutelte Fabio Cannavaro nach einem letzten Intermezzo in den Vereinigten Arabischen Emiraten bei Al Ahli Dubai seine Fussballschuhe an den Nagel gehängt. Der mittlerweile 37-Jährige beendete seine Karriere 19 Jahre nach seinem Debüt beim SSC Neapel, ohne jemals den Titel in der Serie A gewonnen zu haben – und das, obwohl er insgesamt 16 Jahre lang in der italienischen Liga bei Neapel, AC Parma, Inter Mailand und Juventus Turin unter Vertrag stand. Für die meisten Italiener bleibt er indes als der charismatische Kapitän in Erinnerung, der die Squadra Azzurra zum vierten WM-Titel führte und vor Paolo Maldini und Dino Zoff die meisten Länderspieleinsätze auf sich vereint.

Von Cannavaro und seiner Mannschaft besiegt wurde 2006 auch der 35-jährige Patrick Vieira, der 1998 noch selbst den WM-Titelgewinn feiern konnte. Auch er hat Anfang des Sommers nach 651 Begegnungen für Prestigeklubs wie AC Mailand, FC Arsenal, Juventus Turin, Inter Mailand und Manchester City das Ende seiner Karriere bekannt gegeben. Der Weltmeister, der zudem die UEFA EURO 2000 gewann, war 107 Länderspiele lang die tragende Säule der französischen Auswahl. Nur noch drei Weltmeister von 1998 sind derzeit als Spieler aktiv: Thierry Henry, Robert Pires und David Trezeguet. Vieira verweist indes darauf, dass ihm seine neue Aufgabe bei Manchester City große Freude bereitet: "Da ich noch nicht genau weiß, was ich später machen werde, durchlaufe ich die verschiedenen Abteilungen des Vereins, lerne und beobachte viel."

Am 29. Mai hat sich der unerbittliche Abräumer Claude Makelele nach 880 Begegnungen für sieben verschiedene Vereine sowie 71 Länderspielen für die Equipe tricolore entschieden, im Alter von 38 Jahren vom aktiven Fussball Abschied zu nehmen. Makelele gewann den Meistertitel in drei verschiedenen Ligen: in Frankreich 1995 mit Nantes, in Spanien 2001 und 2003 mit Real Madrid und in England 2005 und 2006 mit dem FC Chelsea, bevor er seine Karriere bei Paris Saint-Germain beendete, wo er seitdem als Berater tätig ist.

Drei Teufel gehen in Rente
In England hat die große Figur von Manchester United, Paul Scholes, am 31. Mai im Alter von 36 Jahren das Ende seiner aktiven Laufbahn und den Wechsel in den Trainerstab verkündet. Das Empfehlungsschreiben für die neue Tätigkeit ist mehr als beeindruckend: 66 Länderspiele (14 Tore), zwei Meistertitel mit Manchester United, drei englische Pokalsiege, zwei UEFA Champions League-Titel und ein Weltpokal-Gewinn.

Eine weitere Stütze Manchesters, der Außenverteidiger und ehemalige englische Auswahlspieler Gary Neville, hat ebenfalls beschlossen, seine Schuhe an den Nagel zu hängen. "Ich war mein Leben lang Fan von Manchester United und habe mir alle meine Träume erfüllt. Ich habe mit und gegen die besten Spieler der Welt gespielt und zum Erfolg des Vereins beitragen können. Jetzt kann ich ein neues Kapitel aufschlagen", so der Engländer, dessen 34-jähriger Bruder Phil seine Karriere beim FC Everton fortsetzt, unmittelbar vor seinem 36. Geburtstag.

Das Trio ehemaliger Akteure von Manchester United vervollständigt der Niederländer Edwin van der Sar, der mit 130 Begegnungen niederländischer Rekordnationalspieler ist und vier Mal zum besten europäischen Torhüter gewählt wurde. Genauso wie der unvergessliche Dino Zoff beendete er im Alter von 40 Jahren seine Karriere, um mehr "Zeit mit der Familie zu verbringen". Der Schlussmann, der zwischen 2005 und 2011 das Tor der Red Devils gehütet hatte, beendete seine Laufbahn am 28. Mai 2011 anlässlich seiner 100. Champions League-Begegnung, die allerdings mit einer 1:3-Endspielniederlage gegen den FC Barcelona endete.

In Dänemark hat der Torjäger vom Dienst Jon Dahl Tomasson (52 Tore in 112 Länderspielen) einen Schlussstrich unter seine aktive Laufbahn gezogen, bliebt dem Fussball aber als Co-Trainer von Excelsior Rotterdam erhalten.

Gleiches gilt für den 37-jährigen finnischen Verteidiger Sami Hyypia, der zehn Jahre lang die Abwehr des FC Liverpool zusammenhielt und mittlerweile bei seinem letzten Verein Bayer Leverkusen ein Trainerpraktikum absolviert.

In Spanien hat der von Johan Cruyff erstmalig eingesetzte Ivan De La Pena mit 35 Jahren eine Karriere beendet, die von Höhen und Tiefen geprägt war. Der überaus talentierte aber verletzungsanfällige Mittelfeldspieler schlug seine Zelte zwar beim FC Barcelona auf, allerdings lange bevor der katalanische Klub für seinen Zauberfussball berühmt wurde.

Gallardo wechselt die Seite
Auch in Südamerika haben zahlreiche Profis das Karriereende eingeläutet. Insbesondere in Argentinien verabschiedete sich eine große Generation von den Fussballplätzen der Welt. Dazu gehören der Verteidiger Roberto Ayala, der 115 Länderspiele lang der unangefochtene König der Lüfte war, der überragende Angreifer Martin Palermo, der sich in Europa nie so richtig durchsetzen konnte, aber bei Boca Juniors zum besten Torjäger der Vereinsgeschichte avancierte (236 Tore in 404 Spielen) sowie der defensive Mittelfeldspieler Matias Almeyda (39 Länderspiele), der unmittelbar nach dem historischen Abstieg des Hauptstadtklubs auf die Trainerbank wechselte.

Das gleiche Ende nahm die Karriere des nur 1,65 Meter großen argentinischen Mittelfeldakteurs Marcelo Gallardo, der Anfang Juni seine aktive Laufbahn bei Nacional Montevideo beendete und am 30. Juni schließlich die Mannschaft als Trainer übernahm. Nur wenige Monate später sollte er mit seinem ersten Titelgewinn einen gelungenen Einstand an der Seitenauslinie feiern.

Der französische Auswahlspieler Jérémy Menez ist im Alter von 24 Jahren noch weit vom Ende seiner Karriere entfernt. Da aber auch er an seine Zukunft denkt, hat er seinem Bruder Kevin die Verwaltung seiner Finanzen anvertraut und ihn darum gebeten, in Seniorenheime zu investieren! Eine Investition, die sich auszahlen dürfte.