Rekordnationalspieler sowie dreimaliger Fussballer des Jahres seines Landes - Levan Kobiashvili dürfte in seiner Heimat zweifelsohne schon den Status eines Nationalhelden erreicht haben. Der Georgier hat aber nicht nur die Auswahl seine Landes über mehr als ein Jahrzehnt geprägt, sondern er spielt auch seit zwölf Jahren in einer der besten Ligen Europas, der Bundesliga.

Angefangen beim SC Freiburg feierte der mittlerweile 33-Jährige 2005 und 2007 mit Schalke 04 gleich zweimal die Vizemeisterschaft, ehe er sich Anfang des Jahres dem Hauptstadtklub Hertha BSC Berlin anschloss.

Zwar konnte der Mittelfeldspieler den Abstieg der Alten Dame nicht mehr verhindern, doch nun will er im Herbst seiner Karriere helfen, die Hertha wieder zurück ins deutsche Oberhaus zu führen.

FIFA.com hat exklusiv mit Kobiashvili über seine Ambitionen in der Hauptstadt, die Zukunft sowie die anstehende EM-Qualifikation mit Georgien gesprochen.

Freiburg, Schalke und nun Berlin – welche Erinnerungen bzw. Eindrücke haben Sie an die drei Klubs?
Jeder Verein hat natürlich seine Eigenheiten. Freiburg war mein erster Klub in Deutschland, da bin ich als junger Spieler hin gekommen. Es war alles sehr familiär. Wir sind aufgestiegen, und es hat sich richtig was entwickelt in Freiburg. Schalke ist ein sehr großer Klub mit einem tollen Stadion und tollen Fans. Die Stimmung dort ist schon überragend. Hertha ist natürlich zuerst einmal vom Abstieg geprägt. Das war eine schwere Saison. Doch jetzt stehen wir hier vor einem Neuanfang. Die Fans stehen hinter uns, die Bedingungen sind optimal. Wir haben einiges vor hier in Berlin.

Sie haben sich bewusst für eine Vertragsverlängerung bei der Hertha entschieden, obwohl Sie damit nur in Liga zwei spielen können. Was waren die Gründe dafür bzw. hatten Sie auch andere Angebote? Warum schafft Hertha in dieser Saison den direkten Wiederaufstieg?
Weil wir ein sehr gute Mannschaft haben. Gute Typen und viel Qualität. Dazu kommt ein sehr gutes Trainerteam um Markus Babbel. Mir macht es sehr viel Spaß, hier jeden Tag mit der Mannschaft zu trainieren. Und auch das ist ein wichtiger Teil für den Erfolg, dass man Spaß hat.

Sie sind 33 Jahre alt und haben Ihren Vertrag gerade bis Juni 2013 verlängert. Ist dann die Zeit gekommen, um aufzuhören?
Keine Ahnung. Ich will zuerst einmal gesund bleiben, dann wird man weiter sehen, ob ich noch weiter Hochleistungssport betreiben kann.

Haben Sie Pläne für die Zeit nach dem Fussball?
Noch keine konkreten. Aber ich würde schon gerne im Fussball bleiben.

Sie sind Rekordnationalspieler und auch dreimaliger Fussballer des Jahres in Georgien. Was bedeutet Ihnen dieser Titel?
Sehr viel. Es ist eine hohe Auszeichnung, drei Mal bester Spieler seines Landes zu sein. Das macht mich stolz und glücklich.

Was bedeutet es für Sie, sich das Nationaltrikot überzustreifen?
Ich spiele seit 14 Jahren in der Nationalmannschaft und bin noch immer ein wichtiger Spieler. Es ist für jeden Fussballer ein Traum, das Nationaltrikot überzustreifen. Das ist es auch für mich. Bei jedem Spiel.

Die WM-Qualifikation schloss Georgien ohne Sieg auf dem letzten Tabellenrang ab. Wie groß war die Enttäuschung, beim weltweiten Gipfeltreffen in Südafrika zuschauen zu müssen?
Einmal bei einer WM dabei zu sein, wäre für jeden von uns natürlich ein Traum. Das war schon eine schwierige Zeit jetzt im Sommer. Aber wir kämpfen weiter.

Der Blick richtet sich nun auf die Qualifikation für die UEFA EURO 2012, wo in der Gruppe F Kroatien, Griechenland, Israel, Lettland und Malta warten. Wie schätzen Sie die Gegner und Ihre eigenen Chancen ein?
Kroatien und Griechenland sind sehr gute Mannschaften. Aber ich glaube, dass die Gruppe recht ausgeglichen ist und jeder jeden schlagen kann.

Zuerst geht es gegen Griechenland und Israel - wie wichtig wäre ein positiver Auftakt?
Gerade weil die Gruppe so ausgeglichen ist, sind diese beiden Spiele enorm wichtig. Das letzte Jahr haben wir nicht so gut gespielt, jetzt können wir zeigen, dass es aufwärts geht.

Georgien hat sich als eigenständiger Staat noch nie für eine WM oder EM qualifiziert. Woran liegt es, und wann wird es soweit sein?
Das müssen wir selbstkritisch hinterfragen. Wir haben die Qualität in der Mannschaft, um jetzt eine bessere Qualifikation zu spielen. Das wünschen wir uns alle.

Seit November 2009 hält den Trainerposten der Georgier Temur Kezbaia inne. Was ist Ihr Eindruck von ihm?
Ich habe ja noch mit ihm gespielt. Als Spieler war er ehrgeizig und wollte immer Erfolg. Das ist jetzt als Trainer genauso. Ich bin glücklich, dass er da ist.

Welche Bedeutung hat Fussball in Ihrem Heimatland?
Eine sehr hohe, Fussball ist die Sportart Nummer eins. Wenn wir spielen, sind die Stadien immer voll – trotz der zuletzt schwierigen Zeit und der negativen Schlagzeilen. Alle lieben Fussball, wir wollen den Fans das Vertrauen zurückgeben.