DFB-Sportdirektor Matthias Sammer hat Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack in der Diskussion um dessen Zukunft im Nationalteam in Schutz genommen. "Diejenigen, die nun öffentlich diskutieren, ob Michael Ballack überhaupt noch zum Nationalteam gehören soll, sollten ihre Meinung hinterfragen", sagte Sammer im "sid"-Interview: "Sie sprechen über einen Menschen, der bei der WM wegen einer Verletzung seine Klasse nicht beweisen konnte."
Sammer stellt sich auch hinter den neuen U-21-Trainer Rainer Adrion, dem mit dem Titelverteidiger das Verpassen der EM-Endrunde droht. "Er hatte es nicht leicht", sagte der Sportdirektor und ergänzte mit Blick auf den inzwischen beendeten Kompetenzstreit im DFB: "Zumal er in einer Zeit begann, als die Konstellation bei uns nicht einfach war."
Selbst beim Verpassen der EM müsste sich Adrion wohl keine Sorgen um seinen Job machen: "Rainer Adrion ist ein Trainer, der überall nachgewiesen hat, dass er in der Lage ist, junge Spieler zu entwickeln", sagte Sammer: "Und wir werden ihm die Zeit geben, das auch bei uns nachzuweisen."
Sammer wäre nur Interimslösung für Löw gewesen
Sammer hätte im Fall einer gescheiterten Vertragsverlängerung mit Joachim Löw wohl als Bundestrainer zur Verfügung gestanden, allerdings nur als Interimslösung. "Der Sportdirektor soll eine Konstante im DFB sein. Er ist auch jemand, der für den Fall der Fälle übergangsweise zur Verfügung stehen könnte, damit der Druck geringer wird und keine Situation mehr eintritt wie nach Rudi Völlers Rücktritt 2004", sagte Sammer. Vor sechs Jahren hatte im Deutschen Fussball-Bund (DFB) die sogenannte "Trainer-Findungs-Kommission" wochenlang nach einem Nachfolger gesucht, Jürgen Klinsmann übernahm schließlich.
Dass Sammer dauerhaft den Posten des Bundestrainers übernimmt, war offenbar nie ein Thema. "Es gab immer eine klare Aussage des Präsidenten, dass es sein oberstes Ziel ist, mit Löw zu verlängern. Und es gab eine klare Aussage von mir, dass ich gerne Sportdirektor bin und gerne bleiben würde", sagte Sammer: "Über diesen Punkt sind wir nie hinausgegangen."
Zufrieden zeigte sich der Sportdirektor mit der neuen Kompetenzverteilung, die ihm auch die Verantwortung für die U-21 zusichert. "Nun sind auch im U-Bereich klare Verantwortungsverhältnisse geschaffen worden", sagte der Europameister von 1996: "Dass Joachim Löw die wichtigste Trainer-Institution im Hause DFB ist, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber es ist wichtig, dass man nach innen und außen signalisiert, dass es im Verband eine weitere Konstante geben muss: einen strategischen Vordenker, der dann auch das gemeinsam mit dem Bundestrainer ausgearbeitete Konzept in der Nachwuchsförderung umsetzt. Das war für mich eine wichtige Voraussetzung."
Zudem wünscht sich Sammer einen Verbleib des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, der noch nicht über eine Kandidatur für eine weitere Amtszeit entschieden hat. "Es steht für mich außerhalb der Diskussion, dass Dr. Zwanziger für uns der richtige Präsident ist", sagte Sammer: "Aber wenn er von Amtsmüdigkeit spricht, ist das ein Gefühl, dass er vor allem mit sich selbst ausmachen muss."
