In einigen Jahren werden Asien und Ozeanien die FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ rückblickend als Wendepunkt betrachten. Zum ersten Mal ist es zwei asiatischen Mannschaften gelungen, außerhalb ihres Kontinents die Gruppenphase zu überstehen. Australien schaffte nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses nicht den Sprung in die K.o.-Runde. Neuseeland, das zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder bei einer WM dabei war, schaffte das schier Unmögliche und blieb als einzige Mannschaft des WM-Turniers ohne Niederlage. Für beide Kontinente geht es nun darum, die positiven Eindrücke sowohl international als auch national zu bestätigen. Beide Erdteile stehen vor einer heißen Phase. Dies gilt insbesondere für Asien, wo im Januar die kontinentale Meisterschaft in Katar ausgetragen wird.
Wendepunkt in Sicht
Auch wenn man ihnen vor der WM 2010 in Südafrika nur wenig zutraute, haben die vier asiatischen Vertreter sowie das Team aus Ozeanien mit ihren Auftritten beim wichtigsten Fussball-Turnier der Welt allenthalben große Anerkennung erhalten. Japan und die Republik Korea haben durch den Einzug in die Runde der letzten 16 ihre wahren Qualitäten offenbart. Mit etwas Glück hätte auch Australien als dritter asiatischer Vertreter in die K.o.-Runde einziehen können.
Trotz einer eher misslungenen Vorbereitung holte Japan in der Gruppenphase wichtige Siege gegen Kamerun und Dänemark, bevor schließlich im Achtelfinale gegen Paraguay im Elfmeterschießen das Aus kam. Auch die Republik Korea hat eine überzeugende Vorrunde gespielt, musste sich aber nach dem eher überraschenden Treffer von Luiz Suarez zehn Minuten vor dem Ende der Begegnung in Port Elizabeth gegen Uruguay geschlagen geben – und das, obwohl die Taeguk Warriors zu diesem Zeitpunkt dem Sieg deutlich näher waren.
Wäre nicht die hohe Niederlage im Auftaktspiel gegen Deutschland gewesen, hätte Australien als dritte asiatische Nation in die Runde der letzten 16 einziehen können. Die Socceroos verpassten den zweiten Achtelfinaleinzug in Folge nur aufgrund der schlechteren Tordifferenz. Die 0:4-Niederlage gegen die DFB-Auswahl wurde Ihnen letztendlich zum Verhängnis. Die DVR Korea beendete nach deutlichen Niederlagen gegen Portugal und die Elfenbeinküste die sogenannte "Hammergruppe" auf dem letzten Platz. Die knappe 1:2-Niederlage in der Auftaktpartie gegen Brasilien sowie der schöne Treffer von Ji Yun-Nam zeugten aber auch vom unermüdlichen Kampfgeist dieser Mannschaft.
Die Neuseeländer, die der einzige Vertreter Ozeaniens bei dieser WM waren, dürften einen langfristigen Nutzen aus ihrer südafrikanischen Erfolgsgeschichte ziehen. Man vermag es kaum zu glauben, aber die All Whites waren unter den 32 teilnehmenden Mannschaften das einzige Team, das nach drei Punkteteilungen gegen die Slowakei, Italien und Paraguay das WM-Turnier ohne Niederlage beendete. Obwohl die Begegnungen in Neuseeland mitten in der Nacht ausgestrahlt wurden, war die Begeisterung riesengroß. Die Hoffnung, dass sich der eher bodenständige Fussball in einem Land durchsetzt, das sich traditionell eher für den Rugbysport interessiert, sind folglich mehr als berechtigt.
Neue Herausforderungen
Wenn im kommenden Januar der AFC Asien-Pokal in Katar stattfindet, kämpft jedes der vier asiatischen Teams, die bei der WM 2010 dabei waren, um den kontinentalen Titel. Australien, Japan und die Republik Korea stehen vor einem Umbruch. Hinzu kommt, dass mit Pim Verbeek, Takeshi Okada und Huh Jung-Moo die jeweiligen Trainer dieser Mannschaften nach der WM 2010 in Südafrika zurückgetreten sind. Einige Nationen müssen fortan auf die Dienste langjähriger Nationalspieler verzichten, die ihre internationale Karriere beendet haben. So haben Shunsuke Nakamura (Japan) und Craig Moore (Australien) nach der WM ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt.
Zum ersten Mal in den letzten fünf Auflagen des alle vier Jahre stattfindenden Turniers konnte sich auch die DVR Korea für die kontinentale Meisterschaft mit 16 Teams qualifizieren. Die asiatischen Schwergewichte Iran und Saudiarabien werden versuchen, nach der enttäuschenden Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika Wiedergutmachung zu leisten und hoffen, sich mit den vertrauten Bedingungen in Katar besser zurechtzufinden. Das Hauptaugenmerk wird aber auf Indien gerichtet sein, das zweitbevölkerungsreichste Land der Welt, das sich erst zum dritten Mal für dieses Turnier qualifizieren konnte.
Neuseeland rangiert in der aktuellen FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste auf Rang 54 und befindet sich nun in Schlagweite zur besten jemals erzielten Platzierung.
Transferkarussell
Zahlreiche Spieler haben in den vergangenen Wochen eine neue sportliche Heimat gefunden. Die interessanteste Verpflichtung war wohl die des unermüdlichen nordkoreanischen Angreifers Jong Tae-Se, der zum VfL Bochum gewechselt ist. Der als "Rooney Asiens" oder "Rooney des Volkes" bezeichnete Akteur, der vom japanischen Erstligisten Kawasaki Frontale nach Deutschland kommt, ist einer von wenigen Nordkoreanern, die in Europa ihre Brötchen verdienen.
Der südkoreanische Verteidiger Cha Du-Ri hat sich seinem Nationalmannschaftskollegen Ki Sung-Yueng bei Celtic Glasgow angeschlossen, während der japanische Verteidiger Yuto Nagatomo bei Cesena unterschrieben hat, das kürzlich in die italienische Serie A aufgestiegen ist. Der antrittsschnelle australische Angreifer Nikita Rukavytsya wechselte von Twente Enschede zu Hertha BSC Berlin, während Mittelfeldroutinier Mark Bresciano von Palermo zu Lazio ging.
Der neuseeländische Stürmer Shane Smeltz, der für die All Whites gegen Italien erfolgreich war, hat den australischen Erstligisten Gold Coast United verlassen und in der chinesischen Super League bei Shandong Luneng unterschrieben.
Rückkehr zur Tagesordnung
Der wichtigste asiatische Klub-Wettbewerb, die AFC Champions League, geht in diesem September erneut an den Start. Die verbliebenen acht Mannschaften werden alles dafür geben, das Turnier zu gewinnen und sich einen Startplatz bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft 2010 zu sichern. Im Oktober fällt der Startschuss zur nächsten Auflage der ozeanischen O-League. Hekari United aus Papua-Neuguinea ist bereits qualifiziert, und wird nach dem Erfolg bei der letztjährigen Auflage versuchen, auch im Dezember in Abu Dhabi wieder für Furore zu sorgen.
Sowohl die K-League als auch die J.League haben ihren Spielbetrieb nach der WM-Unterbrechung wieder aufgenommen. Die australische A-League startet im kommenden Monat in die sechste Saison. Neu dabei sind die Melbourne Hearts. Insgesamt kämpfen nun elf Mannschaften um den nationalen Titel.
Auf der anderen Seite des Kontinents richtet sich das Augenmerk auf die Vereinigten Arabischen Emirate, wo der Kapitän der italienischen Weltmeisterelf von 2006, Fabio Cannavaro, für Al Ahli auflaufen wird, das vom ehemaligen Trainer von Leeds United, David O'Leary, betreut wird und den letztjährigen Champion Al Wahda zum größten Konkurrenten hat.
