Am 27. Februar 2010 wurde Chile von einem schweren Erdbeben der Stärke 8,8 auf der Richterskala (höchstmöglicher Wert: 9,0) heimgesucht. Das Epizentrum befand sich in der Nähe der Stadt Concepción, die etwa in der Mitte des sich über eine Gesamtlänge von 4.265 Kilometer erstreckenden Landes liegt. Aktuellen Schätzungen zufolge forderte das ungewöhnlich heftige Beben rund 700 Todesopfer und zerstörte über 1,5 Millionen Häuser und Gebäude.

Knapp zwei Wochen nach der Katastrophe richtet Chiles Fussball seine Blicke wieder nach vorn, um die Folgen des Bebens so schnell wie nur irgend möglich zu überwinden. Der Präsident des chilenischen Fussballverbandes, Harold Mayne-Nicholls, hielt sich am heutigen 11. März zu Gesprächen mit FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Zürich auf. "Ich bin gekommen, um dem Präsidenten der FIFA sowie der gesamten Fussballfamilie meinen persönlichen Dank für ihre wunderbare Solidarität und ihre große Spendenbereitschaft zum Ausdruck zu bringen. Diesen Dank wollte ich FIFA-Präsident Joseph S. Blatter unbedingt persönlich übermitteln", so der Gast aus Chile bei seinem Eintreffen am Hauptsitz der FIFA.

Die durch das Erdbeben entstandenen Schäden in seinem Land sind enorm. Besonders betroffen sind die zentral gelegenen Regionen VII (Maule) und VIII (Bio-Bio). Die Kosten für den Wiederaufbau belaufen sich ersten Schätzungen zufolge auf USD zwei bis drei Milliarden. Natürlich hat es auch den Fussball getroffen, allerdings sind die diesbezüglichen Verluste "nur" materieller Art. "In der vergangenen Woche habe ich die Regionen VII und VIII bereist, die beide unter den schwersten Verwüstungen leiden. Dort befinden sich insgesamt acht Profi-Klubs. Zu unserer großen Erleichterung konnten wir feststellen, dass die schlimme Naturkatastrophe niemanden aus der Familie des Fussballs in den Tod gerissen hat", so Mayne-Nicholls. "Dennoch haben mehrere Spieler ihre Häuser verloren. Ihnen wird jetzt unsere Unterstützung beim Wiederaufbau zuteil. Überdies sind die Verwaltungsgebäude- bzw. Räume einiger Klubs eingestürzt oder stark beschädigt worden, vor allem in Concepción und Talca. Auch dort werden wir als Verband helfen."

Kein Wasser, kein Strom, kein Fussball
Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs wie es ihn vor dem Beben gab, ist indes in den in unmittelbarer Nähe des Epizentrums befindlichen Regionen noch nicht möglich, zumal sich dort das Leben immer noch nicht völlig normalisiert hat. "Einige Stadien wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen, so auch die Spielstätte des Zweitligisten Naval in Talcahuano. Im Übrigen haben die Klubs der Region VII derzeit keine Trainingsmöglichkeit, weil es einfach an solch fundamentalen Dingen wie Wasser und Strom mangelt. Daher mussten wir sämtliche Meisterschaftsspiele dieser Region solange aussetzen, bis die betroffenen Vereine wieder spielfähig sind", erläuterte der chilenische Verbandspräsident.

Die weltweite Fussballfamilie hat für Chile bereits ein umfangreiches Hilfspaket geschnürt, das vor allem die sofortige Bereitstellung von dringend benötigten finanziellen Mitteln beinhaltet. "Am vergangenen Wochenende wurde im chilenischen Fernsehen ein landesweiter Spendenaufruf gesendet. Die FIFA stellte eine Soforthilfe in Höhe von USD 250.000 zur Verfügung, ein Betrag in gleicher Höhe kam von der chilenischen Nationalmannschaft, und die CONMEBOL spendete ebenso wie die chilenischen Profi-Klubs USD 100.000. Damit kamen allein aus der Familie des Fussballs insgesamt USD 800.000 zusammen", resümierte Mayne-Nicholls, und fügte sogleich hinzu: "Ehrlich gesagt halte ich die finanzielle Unterstützung nicht für das Allerwichtigste. Sicher brauchen wir auch größere Geldsummen. Was uns indes am meisten beeindruckt hat, ist die riesige Welle der Solidarität, die von der weltweiten Fussballfamilie ausging. Ich meine die Initiativen von unzähligen Klubs rund um den Globus, unter anderem von UD Almeria, West Bromwich Albion, Palmeiras São Paulo, zahlreichen argentinischen und mexikanischen Vereinen, die Aktion von Real Madrid während der Partie gegen den FC Sevilla, das Schwenken der chilenischen Nationalflagge in italienischen Stadien, die Schweigeminute vor dem Freundschaftsspiel Frankreich – Spanien, und viele andere mehr. Außerdem haben wir hunderte Briefe von Freunden, Verbänden und Klubs aus aller Welt erhalten."

Optimistischer Blick in die Zukunft
Der Präsident des chilenischen Fussballverbandes (ANFP) möchte, dass der Fussball seines Landes rasch wieder in Gang kommt und so dem chilenischen Volk bei der Überwindung der Folgen des schweren Erdbebens behilflich sein kann. "Bisher wurden zwei über jeweils ein Wochenende verteilte Spieltage der laufenden Meisterschaft abgesagt. Hinzu kam ein Testspiel unserer Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die bevorstehende FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™, das für den 3. März vorgesehen war. Doch schon am kommenden Wochenende wird der Spielbetrieb bei uns wieder aufgenommen. Es war unser Wunsch, nach Abstimmung mit der Regierung so schnell wie möglich zur Normalität zurückzufinden. Denn der Fussball ist Teil der Kultur unseres Landes, er gibt unserem Volk die Kraft, den Blick wieder nach vorn zu richten", ist Mayne-Nicholls überzeugt.

Übrigens wird der chilenische Verband einen speziellen Fussball-Hilfsfond für die am stärksten betroffenen Regionen einrichten. "Jeder kann in diesen Hilfsfonds einzahlen. Er wird mit dem Ziel ins Leben gerufen, den Wiederaufbau in den fünf besonders betroffenen Städten - Curico, Talca, Concepción, Talcahuano und Constitución – zu finanzieren. Geplant sind beispielsweise der Bau eines Kunstrasenplatzes, einer modernen Flutlichtanlage sowie von Umkleideräumen."

Vor seiner Rückreise in die Heimat sprach der sichtlich berührte Verbandspräsident aus Chile noch kurz über seine Gefühlslage: "Sie können sich nicht vorstellen, welche Emotionen diese Art Unterstützung bei uns hervorgerufen hat. In solchen Momenten spürt man, wie sehr der Fussball zusammenschweißt, und dass er Werte wie Solidarität und einheitliches Handeln fördert. Demnach verkörpert er viel mehr als ein Spiel. Und das sind keine bloßen Floskeln."