Im Ausland gefeiert, im Heimatland kritisiert: Argentiniens Superstar Lionel Messi polarisiert in seiner Heimat die Massen. Im Länderspiel der argentinischen Nationalmannschaft gegen die DFB-Auswahl am Mittwoch in München (20:45 Uhr) will der FIFA Weltfussballer endlich auch im weiß-himmelblauen Trikot seines Heimatlandes eine überzeugende Vorstellung abliefern.
Die argentinischen Fans werden in den unzähligen Bars und Kneipen in Buenos Aires wieder genau hinsehen. Mehr als dürftig war die Bilanz des 22 Jahre alten Wirbelwindes vom FC Barcelona in der für die Gauchos so enttäuschend verlaufenen südamerikanischen WM-Qualifikation.
Gerade mal zwei Tore gelangen dem in Rosario geborenen vermeintlichen Heilsbringer in der Eliminatoria. Und ausgerechnet in seiner zwei Autostunden von der Hauptstadt Buenos Aires gelegen Heimatstadt erlebte Messi bei der bitteren 1:3-Heimniederlage in der Qualifikation gegen den Erzrivalen Brasilien seine bislang größte sportliche Demütigung.
Beim FC Barcelona top, in der Nationalelf flop
Vor allem, als es zum Abschluss des "Quali"-Marathons eng wurde und sich Argentinien gerade so eben noch als Tabellenvierter das Ticket für die FIFA WM 2010 in Südafrika sicherte, tauchte Messi ab. Seit dem ist der "Floh" neben Trainer Diego Maradona in der argentinischen Presse der Sündenbock für das schwache Auftreten der Albiceleste in den vergangenen drei Jahren.
Besonders die Sporttageszeitung "Ole" hat sich auf den Superstar eingeschossen. Seit Wochen analysieren die Medien in Buenos Aires, warum die Leistungen des Stürmers im Klub und Nationaltrikot so eklatant auseinandergehen.
Und in den unzähligen TV-Talkshows, die täglich allein auf vier verschiedenen Sportsendern zu sehen sind, zeigen sie immer wieder die zwei Gesichter des Lionel Messi: Die Tore des Superstars im Trikot des FC Barcelona, der die Katalanen zum UEFA Champions League-Sieg gegen Manchester United köpfte. Und sie zeigen den enttäuschten, niedergeschlagenen Messi, der im Finale der Copa America 2007 gegen Brasilien genauso farblos blieb wie in den beiden anschließenden Jahren der WM-Qualifikation.
Maradona stärkt Messi weiter den Rücken
"Messi hat nur Barcelona im Kopf", glauben Argentiniens Medien-Vertreter. Messi will das so nicht hinnehmen: "Für die argentinische Nationalmannschaft zu spielen, ist für mich mehr als nur eine Ehre."
Trainer Diego Maradona hält seinem einzigen wirklichen Weltstar im Kader die Treue, wohlwissend, dass mit einer erhofften Leistungsexplosion seines Lieblingskickers im Nationaldress auch die Formkurve der gesamten Seleccion nach oben zeigen würde: "Ich glaube an Lionel. Er wird bei mir immer spielen. Er hat das gewisse Etwas, das nur die Großen haben."
Messi kommt wieder einmal mit den besten Empfehlungen nach München: Am Wochenende erzielte er sein 71. Ligator für den FC Barcelona und überholte damit in der Torschützenliste der Katalanen Ronaldinho. Zumindest in dieser Wertung liegt er vor dem Brasilianer.
Trotziger Maradona sieht Parallelen zu 1986
Solche Statistiken interessieren Maradona aber nicht. Der frühere Superstar, der beim Training seines Teams am Montag mit dicker Zigarre auf der Anlage der Münchner Löwen auftauchte, ist von seinen Spielern überzeugt, weniger aber von den Medienvertretern.
"Wenn es nach den argentinischen Journalisten geht, sollen wir bei der WM Letzter werden. Aber das Volk gibt uns Unterstützung. Das stimmt uns zuversichtlich, und deshalb sehe ich Parallelen zu 1986", sagte der Coach in München und fügte in Anspielung auf seine eigene Heldentat im WM-Finale 1986 in Mexiko gegen Deutschland (3:2) an: "Ich möchte, dass die Mannschaft Kampfgeist entwickelt und dass die Leute nicht mehr nur an die Hand Gottes denken, sondern Argentinien bald wieder neue WM-Helden hat."

