Am Mittwoch sind es noch genau 99 Tage bis zum Eröffnungsspiel der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ am 11. Juni, und 28 der qualifizierten Mannschaften nutzen den Termin unter der Woche für Testspiele. Insgesamt 45 Begegnungen stehen auf dem Programm, darunter acht direkte Duelle von WM-Teilnehmern und zwölf weitere Partien unter Beteiligung einer qualifizierten Mannschaft.

Die DVR Korea und Costa Rica hatten eigentlich in Santiago an einem Dreierturnier mit Chile teilnehmen wollen. Die Begegnungen wurden jedoch nach dem schweren Erdbeben abgesagt.

Mit Spannung erwartet werden die Spitzenspiele von Deutschland gegen Argentinien und von Europameister Spanien gegen Vize-Weltmeister Frankreich. Schon am Dienstag testet Brasilien in London gegen die Republik Irland, während sich Weltmeister Italien nach Monaco begibt, um gegen Kamerun zu spielen.

Viele Experimente
Rekord-Weltmeister Brasilien hatte bei der Nominierung seines 23-Mann-Kaders wie üblich die Qual der Wahl. Gegen die Republik Irland vertraut Nationaltrainer Dunga vor allem auf seine Europa-Legionäre (19 von 23). Für den verletzten Luis Fabiano wird Wolfsburgs Torjäger Grafite spielen.

Italien gegen Kamerun ist wahrscheinlich das Spiel mit den meisten Experimenten. Denn den Azzurri fehlen neben Torhüter Gianluigi Buffon noch so viele andere Spieler, dass Marcello Lippi quasi einen Sichtungslehrgang einschieben kann (und muss). Immerhin gelten sechs bis sieben Plätze im Kader als noch nicht vergeben.

Wegen des Fehlens von Alberto Gilardino und Vincenzo Iaquinta kann sich Lippi nun den zurzeit bärenstarken Marco Borriello und auch Giampaolo Pazzini einmal in Aktion anschauen. Kollege Paul le Guen reagiert derweil mit einer Verjüngung der Mannschaft auf die aus seiner Sicht enttäuschenden Vorstellungen Kameruns beim letzten Afrikanischen Nationen-Pokal. Erneut berufen hat er deshalb unter anderem Sébastien Bassong, Benoit Assou-Ekotto und Joël Matip.

Neuauflage der WM-Duelle 1986 und 1990
Nicht besser laufen könnte es hingegen für Spanien. In Bestbesetzung tritt der Europameister im Stade de France an. Dabei sein wird auch Fernando Torres, der bei seinem Comeback für den FC Liverpool gegen die Blackburn Roveers am Sonntag gleich ein Tor schoss. Frankreich hingegen fehlen sieben Stammspieler. Dem gegenüber steht die Rückkehr von Djibril Cissé und Hatem Ben Arfa. Keine Verwendung hat man auf Seiten des Vize-Weltmeisters für Patrick Vieira, wohl aber für Benoît Cheyrou von Olympique Marseille und Mickaël Ciani von Girondins Bordeaux, die ihren Einstand feiern könnten.

Im Spiel Deutschlands gegen Argentinien hofft Joachim Löw auf weitere Aufschlüsse hinsichtlich der Besetzung seines Mittelfelds. Dort sind Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger gesetzt. 13 weitere Kandidaten kommen für sechs noch verbleibende Plätze in Betracht. Unterdessen feiert Stuttgarts eingebürgerter Brasilianer Cacau nach überstandener Verletzung und zuletzt sieben Toren in drei Spielen binnen einer Woche seine Rückkehr auch in der Nationalmannschaft.

Aber auch Diego Maradona ist offensichtlich noch auf der Suche nach seiner Idealbesetzung. Über 100 Spieler hat der ehemalige Regisseur schon berufen. Dieses Mal greift er unter anderem auf Walter Samuel (31) zurück, der zuletzt vor vier Jahren für Argentinien gespielt hat. Auch Nicolás Burdisso steht im Aufgebot. Nachdem er gegen Costa Rica (3:2) und Jamaika (2:1) zuletzt ausschließlich mit in Argentinien spielenden Akteuren angetreten war, greift Maradona nun wieder auf sein Europa-Kontingent zurück. Nur drei der Nominierten verdienen ihr Geld in der Heimat. Hinsichtlich der Benennung des endgültigen Kaders dürfte die Besetzung vom Mittwoch schon manchen Fingerzeig liefern.

Der Champion will's wissen
Gegen eine auf Wiedergutmachung für die verpasste WM-Qualifikation bedachte Mannschaft aus Ägypten muss Trainer Fabio Capello die Hintermannschaft von England kräftig umbauen. Denn ihm fehlen der langzeitverletzte Ashley Cole, der wegen privater Probleme ausfallende Wayne Bridge und der an einer hartnäckigen Hüftverletzung laborierende Rio Ferdinand, der in dieser Spielzeit für seinen Verein erst elf Partien bestreiten konnte. Auf links streiten sich deshalb Leighton Baines und Stephen Warnock um einen Platz in der Elf, während Ryan Shawcross wohl in der Innenverteidigung spielen wird. Vorn hingegen haben die Engländer überhaupt kein Problem. Wayne Rooney spielt unter Capello in der Form seines Lebens.

Ohne Kapitän Diego Lugano, aber nach über einem Jahr mal wieder mit Spielmacher Ignacio Gonzales tritt Uruguay in Sankt Gallen gegen die Schweiz an. Deren Trainer Ottmar Hitzfeld sieht sich zwar einigen Ausfällen gegenüber, greift aber dennoch nicht auf die Routiniers Ludovic Magnin und Hakan Yakin zurück sondern gibt lieber drei Neulingen eine Chance: Jonathan Rossini, Davide Chiumiento und Xherdan Shaqiri.

Europas erster Qualifikant, die Niederlande, versuchen sich gegen eine solide Mannschaft aus den USA und greifen bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal seit vier Jahren wieder auf Ron Peter Vlaar, den Verteidiger von Feyenoord Rotterdam, zurück. Auch in Serbien gibt es ein Comeback zu bejubeln: Gegen Algerien kehrt Bosko Jankovic nach halbjähriger Pause aufgrund einer Knieverletzung wieder in die Mannschaft zurück. Selbiges gilt für Portugal, wo Cristiano Ronaldo gegen die VR China auflaufen und Stürmer Silvestre Varela vom FC Porto wohl sein Debüt geben wird.

Eine weite Anreise zur WM-Endrunde hat Neuseeland – und als wollten sich die Ozeanier schon mal daran gewöhnen, testen sie am Mittwoch in Pasadena gegen Mexiko, eine große Nummer der CONCACAF-Region. Danach geht es gegen Honduras, kurzfristig mal wieder in die Nachbarschaft gegen Australien und dann gegen Serbien und Slowenien. Erfahrung sammeln ist angesagt bei den All Whites vor dem Abenteuer Südafrika.