Bis vor etwas mehr als einem Jahr war der Name Javier Hernández ausschließlich jener eines ehemaligen Stürmers der mexikanischen Nationalmannschaft, der bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 1986™ dabei war. Der aufgrund seiner kleinen Statur "Chícharo" (Erbse) genannte wieselflinke Linksaußen wurde bereits im zarten Alter von 19 Jahren vom damaligen Nationaltrainer Bora Milutinovic nominiert, spielte bei der WM jedoch keine einzige Minute.
Seit kurzem jedoch beansprucht ein anderer Spieler mit dem gleichen Namen seinen Platz in der mexikanischen Fussballgeschichte. Es handelt sich um den erst 20-jährigen Sohn des Nationalspielers der 1980er Jahre, der bereits das Idol des Traditionsklubs Chivas del Guadalajara und zudem eine neue Nachwuchshoffnung für die mexikanische Nationalmannschaft bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ ist.
Unerwarteter Höhenflug
Auch wenn das viel versprechende Debüt von "Chicharito", bei dem er sogleich seinen ersten Treffer als Profi-Spieler erzielte, bereits aus dem Jahr 2006 datiert, war der Stürmer ein Spätzünder. Angesichts von Konkurrenten wie Omar Bravo, Adolfo Bautista und Alberto Medina musste sich Javier Hernández zunächst damit begnügen, so viel wie möglich zu lernen und die Chancen zu nutzen, die sich durch Kurzeinsätze boten.
Seinen nächsten Ligatreffer erzielte er erst drei Jahre später, doch seit diesem Zeitpunkt schießt der Youngster Tore wie am Fließband. In 38 Einsätzen von Beginn an erzielte er nicht weniger als 23 Treffer – so viele wie kein anderer mexikanischer Stürmer in den letzten Jahren. Im laufenden Bicentenario 2010 bescherte er seiner Mannschaft einen Auftakt nach Maß, indem er in seinen ersten fünf Partien nicht weniger als acht Mal traf, ehe eine kleine Muskelverletzung seinen atemberaubenden Rhythmus etwas ins Stocken brachte.
Es geht jedoch nicht nur um Quantität, sondern auch um Qualität. Und Javier Hernández ist einer der komplettesten Stürmer, die der mexikanische Fussball in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Ebenso wie sein Vater besticht auch er nicht unbedingt durch seine Physis. Er ist gerade einmal 1,73 Meter groß und wiegt 62 Kilogramm, weist aber dennoch hervorragende Qualitäten bei hohen Bällen auf. Außerdem ist er wieselflink und versteht es wie kein anderer, sich am zweiten Pfosten freizulaufen. Doch damit nicht genug: Aus der zweiten Reihe ist sein Schuss eine gefährliche Waffe, die ihresgleichen sucht.
Nominierung für die Nationalmannschaft
Es ist daher wenig überraschend, dass die mexikanischen Medien und Fans einer kollektiven "Chicharomanie" verfallen sind und sehr hohe Ansprüche an den jungen Torjäger stellen. Und auch von Javier Aguirre blieb er nicht unbemerkt: Dieser nominierte ihn für das erste Länderspiel der Mexikaner im WM-Jahr 2010, in dem der Gegner am Mittwoch Bolivien heißt. Im Moment deutet alles darauf hin, als bekäme der Youngster eine Chance, seine Torjägerqualitäten auch auf internationaler Ebene unter Beweis zu stellen.
Er hat Millionen von Fans, und der wohl größte von ihnen ist der Eigentümer von Chivas, Jorge Vergara, der seinen Mittelstürmer regelrecht mit Lob überschüttet. "Er ein außergewöhnlich reifer Junge, der sich von vielen Gleichaltrigen unterscheidet. Er besitzt hervorragende Qualitäten und ist auch mental bereits sehr gut entwickelt. Er ist bereit für die Nationalmannschaft, denn er ist ein großartiger Stürmer, was er seit seinem ersten Spiel für Chivas immer wieder unter Beweis gestellt hat", sagte er.
Der junge Stürmer scheint diese Worte zu bestätigen. Er gibt sich jedoch zurückhaltend und bescheiden und betont, dass seine aktuellen und zukünftigen Erfolge auf harte Arbeit zurückzuführen sind. "Mein größter Traum ist es – so wie für jeden anderen Spieler auch –, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen. Das ist mein Ziel, und träumen kostet schließlich nichts", sagte der Stürmer, ehe er seine Ambitionen relativierte: "Ich möchte ruhig und besonnen an dieses Ziel herangehen. Ich bekomme nun eine Chance, doch diese muss ich auch nutzen und weiterhin hart an mir arbeiten."
"Muss meine Chance nutzen"
Er musste jedoch zugeben, dass er eine Gänsehaut bekam, als er erstmals das grüne Nationaltrikot überstreifte: "Ich bin natürlich etwas nervös, aber dennoch sehr glücklich darüber, hier sein zu können", sagte der sichtlich euphorische Stürmer. "Ich sehe das als eine gute Gelegenheit, mich zu beweisen. Ich möchte, dass ich meine Ziele erreiche und dass sich meine Träume erfüllen werden. Ich muss meine Chancen nutzen – das ist dabei das Wichtigste", sagte er.
Somit wartet ganz Mexiko gespannt, das neue Idol erstmals in der Nationalmannschaft spielen und auch treffen zu sehen. Warum auch nicht? Vielleicht entscheidet er mit einem Tor das Eröffnungsspiel der WM 2010 und beschert den Mexikanern damit einen denkwürdigen Triumph.
