Während Ägyptens dritter Triumph in Folge beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal in Angola nur wenige Beobachter erstaunte, bot das im Zwei-Jahres-Rhythmus ausgerichtete Turnier dennoch einige Überraschungen. Insbesondere gelang es einer Handvoll Spieler, bei diesem Turnier erstmalig einen bleibenden Eindruck in der Fussballwelt zu hinterlassen.
Tatsächlich gelang es vielen der etablierten Akteure wie Samuel Eto'o oder Didier Drogba nicht, wie erwartet dem Turnier ihren Stempel aufzudrücken, während andere Größen wie Rigobert Song sogar ihren Stammplatz verloren. Stattdessen konnte eine neue Generation von Fussballern, die zu beeindrucken wusste und für denkwürdige Augenblicke im Turnier sorgte, diese Lücke füllen. Eine Ausnahme war sicher Ahmed Hassan, der bei seinem vierten Gewinn der Afrika-Meisterschaft zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Am meisten freuten sich die Anhänger Ägyptens jedoch über die Erfolge ihres neuen Super-Jokers Mohamed Gedo Nagui.
Während Nigerias Peter Odemwingie, Malis Seydou Keita und auch Gervinho aus dem Team der Elfenbeinküste bestätigten, dass sie zu den besten Spielern auf dem Kontinent gehören, waren es vor allem die nachfolgend vorgestellten jungen Akteure, die beim Afrika Cup 2010 für großes internationales Aufsehen sorgten.
Mohamed Nagui - Ägypten
Er war einer der großen Stars des Turniers. Er kam stets als Einwechselspieler auf den Platz und erzielte dabei in fünf Spielen fünf Tore. Der Stürmer von Al Ittihad, bekannt unter dem Namen Gedo, erzielte im Durchschnitt alle 35 Minuten einen Treffer. Es waren durchweg schöne Treffer, wobei das Tor, das er in der Gruppenphase gegen Mosambik mit einem reaktionsschnellen Volleyschuss erzielte, sicher als das schönste gelten dürfte. Doch auch sein Tor in der 85. Minute des Endspiels zwischen Ägypten und Ghana zum 1:0-Endstand für sein Team offenbarte seine ganze Klasse. Dabei hatte er diesen Treffer mit einem Sturmlauf über die Außenbahn und einem schnellen Doppelpass mit Mohamed Zidan selbst vorbereitet, zu einem Zeitpunkt, als sich beide Teams schon auf die Verlängerung eingestellt zu haben schienen.
Samuel Inkoom - Ghana
Der physisch starke und vielseitige rechte Außenverteidiger, der sich immer wieder ins Angriffsspiel einschaltete, bestätigte seinen Ruf als wertvoller Flankengeber und effizienter Verteidiger. Der 20-Jährige aus Basel war einer von sechs Spielern, die im Oktober des vergangenen Jahres die FIFA U-20-Weltmeisterschaft gewannen. Schwer zu sagen jedoch, wer der beste Verteidiger bei Ghana war, denn die anderen beiden Abwehrspieler Isaac Vorsah, 21 Jahre alt, und der 19-jährige Lee Addy spielten ebenfalls ein herausragendes Turnier.
Jonathan Pitroipa - Burkina Faso
Der schnelle Flügelstürmer schaffte es, in einer Mannschaft zu beeindrucken, die im gesamten Turnier keinen einzigen Treffer erzielte. Der 23-Jährige musste sich oft den Ball in der eigenen Hälfte holen. Dabei stellte er seine große Schnelligkeit und auch seine Beidfüßigkeit unter Beweis, etwa beim 0:0-Unentschieden gegen die Elfenbeinküste oder auch bei der anschließenden 0:1-Niederlage gegen Ghana. Wie beeindruckend seine Leistung in der Partie gegen die Black Stars war, in der er es immer wieder mit mehr als einem Abwehrspieler aufnehmen musste, belegt der Umstand, dass er nach der Partie von Ghanas Coach Milovan Rajevac und auch dessen Abwehrreihe großes Lob erhielt. Am anderen Ende des Platzes wusste der 25-jährige Abwehrspieler Saidou Panandetiguiri bei den Burkinern zu überzeugen.
Emmanuel Mbola - Sambia
Gerade einmal 16 Jahre und acht Monate alt, erwies sich der linke Außenverteidiger als Stütze einer sambischen Mannschaft, die in Angola bis ins Viertelfinale vorstieß. Der Spieler, der in Armenien sein Geld verdient, beeindruckte mit seiner Physis und seiner Offensivstärke. Auch in der Viertelfinalpartie gegen Nigeria, in der man erst nach Elfmeterschießen ausschied, zählte er zu den besten Akteuren. Er hat es bereits auf 20 Einsätze für die sambische Nationalelf gebracht. Als jüngster Teilnehmer am Turnier war er erst der zweite Spieler unter 17, der an einem Nationen-Pokal teilnahm (nach Gabuns Stürmer Nzighou Chiva).
Mabina - Angola
Während Flavio, Manucho und Gilberto beim Gastgeber für die Schlagzeilen sorgten, bot auch der bislang kaum bekannte Mabino auf der rechten Seite Aufsehen erregende Leistungen. Vor dem Turnier galt er nur als Ersatz, doch der in Angola lebende Spieler erwies sich während der gesamten Gruppenphase als ständiger Unruheherd auf dem Flügel, bevor er und sein Team im Viertelfinale an Ghana scheiterten. Er wird bereits als der neue Gilberto - der große angolanische Star bei Al Ahly in Ägypten - bezeichnet.
Andre Ayew - Ghana
Ayew, der 20-jährige Sohn von Ghanas legendärem Abedi Pele, scheint wenige Probleme damit zu haben, wenn man ihn mit seinem Vater vergleicht. Der U-20-Weltmeister mit Ghana bot eine starke Leistung im Mittelfeld eines Teams, das unter zahlreichen verletzungsbedingten Ausfällen zu leiden hatte. Der Spieler aus Marseille war stark am Ball, kam meist über die linke Seite und erwies sich in Eins-zu-eins-Situationen als einer der besten Spieler des Turniers. In der letzten Partie in Gruppe B gegen Burkina Faso erzielte er per Kopf das entscheidende Tor, das den Einzug ins Viertelfinale bedeutete. Sein 24-jähriger Bruder Rahim stand ebenfalls im Aufgebot Ghanas.
Victor Nsofor Obinna - Nigeria
Nachdem er in jedem der ersten fünf Spiele seines Landes beim Afrikanischen Nationen-Pokal als Einwechselspieler auf den Platz kam und mit seiner Wendigkeit und Schnelligkeit zu beeindrucken wusste, stand Nsofor im Spiel um den dritten Platz gegen Algerien schließlich in der Anfangsformation. Der Spieler, der von Inter Mailand an den FC Malaga ausgeliehen wurde, enttäuschte nicht. Der 22-Jährige erzielte das entscheidende Tor der Partie, indem er die Abwehr der Wüstenfüchse einfach überlief und mit einem Linksschuss gekonnt abschloss. Es war einer der besten Momente des Turniers für das drittplatzierte Team.
Kwadwo Asamoah - Ghana
Der 21-jährige Mittelfeldspieler von Udinese Calcio war einer der ballgewandesten Spieler beim Afrikanischen Nationen-Pokal und rechtfertigte damit, dass er als junger Spieler bereits das Trikot mit der Nummer zehn tragen durfte. Es war sein perfekt auf den Kopf von Asamoah Gyan gezirkelte Eckstoß, der das entscheidende Tor im Halbfinale gegen Nigeria vorbereitete. Sein Können blitzte auch in der Partie der Gruppe B gegen die Elfenbeinküste auf, als er sich blitzschnell drehte, abzog und Torhüter Boubacar Barry zu einer Glanzparade zwang.
Didier Ovono - Gabun
Der Torhüter, der im Verlauf des Turniers 27 Jahre alt wurde, war der Held der Black Panthers beim überraschenden 1:0-Sieg gegen Kamerun zum Auftakt des Turniers. Obwohl das Team schließlich in der Gruppenphase aufgrund des Torverhältnisses ausschied, bot der Keeper von Le Mans, der gekonnt seine Abwehr dirigierte, mit schnellen Reflexen beeindruckende Leistungen. Auch wenn er bisweilen einen etwas hektischen Eindruck machte, kassierte Ovono im gesamten Turnier nur zwei Gegentreffer. Diese fielen in der dritten und entscheidenden Partie gegen Sambia. Bei Gabun wusste im Übrigen auch der talentierte Verteidiger Bruno Ecuele Manga zu beeindrucken.
