Sollte es vor dem Afrikanischen Nationen-Pokal Zweifel an Ägyptens Stärke im afrikanischen Fussball gegeben haben, so gaben die Pharaonen ihren Kritikern die bestmögliche Antwort. Zum dritten Mal in Folge und zum insgesamt siebten Mal - so oft wie noch keine andere Nation - gewannen sie den kontinentalen Titel.
Statistisch gesehen ist Ägypten in fast allen Kategorien das erfolgreichste Team des afrikanischen Fussballs, und die Enttäuschung, den Zug zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft verpasst zu haben, dürfte die Mannschaft mit diesem Titel zum größten Teil überwunden haben. Selbst der ansonsten kaum für Gefühlsausbrüche bekannte ägyptische Trainer Hassan Shehata konnte seinen Stolz nach dem 1:0-Sieg über Ghana nicht verbergen und schwärmte: "Dies ist die beste ägyptische Mannschaft, die es je gegeben hat, egal in welcher Generation. Drei Titel in Folge werden nur schwer zu übertreffen sein".
Kurz nachdem die Ägypter bei der Ehrung im Stadion des 11. November in Luanda zum afrikanischen Meister gekrönt worden waren, sprach FIFA.com exklusiv mit Mohamed Zidan, einem der großen Stars des Teams. Nach Angaben des Stürmers von Borussia Dortmund, der während des Turniers 29 Jahre alt wurde, ist der Erfolgshunger seiner Mannschaft trotz der perfekten Bilanz, mit der sie das Turnier beendeten, noch längst nicht gestillt.
Zuerst möchten wir Ihnen zum Gewinn eines weiteren Afrikanischen Nationen-Pokals gratulieren. Für Ägypten war es erneut ein makelloses Turnier.
Ja, wir freuen uns sehr über diesen Erfolg. Er bedeutet uns viel. Wir wussten, dass das Endspiel wichtig für uns war, weil wir einen weiteren Rekord aufstellen wollten. Wir möchten aber noch mehr erreichen. Und das Gute daran ist: Ich glaube, dass wir noch besser sein können. Wir haben dieses Turnier nun drei Mal hintereinander gewonnen, und diejenigen, die es uns gleichtun wollen, werden hart arbeiten müssen.
Ägypten hat den Afrikanischen Nationen-Pokal nun sieben Mal gewonnen. Glauben Sie, dass irgendjemand diesen Rekord brechen kann?
Ich würde sagen, es ist unmöglich. Doch im Fussball ist nichts unmöglich, heißt es. Ich glaube aber nicht, dass dies in nächster Zukunft geschehen wird. Um diesen Rekord zu brechen, muss ein Team meiner Meinung nach über lange Zeit hinweg ganz besondere Leistungen bieten.
Würden Sie sagen, dass dies die bisher beste ägyptische Mannschaft ist?
Dies zu beantworten, steht mir nicht zu, das müssen die Menschen und Fans entscheiden. Ich glaube, wir sollten uns nur darauf konzentrieren, gute Teamleistungen zu bringen, und andere urteilen lassen. Wir genießen unseren Fussball im Moment. Ich bin nicht in der Position, Vergleiche anzustellen.
Im Endspiel gegen Ghana anzutreten war sicher keine leichte Aufgabe für Sie.
Ghana ist eine gute Mannschaft mit viel Qualität, und wir haben großen Respekt vor ihnen. Wir beobachteten sie in ihrem Halbfinalspiel gegen Nigeria und sahen ein sehr gut organisiertes Team. Wir wussten, dass wir sehr gut spielen müssen, um sie zu besiegen. Wie ich schon sagte, gegen eine Mannschaft wie Ghana zu spielen, ist nicht leicht, sie verfügen über gute Spieler und haben uns ein großes Duell geliefert. Auch sie hatten ihre Chancen, konnten sie aber glücklicherweise nicht in Tore ummünzen. Der Unterschied zwischen ihnen und uns war, dass wir unsere beste Torchance nutzten.
Viele sind der Meinung, dass Ägypten den besten Fussball in diesem Turnier spielte. Was war für Sie und das Team die größte Motivation?
In jedem Turnier versuchen wir, unser Bestes zu geben. Wir fuhren mit dem festen Vorsatz zu diesem Turnier, guten Fussball zu spielen und natürlich diesen Titel zu verteidigen, und das haben wir getan. Es war nicht leicht, weil hier viele gute Mannschaften dabei waren. Einige dieser Teams verfügen über wirklich gute Spieler und zeigten tollen Fussball. Doch wir wussten, was wir erreichen wollten, und waren entschlossen, uns nicht ablenken zu lassen. Wir haben gut gespielt und alle unsere Partien gewonnen. Deswegen denke ich, dass wir am Ende verdient den Titel holten.
Welches Geheimnis steckt hinter diesem ägyptischen Team?
Viele scheinen sich diese Frage zu stellen, doch ehrlich gesagt gibt es kein Geheimnis. Das Wichtigste ist, glaube ich, dass wir keine wirklich großen Stars in unserer Mannschaft haben. Damit meine ich nicht, dass wir keine guten Spieler haben, aber in unserem Team sehen wir uns alle als ebenbürtig an. Jeder hier muss für das Team arbeiten. Wir haben ein Ziel, und das lautet, Ägypten ganz nach oben zu bringen. Wir versuchen, uns in jedem Spiel zu entwickeln und zu verbessern.
Wie wichtig ist Kapitän Ahmed Hassan für das Team?
In diesem Turnier war er überragend. Er geht stets mit gutem Beispiel voran. Doch wie ich schon sagte, wir heben in unserem Lager keine einzelnen Spieler hervor, alles was wir tun, tun wir als Mannschaft. Wir kämpfen füreinander, wir spielen füreinander. Aber es stimmt, Ahmed ist ein besonderer Spieler, der viel Erfahrung hat.
Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
Im Moment bin ich glücklich und genieße das Fussballspielen. Ich mache mir keine Gedanken um die Zukunft. Sehen wir einfach, was kommt. Im Augenblick jedenfalls bin ich glücklich.
Das Scheitern in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft muss für Sie wie für alle Ägypter eine herbe Enttäuschung gewesen sein.
Oh, das war es. Ich hatte mich darauf gefreut, bei dieser Weltmeisterschaft in Südafrika mitzuspielen. Aber darüber muss man nicht ewig sprechen. Das liegt jetzt in der Vergangenheit, und wir konzentrieren uns lieber auf die Zukunft.
