Ägypten hat nach dem heutigen 4:0-Halbfinalsieg gegen das dezimierte Team Algeriens am Sonntag im Finale gegen Ghana die Gelegenheit, den Titel beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal zum dritten Mal in Folge zu gewinnen. Die Black Stars brachten gegen Nigeria die knappe, durch Asamoah Gyan erzielte Führung über die Zeit und stehen erstmals seit 18 Jahren wieder im Endspiel um die Kontinentalmeisterschaft.
Nachdem die erste halbe Stunde der Partie zwischen den nordafrikanischen Rivalen Ägypten und Algerien noch sehr eng war, wendete sich das Blatt mit der zweiten Gelben Karte gegen Rafik Halliche zugunsten der Ägypter, die den von Halliche verursachten Elfmeter zum Führungstreffer nutzten. In der zweiten Halbzeit wurden noch zwei weitere Algerier des Feldes verwiesen. Die Ägypter nutzten die größeren Räume für drei weitere Treffer und sind nun beim Afrikanischen Nationen-Pokal seit 18 Spielen ungeschlagen.
Die Schützlinge von Hassan Shehata treffen im Finale auf die sehr junge Mannschaft aus Ghana, die in Angola mit guter Organisation und Disziplin überzeugen konnte, obwohl zahlreiche Stammspieler, darunter auch der verletzte Michael Essien nicht zur Verfügung stehen. Die Black Stars haben ihre letzten drei Spiele jeweils denkbar knapp mit 1:0 gewonnen. Vor zwei Jahren schied der zweifache Afrikameister Nigeria übrigens ebenfalls gegen Ghana aus.
Ägypten hat den Afrikanischen Nationen-Pokal bereits sechs Mal gewonnen und hält damit den Rekord. Ghana seinerseits will den Titel im Stadion des 11. Novembers am Sonntag zum fünften Mal holen. Nigeria und Algerien bestreiten am Vortag in Benguela das Spiel um Platz drei.
Ergebnisse
Ghana – Nigeria 1:0 (Gyan, 21.)
Algerien – Ägypten 0:4 (Abd Rabou, 39. (Elfm.); Zidan, 65.; Abdelshafy, 81.; Nagui, 90.+2)
Tor des Tages
Ghana – Nigeria 1:0, Asamoah Gyan (21.)
Beim Afrikanischen Nationen-Pokal vor zwei Jahren stand Asamoah Gyan kurz davor, die Nationalmannschaft zu verlassen, nachdem die einheimischen Fans ihn immer wieder geschmäht hatten. Dieses Mal jedoch ist der Frankreich-Legionär der beste Torgarant seines Teams. Drei der vier bisherigen Treffer Ghanas gehen auf sein Konto, darunter die Siegtreffer in den beiden 1:0-Erfolgen der K.o.-Runde gegen Gastgeber Angola und nun Nigeria. Im Viertelfinale setzte er den Ball mit dem rechten Fuß in die Maschen. Am Donnerstag gelang ihm ein Treffer per Kopf nach einem Eckball von Kwadwo Asamoah, bei dem er vor seinem Bewacher Obinna Nwaneri an den Ball kam. Nach diesem Führungstreffer konnten sich die Ghanaer in die Defensive zurückfallen lassen und mit einer disziplinierten Leistung dem Druck Nigerias während der gesamten restlichen Partie standhalten. Wenige Minuten nach seinem Führungstreffer hätte der selbstbewusste Gyan den Vorsprung fast verdoppelt, doch sein Heber strich knapp über die Latte des von Vincent Enyeama gehüteten Tores.
Denkwürdige Momente
Martins findet seinen Meister in Kingson
Zum ersten Mal bei diesem Turnier spielten die Nigerianer reihenweise Torchancen heraus, doch Schwächen im Abschluss und eine ganze Reihe herausragender Paraden von Ghanas Torhüter Richard Kingson sorgten dafür, dass die Super Eagles nicht zum Erfolg kamen. Obafemi Martins vom VfL Wolfsburg spielte erstmals von Beginn an. In der 28. Minute hatte er eine Riesenchance, als ein Abpraller zu ihm kam, doch der Schuss des überraschten Spielers aus gut acht Metern war nicht druckvoll genug und so konnte Kingson mit einer fantastischen Parade einen Treffer verhindern. Nach einer Stunde hatte Martins erneut viel Platz im Strafraum als er versuchte, einen cleveren Heber von John Obi Mikel zu erreichen, doch Kingson war erneut zur Stelle und konnte den Ball mit der rechten Hand noch ablenken. Eine Viertelstunde vor Schluss war dann die Verteidigung Ghanas auf dem Posten, als Martins wieder von Mikel steil angespielt wurde, doch dieses Mal wurde er von Samuel Inkoom vom Ball abgedrängt. Torhüter-Veteran Kingson verriet nach dem Spiel: "Gegen Ende der Partie wurde meine Abwehr zusehends nervöser. Ich musste immer wieder für Ruhe sorgen."
Das Lazarett füllt sich weiter
Ghanas Trainer Milovan Rajevac musste von der Bank aus mit ansehen, wie die Liste der verletzten Akteure auch in der Partie gegen Nigeria immer länger wurde. Schon zuvor fehlten zahlreiche Schlüsselspieler wie Essien, Stephen Appiah, John Mensah und John Paintsil. Nun verletzte sich auch noch Opoku Agyemang und musste auf einer Trage vom Feld gebracht werden. Die genaue Art und Schwere der Verletzung war nach dem Spiel noch unklar, doch seine Teilnahme am Finale ist zumindest fraglich. Zu Beginn der zweiten Halbzeit musste Rajevac dann auch noch Adu Sarpei vom Feld nehmen und durch Ibrahim Ayew ersetzen. Und auch Torhüter Kingson bekam einige Male harte Einsätze der gegnerischen Spieler zu spüren. Wenige Minuten vor Schluss prallte er mit Chinedu Obasi Ogbuke zusammen, konnte aber bis zum Ende durchspielen. Im zweiten Spiel musste der Ägypter Emad Moteab in der 52. Minute vom Feld. Bei ihm besteht der Verdacht auf eine ernstere Oberschenkelverletzung.
Zidan in Hochform
Mohamed Zidan von Borussia Dortmund hat sich mit Übersicht und technischem Können zu einem wichtigen Kreativspieler in der ägyptischen Nationalmannschaft entwickelt. Zwar hat er bislang in Angola selten seine wahre Stärke gezeigt, doch bei seinem heutigen Treffer in der 65. Minute bewies er sein ganzes Können. Der Treffer hat gute Chancen, das schönste Tor des Turniers zu werden. Algerien war nur noch mit zehn Mann auf dem Feld und musste dem Ball oft genug hinterherlaufen. Zidan überlistete seinen Gegenspieler Nadir Belhadj, indem er zunächst nach rechts und dann wieder nach links zog, und ließ dann aus gut 15 Metern mit links einen perfekt platzierten Kracher los, der die Partie faktisch zugunsten des Titelverteidigers entschied. Kurz darauf bewies er viel Übersicht, als er (selbst in vielversprechender Position) geschickt auf Mohamed Abdelshafy spielte, der den dritten Treffer für Ägypten erzielte.
Kartenflut
Algerien beendete das Spiel gegen Ägypten mit nur noch acht Spielern. Schon lange vor dem Schlusspfiff war daher klar, dass die Entscheidung gefallen war. Verteidiger Halliche wurde als Erster zum Duschen geschickt, nachdem er innerhalb von acht Minuten zwei Gelbe Karten kassierte. Die zweite sah er, nachdem er Emad Moteab im Strafraum zu Fall gebracht hatte, was den Ägyptern einen Elfmeter einbrachte, den sie zur Führung nutzten. Nader Belhadj sah nach einem rüden Einsteigen 20 Minuten vor Schluss sofort Rot, und kurz vor dem Ende der Partie musste auch noch Torhüter Faouzi Chaouchi vom Feld, der ebenfalls seine zweite Gelbe Karte sah. Als Ersatz für Chaouchi nahm Mohamed Zemmamouche den Platz zwischen den Pfosten ein. Auch er musste noch einen Treffer hinnehmen, als Joker Mohamed 'Gedo' Nagui in der Nachspielzeit seinen vierten Turniertreffer markierte, womit er nun die Torjägerliste anführt. Sein Teamkamerad Ahmed Hassan, der Ghanaer Asamoah Gyan, der Angolaner Flavio und Seydou Keita aus Mali haben alle jeweils drei Treffer auf dem Konto.
Zahl des Tages
8 – So oft haben Ghana und Ägypten jetzt das Finale beim Afrikanischen Nationen-Pokal erreicht.
Zitate
"Das ist für uns ein sehr bitterer Moment. Ich denke, dass wir gut gespielt haben, viel besser als der Gegner, aber das so wichtige Tor wollte uns einfach nicht gelingen. Wenn man keine Tore schießt, kann man aber nicht gewinnen. Trotzdem will ich noch einmal unterstreichen, dass wir heute guten Fussball gespielt haben, viel besser als in den vergangenen Spielen."
John Obi Mikel (Mittelfeldspieler, Nigeria)
"Ich hatte den Spielern vor der Partie gesagt, dass wir nicht um einen Schönheitspreis spielen, sondern um den Sieg. Heute werden sicher einige Kritiker sagen, dass wir nicht gut gespielt haben, doch wir hatten Erfolg und nur das ist wichtig."
Milovan Rajevac (Trainer, Ghana)
Die nächsten Spiele
Spiel um Platz drei: Nigeria – Algerien, 30. Januar, 17:00 Uhr
Finale: Ghana – Ägypten, 31. Januar, 17:00 Uhr
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