Wenn sich Ägypten und Algerien an diesem Donnerstag im Halbfinale des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals 2010 gegenüberstehen, treffen in Benguela zwei alte Rivalen aufeinander, zwischen denen es keine Geheimnisse mehr gibt. Immerhin traten sie in den letzten achten Monaten drei Mal gegeneinander an.

Dabei konnten sich die Algerier zwei Mal durchsetzen. Am Wichtigsten war wohl der Sieg im Entscheidungsspiel der WM-Qualifikation, mit dem man sich auf Kosten des höher eingeschätzten Gegners für die Endrunde bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ qualifizierte.

Ägyptens offene Rechnung
Die Enttäuschung über das erneute Verpassen einer WM-Endrunde dürfte bei den Ägyptern noch tief sitzen. Dennoch wird die erfahrene Mannschaft im Ombaka National Stadium alles daran setzen, mit dem dritten Titelgewinn in Folge bei der afrikanischen Kontinental-Meisterschaft einen neuen Rekord aufzustellen.

Bislang hat Ägypten in Angola alle Partien gewonnen, wenngleich man sich am Montag im Viertelfinale gegen Kamerun erst nach Verlängerung durchsetzen konnte. Es war übrigens die mittlerweile 17. Partie in Folge ohne Niederlage beim Afrikanischen Nationen-Pokal. Die kassierte man 2004 gegen wen? Natürlich Algerien.

Champions peilen "Triple" an
Für viele aus Ägyptens Goldener Generation bietet dieses Turnier die letzte Möglichkeit auf den Gewinn der Afrika-Meisterschaft. Essam Al Hadari, Wael Gomaa und auch Spielführer Ahmed Hassan - trotz seiner Beteuerungen, weiter für die Nationalelf zu spielen - dürften 2012 kaum bei der nächsten Endrunde um den Afrikanischen Nationen-Pokal in Äquatorialguinea und Gabun dabei sein. Würden die Ägypter zum dritten Mal in Folge den Titel holen, was bislang noch keiner Mannschaft gelang, wäre dies der krönende Abschluss ihrer Karriere und würde sicherlich den Schmerz über die verpasste Qualifikation für Südafrika 2010 lindern.

Ein wichtiger Mann, der sicherlich weitermachen wird, ist Trainer Hassan Shehata, der das Team nun schon seit der Niederlage gegen Algerien im Jahre 2004 betreut. Der 60-Jährige hat seine Klasse als Coach in den letzten drei Turnieren auf dem Kontinent bewiesen. Auch bei dieser Auflage gehören die Ägypter spätestens seit dem 3:1-Sieg gegen Nigeria im ersten Spiel zum engsten Favoritenkreis.

Ansteigende Form bei Algerien
Wie gewohnt hat sich Shehata in den Interviews von seinem Assistenten Shawky Gharib vertreten lassen, der sich zuletzt weigerte, zu viele Details über die Taktik zu verraten, mit der man die Wüstenfüchse aus Algerien schlagen möchte. "Wir haben uns bislang für jedes Spiel eine Strategie zurechtgelegt", erklärte er. "Gegen die Kameruner haben wir darauf geachtet, den Gegner nicht in den Strafraum eindringen zu lassen, wodurch wir sie zwangen, sich auf Fernschüsse zu verlegen. Gegen Algerien werden wir uns natürlich auch eine taktische Marschroute einfallen lassen."

Das wird nötig sein, denn Algerien hat sich nach einem schwachen Start ins Turnier in Angola beständig steigern können. Nach der 0:3-Niederlage gegen Malawi am zweiten Tag drohte der erste Auftritt bei einer Endrunde um den Afrikanischen Nationen-Pokal seit 2004 zu einem Fiasko zu werden.

Zuversichtliche "Wüstenfüchse"
Aber die Qualitäten, die die Mannschaft auch in der WM-Qualifikation offenbarte, zeigten sich zuletzt vor allem im Viertelfinale am Sonntag gegen die Elfenbeinküste, wo die Algerier bereits nach vier Minuten in Rückstand gerieten. Trotz dieses Schocks fanden sie rasch zurück in die Partie, erzielten noch vor der Halbzeit den Ausgleichstreffer und setzten sich schließlich in der Verlängerung durch. Am Ende waren sich alle über den verdienten Sieg gegen den hoch eingeschätzten Gegner einig.

Eine ähnlich disziplinierte und abgeklärte Leistung werden die Algerier auch gegen die sehr gut organisierten Ägypter zeigen müssen. Eine der Stärken der Wüstenfüchse in diesem Turnier waren die Sturmläufe von Nadir Belhadj auf der linken Außenbahn. Der Spieler von Portsmouth erklärt, dass Algerien zwar sein Hauptaugenmerk auf die WM-Endrunde in sechs Monaten legt, jedoch gleichzeitig mit Spannung das erneute Duell gegen Ägypten erwartet. "Die Ägypter haben eine sehr starke Mannschaft. Wir haben jedoch nach dem Fehlstart richtig Fahrt aufgenommen. Es wird ein großes Spiel werden."

Historie spricht für Algerien
Etwas Besorgnis herrschte zuletzt im algerischen Lager darüber, ob der angeschlagene Spielmacher Karim Ziani rechtzeitig zur Partie wieder fit werden wird, doch es ist nicht davon auszugehen, dass Trainer Rabah Saadane Änderungen an seinem zuletzt so erfolgreichen Team vornehmen wird.

In der Länderspielbilanz beider Teams hat Algerien die Nase vorn. In den letzten 50 Jahren konnte man neun Siege verbuchen, während die Ägypter selbst nur fünf Mal erfolgreich waren. Acht Mal kam es zu einem Unentschieden. Der Sieger der Partie vom Donnerstag steht am Sonntag in Luanda im Finale. Dort trifft er auf den Gewinner des Duells zwischen Ghana und Nigeria, das kurz zuvor in der Hauptstadt über die Bühne geht.