Seth Stammler hatte bereits Interesse an Haiti gezeigt, bevor das Jahrhundert-Beben den Karibikstaat vor zwei Wochen verwüstete.
Nachdem er gemeinsam mit Jozy Altidore, dem ehemaligen Stürmer der Red Bulls und nunmehrigen Akteur von Hull City, vor etwas mehr als drei Jahren dieses Land besucht hatte, rief Stammler eine Wohltätigkeitsorganisation mit dem Namen Sporting Chance Foundation ins Leben. Seit dem Jahr 2007 verhalf diese Stiftung über 10.000 Bürgern von Port au Prince zu Trinkwasser und ermöglichte mit bislang 49 Stipendien Kindern eine bessere Bildung. Doch nach den jüngsten tragischen Ereignissen konzentriert sich die Stiftung nun zunächst vorrangig darauf, unmittelbar lebensrettende Maßnahmen durchzuführen.
Als er im Dezember Haiti besuchte, erkannte Stammler, wie schlecht der Zustand zahlreicher Wohnhäuser und Gebäude war. "Wir sahen uns diese Gebäude an und fragten uns, wie die Menschen nur dort leben konnten" sagte er im Gespräch mit FIFA.com. "Wenn eines davon einstürzt, könnte das einen Domino-Effekt auslösen und die benachbarten Gebäude gleich mitreißen."
Brunen gibt Hoffnung
Stammler war sofort nach dem Erdbeben klar, dass Nachrichten aus Haiti keine guten Nachrichten sein konnten – insbesondere in Bezug auf die Schüler, die von der Stiftung ein Stipendium erhalten hatten. "Realistisch gesehen wird es einige Schreckensmeldungen geben", sagte er. "So Gott will, werden sie überleben."
Wie sich herausstellte, ist der von der Stiftung (www.sportingchancefoundation.org) gebaute Brunnen trotz des Erdbebens und der Nachbeben weiterhin funktionstüchtig. Er ist nicht versiegt – sehr zur Erleichterung Stammlers, der sich darüber freut, dass der Brunnen nun von viel mehr Menschen benutzt wird als ursprünglich geplant. "Er wurde erst im September fertig", erzählte er. "Ab Oktober wurde der Brunnen dann immer intensiver genutzt, doch nur drei Monate später kam das verheerende Erdbeben. Es ist wirklich ernüchternd, daran zu denken, dass unser Engagement möglicherweise umsonst war. Doch er hat es überstanden."
Die Bürger von Port-au-Prince mussten zuvor 1 Gourd (knapp 2 Cent) für etwas mehr als 20 Liter Wasser bezahlen. Doch das Erdbeben hat diese Situation dramatisch verändert. "Wir wollen einfach nur helfen", sagte Stammler. "Natürlich bekommt jeder das Wasser jetzt kostenlos. Ich möchte sicherstellen, dass jeder Zugang zu Trinkwasser hat, um durch diese harte Zeit zu kommen."
Bei seinem Besuch im Dezember war Stammler von der Beliebtheit des Brunnens der Stiftung beeindruckt. "Vor dem Brunnen stand eine Reihe von 15 jungen Mädchen, die darauf warteten, die mitgebrachten Wasserkanister zu füllen", sagte er. "Es würde mich interessieren, wie es nun aussieht. Ich bin sicher, dass jetzt auch Menschen aus den angrenzenden Gegenden kommen, um ein wenig sauberes Wasser zu bekommen. Das macht die Sporting Chance Foundation natürlich sehr stolz und ermutigt uns, noch mehr Brunnen zu errichten. Diese sind natürlich recht kostspielig, aber ich denke, es ist äußerst wichtig, dass in den Gemeinden Brunnen vorhanden sind."
"Der Bau eines Brunnens in Haiti kostet rund 20.000 U.S.-Dollar, auch wenn die Stiftung beim ersten Brunnen einen Preis von 10.000 U.S.-Dollar ausgehandelt hatte. Sie können ganz schön teuer sein", weiß Stammler. "Die Leitungen wurden in diesem Gebiet von den Wasserbehörden gelegt. Es lag daher an uns, den Brunnen in Betrieb zu nehmen. Das wurde auch erfolgreich durchgeführt, und ich hoffe, dass wir mit entsprechender Finanzierung noch weitere Brunnen errichten können."
Eine helfende Hand
Seit dem Erdbeben vom 12. Januar brachte die Stiftung 10.000 U.S.-Dollar auf. "Das ist sehr erfreulich", sagte Stammler, der davon ausgeht, dass weitere Spendengelder für die Soforthilfe an die Haitianer aufgebracht werden können.
Stammler berichtete, dass er bereits mit dem Management der Red Bulls gesprochen hatte, damit dieses dem Karibik-Staat zu Hilfe kommt. Im Moment befindet er sich jedoch bis 4. Februar mit den Red Bulls im Trainingslager in La Manga (Spanien), ehe die MLS-Saison im März angepfiffen wird. Somit konnte er die neuesten Meldungen über Haiti und das Nachbeben nur im Fernsehen mitverfolgen. "Meine Tage sind sehr lang und arbeitsreich, ich beschäftigte mich im Moment nur mit dem Aufbringen von Spendengeldern", sagte Stammler. "Es gibt viele verschiedene Organisationen, die ihren Teil dazu beitragen möchten."
Mit der Reaktion der Öffentlichkeit ist er bislang sehr zufrieden. "Wir versuchen, unser Netzwerk weiter auszubauen und Menschen einzubeziehen, die wir anderenfalls nicht erreicht hätten", sagte er. "Es geht alles in die richtige Richtung, und das ist das Wichtigste dabei. Wir ziehen alle an einem Strang, um etwas Großes zu erreichen."
Während der seltenen Verschnaufpausen denkt Stammler darüber nach, wie fürchterlich die Auswirkungen des Erdbebens sind.
"Man kann es fast nicht glauben, dass wir vor einem Monat noch dort waren", sagte er. "So schlecht die Situation damals auch war – heute ist sie noch um einiges schlimmer. Das ist der letzte Ort, der eine Tragödie dieses Ausmaßes verkraften kann. Die Menschen dort hatten es damals schon nicht leicht. Dieses Ereignis wirft sie weiter zurück, als man sich vorstellen kann."

