Ägypten und Nigeria setzten ihre Namen nach spannungsgeladenen Partien am Montag auf die Liste der Halbfinalteilnehmer am CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2010. Ägypten schlug Kamerun in Benguela nach Verlängerung mit 3:1. Nigeria konnte Sambia erst nach einer perfekten Ausbeute im Elfmeterschießen besiegen. Nach regulärer Spielzeit und Verlängerung hatte es in Lubango 0:0 gestanden.

Ägypten marschiert beim Afrikanischen Nationen-Pokal unaufhörlich weiter. Das Team ist in diesem Wettbewerb jetzt seit sage und schreibe 17 Spielen ungeschlagen. Ahmed Hassan erzielte beim Viertelfinal-Sieg der Ägypter zwei Treffer und wurde mit 170 Länderspieleinsätzen gleichzeitig Rekordnationalspieler seines Landes. Anders als bei den beiden vorherigen Siegen gegen die Unzähmbaren Löwen in der Endrunde des Nationen-Pokals 2008 in Ghana, ging die Partie dieses Mal in die Verlängerung. Dennoch bleiben die Ägypter weiter im Rennen um den kontinentalen Titel, der in diesem Fall bereits der dritte in Folge wäre.

Die Überraschungsmannschaft aus Sambia war dem zweimaligen Meister Nigeria in jeder Hinsicht ebenbürtig, allerdings wollte auch nach zwei Stunden Fussball keinem der beiden Teams ein Treffer gelingen. Am Ende kam es zu einem Elfmeterkrimi, in dem Nigerias Torhüter Vincent Enyeama den Schuss des Abwehrspielers Thomas Nyirenda hielt und den Nigerianern damit zu ihrer fünften Halbfinal-Teilnahme in den letzten sechs Auflagen des Wettbewerbs verhalf.

Beide Sieger bekommen es im Halbfinale nun mit Lokalrivalen zu tun. Ägypten muss am Donnerstag gegen die Algerier antreten, die das Team in der WM-Qualifikation aus dem Rennen geworfen haben. Nigeria trifft am selben Tag in Luanda auf die Nachbarn aus Ghana.

Ergebnisse
Ägypten – Kamerun 3:1 n. V. (Hassan 37., 95., Nagui 92.; Emana 26.)
Sambia – Nigeria 0:0 n. V., Nigeria siegt im Elfmeterschießen mit 5:4

Tor des Tages
Ägypten – Kamerun 2:1, Mohamed "Gedo" Nagui (92.)
Mohamed Nagui wurde im Laufe des Nationen-Pokals immer wieder eingewechselt und hat mit wichtigen Treffern seinen Beitrag zum Erfolg der Ägypter geleistet. Sein Treffer gegen den im Vorfeld vielfach als Turnierfavorit gehandelten Gegner gleich zu Beginn der Verlängerung zeugte vom Talentreichtum der Ägypter und spiegelte gleichzeitig den zerfahrenen, von vielen Fehlern geprägten Spielverlauf wieder. Nagui profitierte nämlich von einem misslungenen Rückpass des rechten Verteidigers Geremi Njitap zu seinem Torhüter Carlos Idriss Kameni. Er war im rechten Augenblick zur Stelle, schnappte sich den Ball und markierte den Führungstreffer. Die beiden Teams hatten sich zuvor eine kampfbetonte Partie mit vielen Nicklichkeiten geliefert, an deren Ende keiner die Nase vorn hatte. Dieser Treffer erwies sich jedoch als Wendepunkt.

Denkwürdige Momente
Trikot-Nummer 170
Für den ägyptischen Mannschaftskapitän Ahmed Hassan war das ein ganz besonderer Tag. Zunächst deutete alles darauf hin, als sollte er sich für ihn zu einem Alptraum entwickeln. Nach einer Ecke von Achille Emana berührte er den Ball zwar noch, konnte aber nicht mehr klären und das Leder landete im ägyptischen Tor. Damit ging Kamerun bei Hassans 170. Länderspieleinsatz (gleichzeitig Afrika-Rekord) in Führung. In den nächsten elf Minuten stürmte der Routinier dann unaufhörlich über den Platz, bis ihm endlich ein 35-Meter-Schuss gelang, der Ägypten den Ausgleich brachte. Kameni konnte nur machtlos zuschauen. Da war Hassan dann endlich zum Feiern zumute. In einer Mischung aus Erleichterung und Rauschzustand schwenkte er ein Trikot mit der Zahl 170 auf Brust und Rücken.

Unglückliches drittes Tor
Samuel Eto'o wollte nicht den Schiedsrichtern die Schuld geben, als Ägypten nach einem Freistoß gegen Ende der Partie noch ein drittes Tor erzielte, das von vielen in Frage gestellt wurde. Nach Hassans Treffer in der 95. Minute war die Partie für Kamerun gelaufen, und man hätte durchaus mit einer verbitterten Reaktion der Kameruner rechnen können. Der Mannschaftskapitän der Unzähmbaren Löwen zeigte sich jedoch als guter Verlierer und gab an, das bessere Team habe heute gewonnen. "Fehler gehören im Fussball dazu. Es gibt kein Spiel, in dem nicht vom Schiedsrichter oder den Spielern Fehler gemacht werden", erklärte der dreimalige afrikanische Fussballer des Jahres nach der Partie.

Duell der Torhüter
Als Nigeria im Elfmeterschießen mit 4:3 die Nase vorn hatte, schnappte sich der sambische Torhüter Kennedy Mweene den Ball, um gegen sein nigerianisches Pendant Vincent Enyeama für den Ausgleichstreffer zu sorgen. Mweene führt bei seinem Verein Free State Stars in der südafrikanischen Liga regelmäßig Strafstöße aus und zeigte sein Können mit einem perfekt verwandelten Elfer. Allerdings konnte Nigeria die Partie mit dem nächsten Elfmeter für sich entscheiden. Erstaunlicherweise tauschten die beiden Schlussmänner die Rollen. Enyeama führte den fünften Elfmeter für die Super Eagles aus. Er schickte Mweene erfolgreich in die falsche Ecke und schoss Nigeria damit ins Halbfinale.

Ungnädiges Schicksal
Nigeria musste nach Onyekachi Apams Platzverweis in der 107. Minute mit zehn Mann auskommen, aber Sambia hatte auch vorher schon die größeren Spielanteile gehabt. Insbesondere im zweiten Durchgang strahlten die Sambier wesentlich mehr Torgefahr aus als ihre Gegner. Daher schien es besonders grausam, dass die tapfer kämpfenden Außenseiter im Elfmeterschießen den Kürzeren zogen. Nach dem Abpfiff ging der junge, engagierte Nationaltrainer Hervé Renard über den Platz und versuchte, seine vielversprechenden Spieler zu trösten.

Zahl des Tages
16 – Die Anzahl der Jahre, die vergangen sind, seit Nigeria den CAF Afrikanischen Nationen-Pokal zum letzten Mal gewinnen konnte. Den letzten Erfolg konnte das Team bei der Auflage von 1994 in Tunesien verbuchen. Im selben Jahr feierten die Nigerianer ihr Debüt bei einer FIFA Fussball-Weltmeisterschaft.

Zitate
"Ich habe vor der WM-Endrunde noch eine Menge Stoff zum Nachdenken. Viele der Nachwuchsspieler in meinem Team müssen sich noch beweisen, um nach Südafrika zu fahren."
Paul Le Guen (Trainer, Kamerun) nach dem Ausscheiden seines Teams aus dem Afrikanischen Nationen-Pokal

"Das war wirklich ein völlig verrücktes Spiel. Die Sambier haben so gut gespielt, und wir hatten Probleme, sie zu knacken, weil sie technisch und taktisch ausgesprochen stark waren. Sie haben uns das Leben sehr schwer gemacht."
Vincent Enyeama (Torhüter, Nigeria)

Die nächsten Spiele
Ghana – Nigeria, 28. Januar, 17:00 Uhr
Algerien – Ägypten, 28. Januar, 20:30 Uhr

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