Am Sonntag gab es für die Anhänger des Gastgebers Grund zur Trauer: Ghana besiegte Angola und zog damit als erste Mannschaft ins Halbfinale des CAF Afrikanischen Nationen-Pokals 2010 ein. Viel mehr Aufsehen als der Erfolg der jungen, soliden Mannschaft aus Ghana erweckte indes der sensationelle Sieg Algeriens gegen den hohen Favoriten Elfenbeinküste im zweiten Spiel des Tages in Cabinda.
Die Hoffnungen Angolas auf einen Triumph im eigenen Land wurden in der 16. Minute durch einen schönen Treffer von Asamoah Gyan zunichte gemacht. Zwar hatten die Angolaner danach eine ganze Reihe guter Chancen, doch die Ghanaer ließen sich nicht aus der Ruhe bringen und brachten den knappen Vorsprung über die Zeit. Damit steht das Team zum zweiten Mal in Folge bei diesem Turnier im Halbfinale. Am Donnerstag trifft Ghana in Luanda auf den Sieger der morgigen Partie zwischen Nigeria und Sambia.
In Cabinda entwickelte sich die Partie zwischen den zwei WM-Teilnehmern Elfenbeinküste und Algerien in den letzten Minuten zu einem echten Thriller. Die Ivorer gingen in Cabinda zwei Mal in Führung, doch am Ende der Verlängerung hieß der Überraschungssieger Algerien. Die Nordafrikaner konnten einen frühen Rückstand noch vor der Pause ausgleichen. Kurz vor Schluss der Partie erzielte Kader Keita dann mit einem fantastischen Schuss die erneute Führung für die Elfenbeinküste, die jedoch durch die Algerier im Gegenzug gleich wieder ausgeglichen wurde. In der zweiten Minute der Verlängerung gingen die Nordafrikaner dann erstmals selbst in Führung und ließen sich diese bis zum Ende nicht mehr nehmen. Als Belohnung für diese faustdicke Überraschung trifft Algerien im Viertelfinale am Donnerstag in Benguela auf den Sieger der morgigen Partie zwischen Ägypten und Kamerun.
Ergebnisse
Angola – Ghana 0:1 Ghana (Gyan, 16.)
Elfenbeinküste – Algerien 2:3 (n.V.), (Kalou 4., Keita 89.; Matmour 40., Bougherra 90.+1, Bouazza 92.)
Tor des Tages
Angola – Ghana 0:1, Asamoah Gyan (16.)
Ghanas Fussballlegende Abedi Pele hatte vor der Partie prognostiziert, dass Asamoah Gyan den Siegtreffer erzielen würde, wenn er denn spielen würde. Auch bei diesem Turnier schlägt er sich wieder mit Verletzungssorgen herum und musste tatsächlich in der heutigen Partie gegen Angola ausgewechselt werden, als sich seine Oberschenkelverletzung erneut bemerkbar machte. Doch da hatte er den Angolanern mit seinem perfekt platzierten Diagonalschuss bereits einen mächtigen Schock versetzt, von dem sie sich nicht mehr erholen sollten. Der für Torhüter Carlos Fernandes unerreichbare Ball blieb an diesem Abend der einzige Treffer im Stadion des 11. Novembers in Luanda. Der Abschluss durch Gyan war perfekt, doch ebenso perfekt war das lange Zuspiel von Mittelfeldspieler Kwadwo Asamoah genau in den Lauf des Angreifers. Gyan überlief die gegnerische Verteidigung und schickte sein Team dann mit dem erfolgreichen Abschluss des Angriffs ins Halbfinale.
Denkwürdige Momente
Keitas Traumtor reicht nicht
Abdelkader Keita hat im Trikot der Elfenbeinküste schon eine ganze Reihe sehenswerter Distanzschüsse in die Maschen gejagt, doch der Treffer in der vorletzten Minute der regulären Spielzeit der heutigen Partie gegen Algerien war sicher einer der schönsten. Nachdem er für den starken Salomon Kalou eingewechselt worden war, ließ Keita unvermittelt einen Kracher aus gut 30 Metern los, der genau im linken Winkel einschlug und Torhüter Faouzi Chaouchi keine Abwehrchance ließ. Es wäre ein würdiger Siegtreffer für die Elfenbeinküste gewesen, doch nur wenige Augenblicke später hatte Algerien wieder ausgeglichen.
Verpasste Chancen
Der junge angolanische Stürmer Manucho ließ im Viertelfinale gegen Ghana gleich drei Riesenchancen ungenutzt, die Partie zu drehen. Bei einer Flanke von Flavio in der 30. Minute löste er sich geschickt von seinem Bewacher und hatte dann genügend Raum für seinen Kopfball, doch der war viel zu nah am gegnerischen Torhüter Richard Kingson. Kurz vor der Pause kam es noch schlimmer. Flavio legte den Ball schön zurück, doch Manucho kam ins Stolpern und jagte das Leder weit über den Kasten. Eine Viertelstunde vor Schluss hätte er dann seine Fehler wieder gutmachen können, doch dieses Mal war sein Kopfball zu hoch angesetzt und flog zur großen Enttäuschung der 50.000 Fans über die Latte.
Zusammenbruch
Als Algerien erstmals gegen die Elfenbeinküste in Führung gegangen war, nachdem der eingewechselte Hameur Bouazza mit seiner ersten Ballberührung ein Tor erzielt hatte, brach auf beiden Seiten die Ordnung zusammen und es ergaben sich für die Teams noch zahlreiche Chancen. So hatte insbesondere Algerien in der zweiten Hälfte der Verlängerung mehrere gute Chancen, die 3:2-Führung noch weiter auszubauen. Abdelkader Ghezzal hätte nach einer Flanke von links nur noch einschießen müssen, doch er verpasste den Ball. Hassan Yebda konnte kurz danach einen Kopfball am kurzen Pfosten nicht richtig platzieren, und dazwischen hatte es noch reichlich Verwirrung vor dem Tor der Ivorer gegeben.
Ehrenvolle Niederlage
Angolas Nationaltrainer Manuel Jose hätte guten Grund gehabt, den vielen verpassten Chancen nachzutrauern und die Niederlage trotz des starken Engagements seines Teams zu beklagen, doch er zeigte auch angesichts des Ausscheidens sportliche Größe. Zunächst gratuliere er Ghana zum Sieg und zum Einzug ins Halbfinale, dann beglückwünschte er das angolanische Volk für die Ausrichtung des Turniers und erst dann sprach er von den vergebenen Chancen an diesem Abend "voller Pech".
Enttäuschung für das "Meer in Gelb und Rot"
Die Angolaner hatten sich wacker geschlagen und waren gegen Ghana mehrfach einem Treffer ganz nahe gekommen, doch den Fans, die nach dem Spiel aus dem Stadion des 11. Novembers strömten, war die tiefe Enttäuschung deutlich anzusehen. Nur zwei Stunden zuvor hatten die gleichen Fans zumindest für diesen einen Tag die Stadt Luanda zum Zentrum der Fussballwelt gemacht und das ganze Stadion in ein Meer aus Gelb und Rot getaucht. Sie tanzten und sangen leidenschaftlich, sie bejubelten jeden Angriff ihrer Helden frenetisch und feuerten ihr Team auch angesichts der drohenden Niederlage unermüdlich an. Doch letztlich blieb den Fans nur die Enttäuschung darüber, dass alles auch ganz anders hätte verlaufen können. So aber blieb es den Gastgebern verwehrt, im eigenen Land erstmals ins Halbfinale des Turniers vorzustoßen.
Zahl des Tages
9 – So viele Tage hatte die Mannschaft der Elfenbeinküste vor dem Viertelfinale am Sonntag beim Afrikanischen Nationen-Pokal spielfrei. Die Ivorer hatten das Turnier mit einem Unentschieden gegen Burkina Faso begonnen. Es folgte ein Sieg gegen Ghana, der bereits den Gruppensieg sicherte. Das letzte Spiel in Gruppe B gegen Togo fand nicht statt, da Togo seine Mannschaft zurückgezogen hatte.
Zitat
"Ich bin sehr stolz, der Trainer dieser Mannschaft zu sein. Die Spieler haben Alles gegeben und bis zum Ende gekämpft. Ghana hatte nur eine einzige Chance und hat damit ein Tor erzielt. Wir haben sehr gut gespielt, aber leider haben uns die Tore gefehlt. Nun sind wir ausgeschieden, doch ich bin stolz auf diese Mannschaft."
Manuel Jose (Trainer, Angola)
Die nächsten Spiele
Ägypten – Kamerun, 25. Januar, 17:00 Uhr
Sambia – Nigeria, 25. Januar, 17:00 Uhr
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