Alle zwei Jahre wieder erinnert der CAF Afrikanische Nationen-Pokal daran, wie fussballbegeistert der Kontinent doch ist. Zu Jahresbeginn ausgetragen ist die Afrika-Meisterschaft so etwas wie ein verspätetes Weihnachtsgeschenk für die Fans.
16 Mannschaften, darunter sieben ehemalige Gewinner (Algerien, Ägypten, Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun, Nigeria und Tunesien), vier Austragungsorte (Luanda, Cabinda, Benguela, Lubango), drei Turnierwochen (10. – 31. Januar): Angola 2010 verspricht Spektakel.
Eine besondere Note bekommt das Turnier zudem, weil es nur fünf Monate vor der ersten FIFA Fussball-Weltmeisterschaft™ auf afrikanischem Boden stattfindet. FIFA.com stellt Ihnen die fünf Teams vor, die auch in Südafrika dabei sein werden - der Gastgeber selbst ist nicht qualifiziert.
Kamerun
Auf dem Weg zur FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010™ haben sich die Unzähmbaren Löwen schwerer getan als sonst, zu den Vertretern des Kontinents zu zählen. Nicht einmal mehr in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste sind sie Afrikas Nummer 1. Denn seit dem mit 0:1 denkbar knapp verlorenen Endspiel beim CAF Afrikanischen Nationen-Pokal 2008 ist Kamerun aus dem Tritt geraten.
In den ersten beiden Spielen der letzten Qualifikationsrunde gab es nur zwei Punkte. Als Ergebnis dessen musste Trainer Otto Pfister gehen, Paul Le Guen kam. Dank der rigorosen Mannschaftsführung des Ex-Trainers von Lyon beendete Kamerun die Qualifikation alsdann mit vier Siegen in Folge und zeigte sich auch spielerisch verbessert.
Samuel Eto'o ist in Hochform und wird flankiert von einer jungen Garde an Talenten, darunter Spieler wie Alexandre Song und Stéphane Mbia. An Zielen mangelt es den Löwen entsprechend nicht. "Wir können nicht sagen, diese Afrika-Meisterschaft sei eine Art Trainingslager für die WM. Es ist ein Wettbewerb, den man ambitioniert angehen muss. Wir wollen uns gut verkaufen, so weit wie möglich kommen und warum nicht auch den Titel holen?", äußerte sich Le Guen zuletzt.
Ghana
Seit der historischen ersten Qualifikation für eine FIFA Fussball-Weltmeisterschaft - nämlich die in Deutschland 2006 -, wo die Leistungen mehr als achtbar waren (Ausscheiden erst im Achtelfinale gegen Brasilien), haben die Black Stars reichlich Fortschritte gemacht. 2008, anlässlich des Afrikanischen Nationen-Pokals im eigenen Land, erreichten die damals von Claude Le Roy trainierten Spieler den dritten Platz.
Es war die beste Platzierung seit dem verlorenen Finale 1992. Daran hat auch die Amtsübernahme des neuen Trainers Milovan Rajevac nichts geändert, eher im Gegenteil. Immerhin hat der mit Richard Kingson, Michael Essien oder Asamoah Gyan auch eine feste Achse an in Europa erprobten Akteuren zur Verfügung.
Die Folge: Ghana löste als erste afrikanische Elf das WM-Ticket. Die U-20-Auswahl holte zudem den Weltmeistertitel in ihrer Altersklasse. Der vielversprechende Nachwuchs stellt auch acht Spieler in Angola, darunter Daniel Agyei, Samuel Inkoom, Emmanuel Agyemang-Badu, André Ayew und Dominic Adiyiah, der in Ägypten den Goldenen Schuh und den Goldenen Ball von adidas gewann.
Algerien
Noch vor wenigen Monaten schien es so, als müssten die Wüstenfüchse aus Algerien in ihrem Bau bleiben: Die letzten beiden Afrika-Meisterschaften hatten ohne sie stattgefunden. Da blieben nur die Erinnerungen an die glorreichen 80er Jahre als leiser Trost.
Dann aber kam die Qualifikation für Südafrika 2010 - und mit einem Mal gedeihen wieder Träume in den Reihen der Algerier und ihrer Anhänger. Vor allem der Erfolg im Duell mit dem zweimaligen Afrika-Meister Ägypten beflügelte. "Leicht wird es nicht werden, denn alle qualifizierten Mannschaften haben ein herausragendes Niveau", warnt Trainer Rabah Saadane dennoch.
"Wir wollen trotzdem so weit wie möglich kommen. Das ist auch wichtig mit Blick auf die WM." Beim Afrikanischen Nationen-Pokal 2010 wollen Madjid Bougherra, Nadir Belhadj, Karim Matmour und Abdelkader Ghezzal ihren Status als Entdeckung des Jahres bestätigen.
Elfenbeinküste
Betrachtet man allein die Namen, die "Coach Vahid" (Halilhodzic) zur Verfügung stehen, dann sind die Ivorer unbedingte Titelanwärter: Emmanuel Eboué, Yaya Touré, Salomon Kalou, Didier Drogba - sie alle sind Fixgrößen bei großen Vereinen in Europa.
Aus vielen guten Einzelspielern ein funktionierendes Kollektiv zu machen, ist dennoch nicht einfach. Das wissen die Ivorer nicht zuletzt noch vom letzten Afrikanischen Nationen-Pokal 2008. Auch damals waren sie als großer Turnierfavorit gestartet, doch im Viertelfinale war es dann vorbei mit der Herrlichkeit. Hatte es zuvor noch vier Siege in vier Spielen mit 13 Toren und nur einem Gegentor gegeben, so kamen die Mannen von Trainer Gérard Gili hernach erst gegen Ägypten (1:4) und dann gegen Ghana (2:4) mächtig unter die Räder und wurden am Ende nur Vierter.
Unnötig zu erwähnen, dass nun das ganze Land mehr von seinen Idolen erwartet. Für Didier Drogba ist dies eine zusätzliche Motivation, wie er sagt: "Wir werden mit Ehre und Würde um den Sieg kämpfen."
Nigeria
Drittbeste afrikanische Mannschaft in der FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste, neben Kamerun die einzige Nation, die bei vier der fünf letzten WM-Endrunden dabei war - und doch hat Nigeria seinen Nimbus eingebüßt. Auf Rasheed Yekini, Daniel Amokachi, Jay-Jay Okocha und Sunday Oliseh folgten Spieler wie Onyekachi Apam, Taye Taiwo, John Obi Mikel und Obafemi Martins.
An Potenzial mangelt es diesen gewiss nicht, wohl aber an Konstanz. Da passt es ins Bild, dass Nwankwo Kanu mit seinen 33 Jahren für Trainer Shaibu Amodu immer noch unverzichtbar ist. Nach dem verpatzten Auftritt in Deutschland 2006 und dem sang- und klanglosen Ausscheiden im Viertelfinale des Arikanischen Nationen-Pokals 2008 haben sich die Super Eagles auch in der Qualifikation für Südafrika 2010 schwer getan.
Das Turnier in Angola könnte also gerade recht kommen, um die Skeptiker zum Verstummen zu bringen. Der erst seit einigen Monaten verantwortliche Amodu jedenfalls sagt, seine Konzentration gelte voll und ganz dem kontinentalen Titel, dem Nigeria seit 1994 hinterher läuft: "Mein Hauptaugenmerk gilt jetzt dem Afrikanischen Nationen-Pokal. Erst danach werde ich mich mit der Weltmeisterschaft befassen."
